Spicken und blau machen? Aber das machen doch alle…

Warum Spicken und Blau machen trotzdem nicht o.k. sind

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Kennst du den Film „Der Dummschwätzer“? Darin spielt Jim Carrey einen Menschen, der die Fähigkeit zum Lügen verloren hat und immer automatisch die Wahrheit sagt. Das hat fatale Folgen: Er muss z. B. einem Polizisten, der ihn anhält, beichten, dass er unzählige nicht bezahlte Strafzettel im Handschuhfach hat… und nach einem Rendezvous plappert er doch glatt aus, dass es ihm eigentlich überhaupt nicht gefallen hat…

Im Film ist es oft ziemlich witzig, in was für Situationen er dadurch kommt, dass er immer die Wahrheit sagt. Wie aber ist das in der Realität? Stell dir mal vor, du wärst tatsächlich immer absolut ehrlich… Geht das überhaupt??

Dieser Film macht traurigerweise deutlich: Unser tägliches Leben ist durchzogen von einem Netz aus Unwahrheiten, Halbwahrheiten und Lügen – es scheint in manchen Lebensbereichen gar nicht anders zu gehen. Und wir haben uns schon so sehr daran gewöhnt, dass es uns manchmal gar nicht mehr negativ auffällt, wenn es Lug und Trug gibt. So passiert es auch Christen immer wieder, dass sie sich in diesen Strudel mit hineinziehen lassen.

Die Schule – Nagelprobe für Wahrheit und Unwahrheit

Besonders knifflig ist das mit der Wahrheit in der Schule! Gerade hier gibt es immer wieder Situationen, wo die Unwahrheit oft hilfreicher zu sein scheint als die Wahrheit:

  • Da ist vielleicht eine Klassenarbeit, für die du nicht richtig gelernt hast – also rüstest du dich mit einem gut präparierten Spickzettel aus. Auf diese Weise täuschst du dem Lehrer ein Wissen vor, das du gar nicht hast …
  • Oder vielleicht hast du sogar intensiv gelernt, aber es kommt eine Aufgabe dran, die du einfach nicht schaffst – also riskierst du einen Blick auf das Blatt des Nachbarn und schreibst seine Lösung ab. Auch hier täuschst du ein Wissen vor, dass du nicht selber hast, ja du „klaust“ es dir sogar von jemand anderem …
  • Und dann ist da vielleicht die Aussicht auf zwei tolle Stunden im Park, am See oder im Schwimmbad – wieso in der Schule hocken?? Also erfindest du einen Grund, um nicht in der Schule sein zu müssen und machst blau …

 

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Abschreiben, abschreiben lassen und blau machen – das gehört zum Schulalltag wie der Pausengong oder die Mathestunde. Alle wissen es – Schüler wie Lehrer!

Und auch als Christ an der Schule fällt es dir wahrscheinlich schwer, dich dem entgegenzustellen – denn „es machen ja alle so …“ und ein bisschen bequemer scheint es manchmal ja auch zu sein, sich die Noten durch Spicken zu sichern, anstatt durch Lernen.

Woran liegt das, dass wir uns dem Sog dessen, was alle machen, so schwer entziehen können?

Der „alte Adam“ in uns …

Adam und Eva waren zwar keine Schüler – aber sie hatten ein Problem, das du vielleicht kennst: Sie konnten nicht glauben, dass ihr Leben, so wie Gott es ihnen geschenkt hatte, gut war – gut, auch ohne die ominöse Frucht von dem Baum in der Mitte des Gartens. Also haben sie diese Frucht gegessen – obwohl Gott gesagt hatte, sie sollten es nicht tun.

Wir Christen haben heute oft noch ein ähnliches Problem: Auch wir können oft nicht glauben, dass unser Leben, so wie Gott es uns schenkt, gut ist. Oft meinen wir, wir müssten dafür sorgen, gut da zu stehen vor anderen, wir müssten immer mit vorne dran sein und zu den Besten, zu den Angesehensten gehören – weil wir dem Irrtum aufsitzen, nur dann würden uns die anderen achten und gern haben. Also tun wir Dinge, die wir eigentlich gar nicht tun bräuchten – aber wir tun sie, weil etwas vom Denken des alten Adam noch in uns steckt.

Kannst du z. B. glauben, dass du geachtet und wertvoll bist – auch, wenn du nicht immer die besten Noten hast? Gott fragt nicht nach Schulnoten – er sieht dein Herz an, ob es ungeteilt zu ihm gehört! Und er liebt dich – unabhängig von deinen Noten.

Die Folgen sind nicht so gut wie erhofft …

Genau aus diesem Grund, weil Gott dich bedingungslos liebt, brauchst du also gar nicht krampfhaft nach zusätzlicher Anerkennung suchen. Weder durch (erschlichene) „gute“ Noten noch durch einen angeblichen Triumph, weil du den Lehrer per Spickzettel oder Blaumachen übers Ohr gehauen hat. Spicken etc. mag deine Mitschüler vielleicht kurzfristig beeindrucken – langfristig gesehen schadet es dir aber mehr, als es dir nützt!

Zum einen bewegst du dich auf sehr dünnem Eis, wenn du versuchst dich mit Spicken und Blaumachen durch das Schul-Leben zu schlagen! Denn wenn es schief geht und du auffliegst, verbaust du dir vielleicht deine weitere Laufbahn!

Zum anderen sagt schon das Sprichwort „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, selbst wenn er auch die Wahrheit spricht …“. Oder anders ausgedrückt: Du wirst mit der Zeit unglaubwürdig. Denn wenn deine Mitschüler und Lehrer wissen, dass du vor Unehrlichkeiten und Lügen nicht zurückschreckst – woher sollen sie dann wissen, ob und wann sie dir bei anderen Gelegenheiten vertrauen können?

Und schließlich ist da noch die Frage, die dich als Christ immer begleitet: Welches Licht wirfst du durch dein Verhalten auf Jesus? Gott möchte, dass alles, was wir tun, ihm alle Ehre macht (1. Kor 10,31).

Worum es letztlich geht:

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Der neue Adam braucht keine alten Methoden

Nun könntest du vielleicht denken: „Schade, mal wieder Pech gehabt als Christ. Die anderen dürfen spicken und Blau machen, ich als Christ darf das aber nicht …“. Doch darum geht es nicht! Ich will dich nicht zum Streber machen! Natürlich ist es schwer, gegen den Strom zu schwimmen und du brauchst dich auch nicht um jeden Preis unbeliebt machen in deiner Klasse. Es geht nicht um ein „Pech gehabt, das darfst du nicht …“ sondern um ein „Glück gehabt, das brauch ich nicht!“

Es geht letztendlich darum, ob du als Christ glaubwürdig bist und tatsächlich als Kind Gottes lebst – also als Kind dessen, der selbst absolut wahrhaftig ist (Hebr 6,18). Ehrlichkeit verschafft dir zwar keine leicht eingeheimsten guten Noten oder einen relaxten Nachmittag im Park – aber sie verschafft dir Glaubwürdigkeit! Die Lüge macht dich unglaubwürdig. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit dagegen lassen jeden um dich herum wissen, dass du vertrauenswürdig bist und man wissen kann, wie man dran ist bei dir. Das macht letztendlich mehr Eindruck als alles andere.

Paulus schreibt im Epheserbrief, dass du als Christ ein neuer Mensch bist. In dieses neue Menschsein kannst du hineinschlüpfen wie in ein neues Kleidungsstück, das Gott selbst für dich angefertigt hat (Eph 4,24). Gott selbst ermöglicht dir also im wahrsten Sinn des Wortes einen neuen (Lebens-)Style – du brauchst dich nicht mehr in die alten Methoden mit hineinziehen zu lassen! Daraus zieht Paulus gleich im nächsten Vers die Schlussfolgerung: „Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit…“ (Eph 4,25). Unehrlich sein, das passt einfach nicht zu deinem (neuen!) Wesen als Kind Gottes, das widerspricht sich. Darum halte deine Beziehung zu Gott frei von solchen Widersprüchen.

„Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eueres Sinnes!“ Römer 12,2

Als Christ kannst du also ein neues Leben führen; ein Leben, dass sich nicht mehr abhängig machen muss von der Gier, immer gut dastehen zu müssen, und von dem Zwang, immer das tun zu müssen, „was alle machen“. Eines unserer Hauptprobleme als Christen ist, dass wir in vielem zu angepasst sind an den Rest der Welt um uns herum. Wir schwimmen einfach mit dem Strom und merken gar nicht, dass Gottes Wege und Methoden oft ganz andere sind.

Du aber kannst etwas Neues, etwas anderes tun, weil du zu Gott gehörst. Du kannst den Lug und Trug von Unwahrheiten und Betrügereien ablegen und mit dazu beitragen, dass der Alltag in deiner Schule mehr von Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit bestimmt wird als von Lügen und Halbwahrheiten.

Und das lohnt sich gleich in mehrfacher Hinsicht: Du selbst bleibst aufrichtig und glaubwürdig; deine Beziehung zu Gott wird nicht durch Schuld beeinträchtigt, wenn du auf Spicken und Blau machen verzichtest – und gute Noten, die du dir ehrlich verdient hast, fühlen sich einfach tausendmal besser an, als eine Leistung, die du dir nur erschwindelt hast und an der immer ein unschöner Beigeschmack hängen wird.

Ein paar Tipps für die Praxis:

  • Mach dir bewusst, was Lüge in den Augen Gottes bedeutet (lies dazu mal 2. Mose 20,16; 3. Mose 19,11; Eph. 4,24-25; Hebr. 6,18)!
  • Bedenke: Lug und Trug sind nicht „o.k.“, sie sind nicht „o(hne) K(onsequenz)“ – Lügen haben Folgen! Meistens bleibt es nicht bei einer einmaligen Unwahrheit, sondern es entsteht ein ganzes Netz aus Unwahrheiten, in das du dich immer mehr verstrickst!
  • Vermeide Situationen, die dich zur Unwahrheit drängen könnten – versuche z. B. so gut es geht zu lernen, um gar nicht erst in die Situation zu kommen, evtl. spicken zu müssen!
  • Biete deinen Mitschülern an, ihnen beim Lernen und bei den Hausaufgaben zu helfen. anstatt sie einfach nur abschreiben zu lassen.
  • Bitte Jesus, dir zu helfen, einen wahrhaftigen Lebensstil als Kind Gottes zu führen!
  • Tauscht euch im SBK über euere Erfahrungen mit Spicken und Blau machen aus und sucht nach Wegen, wie ihr euch gegenseitig dabei helfen könnt, in Zukunft frei zu sein von dem Zwang zur Unehrlichkeit!

 

Mario Ertel, Theologe und Schüler-SMD-Reisesekretär
von: „SchülerSMD„, Mit freundlicher Genehmigung.