Mobbing

Anne-Garti / pixelio.de

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Daniel geht mit Bauchschmerzen zur Schule. Angst ist seit längerem sein ständiger Begleiter. Vor der Klassentür zögert er und holt noch einmal tief Luft. Dann geht er in die Klasse und will sich schnell auf seinen Platz setzen.

Aber da steht Sven schon wieder vor ihm: „Na, da ist ja wieder unser Looser! Was willst du denn hier!“ Gelächter! Alle schauen auf Daniel. Er möchte am liebsten in den Boden versinken. Sven schubst ihn zurück zur Tür. „Los verzieh dich! Wir brauchen dich hier nicht!“ Er schnappt sich Daniels Schultasche und schüttet alles auf den Boden. „Ja, was haben wir denn hier für einen Misthaufen!“ Daniel kämpft mit den Tränen… Svens Clique lacht. „Der Sven ist echt ein cooler Typ und immer gut für einen kleinen Scherz.“ Die anderen schauen zu.

Kommt dir das bekannt vor? Diese Szene ist von mir erfunden, aber in ähnlicher Form kannst du sie täglich in der Schule erleben. Ein Mitschüler oder eine Mitschülerin wird ausgegrenzt, drangsaliert, geärgert, gedemütigt, körperlich oder mit Worten angegriffen. Er oder sie ist Opfer von Mobbing!

Definition

©Sanja Gjenero/RGBstock

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(aus WIKIPEDIA)

Laut Dan Olweus bedeutet Mobbing, dass „ein oder mehrere Individuen wiederholte Male und über einen Zeitraum negativen Handlungen von einem oder mehreren Individuen ausgesetzt sind“. Es handelt sich um negative Handlungen, wenn ein Individuum einem anderen Schaden beziehungsweise Unannehmlichkeiten zufügt oder zuzufügen versucht. Solche Handlungen können verbal (drohen, verspotten, beschimpfen,…), physisch (schlagen, schubsen, treten, kneifen, festhalten,…) oder non-verbal (Grimassen schneiden, böse Gesten, Rücken zuwenden,…) vonstatten gehen.

Mobbing-Opfer

Das typische Mobbing-Opfer ist in einer Außenseiterposition, weil es in irgendeinem Punkt anders ist als die anderen. Das kann die Herkunft sein, ein Dialekt, andere Interessen als die tonangebende Clique in der Klasse oder auch besonders gute oder schlechte Leistungen. Folgen von Mobbing: Angst, in die Schule zu gehen, Nervosität, Stress, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche oder sogar Depressionen.

Mobber (Täter)

Schüler und Schülerinnen, die mobben, sind meistens in der Klassengemeinschaft beliebt und gehören der Clique an, die besonders „in“ ist. Sie sind impulsiv und tonangebend, stehen gern im Mittelpunkt und sind selbstsicher. Jungs tendieren eher zu körperlichen Angriffen, Mädchen sind subtiler und mobben und verletzen eher mit Worten.

Mitmobber (Mittäter)

©Zichael Zacharzewski/Stock.xchng

©Zichael Zacharzewski/Stock.xchng

Mobbing geschieht in der Regel auf dem Hintergrund einer Gruppe. Das heißt, der Mobber hat eine Clique, die ihn mehr oder weniger aktiv unterstützt. Die Gruppe bildet den Rahmen, in dem sich die Lust nach Macht und Gewalt des Mobbers entfalten kann. Die Bewunderung der Mitmobber und die Gleichgültigkeit der Zuschauer fördern sein Selbstbewusstsein.

Zuschauer

Die größte Gruppe, die Mobbing überhaupt erst möglich macht, ist die schweigende Mehrheit, die zuschaut. Sie sehen das, was geschieht und lehnen es auch oft ab. Aber die Angst, selber Opfer zu werden oder Nachteile in Kauf zu nehmen, wenn sie sich gegen das Mobbing wenden, ist groß. Oft wissen sie auch nicht, was sie tun sollen.

Tipps für Gemobbte

  • Du bist nicht allein mit diesem Problem. Auch anderen Jungen und Mädchen geht es so. Meistens ist es nicht ihre Schuld, dass sie beschimpft, verspottet oder misshandelt werden.
  • Trau dich darüber zu reden. Suche dir eine Person, die dir helfen kann wie Eltern, Lehrer, JungscharleiterIn. Auch wenn es schwer fällt, sage klar, was passiert ist.
  • Du kannst auch zuerst anonym Hilfe suchen bei einem Sorgentelefon oder per Mail: Warte nicht zu lange, bis die Mobber dir schon viel angetan haben. Stopp sie in den Anfängen. Mach schnell deutlich, dass man nicht alles mit dir machen kann.
  • Schreib es dir auf: Wann und wie sie dich misshandelt haben, wer dabei war und wer als Zeuge auftreten könnte.
  • Such dir Verbündete in der Klasse. Sprich Leute der „schweigenden Mehrheit“ an und bitte sie um Schutz. Schließ dich in der Pause einer anderen Gruppe an und mache bei ihren Spielen oder Unterhaltungen mit.
  • Wirst du erpresst, dann sage dies einer Vertrauensperson! Meistens hören die Erpresser dann auf. In der Regel haben sie Angst vor Erwachsenen.
  • Mach keine Alleingänge, wenn du mit dem Mobber sprichst. Nimm dir einen starken Zeugen mit und sag ihm oder der Gruppe, was dich verletzt hat.
  • Wirst du im Internet beleidigt oder werden Bilder von dir veröffentlicht, die du nicht willst, richte dir eine andere Internetadresse ein und hol dir Hilfe von Erwachsenen.

Als Mobbingopfer solltest du dir auf jeden Fall Hilfe holen. Du bist nicht allein! Wenn du niemanden weißt, dem du dich anvertrauen kannst, dann sind unten einige Internetadressen und Telefonnummern angegeben, wo du Rat und Hilfe findest. Du kannst sicher auch im Telefonbuch Nummern z.B. von Telefonseelsorge, Kinderschutzzentren oder anderen Hilfsangeboten finden. Schweige nicht, sondern sprich mit jemand darüber!

Mobbing und Christsein

©Cherie Wren/Stock.xchng

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Als Christ hast du natürlich bei Mobbing in deinem Umfeld eine besondere Verantwortung. Jede Art von Mobbing lässt sich mit einem Leben mit Gott nicht vereinbaren. Schon allein das Lästern über andere, Beschimpfen usw., also verletzen mit Worten, ist ein Verhalten, das du vor Gott nicht rechtfertigen kannst.

„So kann auch die Zunge, so klein sie auch ist, enormen Schaden anrichten.“ (Jakobusbrief 3,5)

„Aber die Weisheit, die von Gott kommt, ist vor allem rein. Sie sucht den Frieden, ist freundlich und bereit, nachzugeben. Sie zeichnet sich durch Barmherzigkeit und gute Taten aus. Sie ist unparteiisch und immer aufrichtig. Und wer Frieden stiftet, wird in Frieden säen und Gerechtigkeit ernten.“ (Jakobusbrief 3,17-18)

Wenn du zum Kreis der Mobber oder Mitmobber gehörst, bitte Gott um Vergebung und um Hilfe, dein Verhalten zu ändern. Wende dich an eine Person deines Vertrauens und sprich mit ihr darüber, was du tun kannst.

Wenn du zu den Zuschauern gehörst, bitte Gott dir zu zeigen, wie du den Mobbern und dem Opfer helfen kannst. Sprich mit Vertrauenspersonen und versucht Lösungen zu finden. Tu etwas und schau nicht länger zu!

„Gott segnet die, die sich um Frieden bemühen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ (Matthäus 5,9)

(Auszüge aus: „Warum seid ihr nur so gemein!“, Jutta Georg, Hänssler Verlag, 2006; SOS – Themen der Jugendseelsorge, Th. Riewesell, St. Schmid, Born Verlag 2007; www.wikipedia.de und www.basta-net.de )

©Nicolas Raymond/Stock.xchng

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Internet

Telefon

Deutschland 

Kinderschutzbund in Deutschland Telefonnummer 0800 – 111 0 333.
(Du kannst dort von Montag bis Freitag von 15.00 bis 19.00 Uhr anrufen.)

Österreich 

Kinderschutz-Zentrum Salzburg, Beratung: 0662 – 44 9 11

Schweiz 

pro juventute Telefon 147 (unter dieser Nummer erhalten Kinder und Jugendliche in der ganzen Schweiz gratis rund um die Uhr Beratung)

Bücher

  • „SOS – Themen der Jugendseelsorge“, Th. Riewesell, St. Schmid, Born Verlag 2007
  • „Warum seid ihr nur so gemein!“, Jutta Georg, Hänssler Verlag, 2006