Lernen – aber wie?

Matthias muss unbedingt laut lernen. Bei Barbara reicht es, wenn sie sich den Stoff zweimal gut durchliest, dann hat sie ihn drinn. Andreas braucht nicht viel zu tun, er passt gut im Unterricht auf und kann sich dabei viel merken. Carolin ist ganz anders, sie schreibt sich immer eine eigene Zusammenfassung – mit unterschiedlichen Farben und ist so am Besten vorbereitet. 
Wie in allen anderen Dingen, ist auch beim Lernen jeder anders.

Aber folgende Tabelle ist recht interessant:

Wenn wir nur etwas Hören, erinnern wir uns höchstens an 20 Prozent davon wieder. Wenn Hören und Sehen gekoppelt ist, ist der Prozentsatz schon bei 50 Prozent. Die 90 Prozent Erinnerung, wenn man selbst schon bei der Auswahl des Lernstoffs mitreden konnte, sind jedoch nicht zu schlagen!

 Wahrscheinlich sind den Lehrern, was den Jahres-Stoff betrifft, die Hände gebunden. Der Lehrplan gibt Vieles vor. 
Ob du dich jedoch mit hinein nehmen lässt und dich beim Unterrichtsgespräch und bei Gruppenarbeiten beteiligst, das ist deine Entscheidung. Diese Tabelle sollte dich dazu auf jeden Fall ermutigen.

Es gibt viele verschiedene Modelle, in denen versucht wird, die Menschen in Lerntypen einzuteilen. Ich weiß nicht, ob das möglich ist, aber hier mal ein Modell: der HALB-Test:

  • H = Handelndes Lernen
  • A = Auditives Lernen (Hören)
  • L = Lesendes Lernen
  • B = Bildliches Lernen

Handelndes Lernen

Manche Schüler probieren lieber etwas aus, bevor sie lange Anleitungen lesen oder sich etwas lang und breit erklären lassen. Auch haben sie es gerne, wenn ihnen jemand etwas praktisch vorzeigt und sie es bald danach selber ausprobieren können. Für solche SchülerInnen ist es günstig, einen Lernstoff mit eigenen Erlebnissen in Beziehung setzen zu können, mit anderen gemeinsam aktiv zu sein, etwa in Spielen, Experimenten oder Gruppenarbeiten. Sie bevorzugen Tests und Aufgaben, die ein selbständiges Lernen ermöglichen.

Akustisches Lernen

©Andrea Kratzenberg/Stck.xchng

Diese Schüler sind für den „normalen“ vortragenden Unterricht der Idealfall, denn sie lernen am besten, wenn ihnen jemand etwas mit Worten erklärt. Sie verlassen sich dann auch auf ihre Fähigkeit, gut zuhören zu können, und dabei das Vorgetragene zu behalten. Es fällt ihnen leicht, gehörte Informationen aufzunehmen, zu behalten und auch wiederzugeben. Sie sind in der Lage, oft auch ausführlichen mündlichen Erklärungen zu folgen. Wie man aus Untersuchungen weiß, sind aber nur sehr wenige Schüler diesem Typus zuzuordnen (deutlich unter 10 Prozent). Diskussionen und Frage-und-Antwort-Sitzungen sind für ihre Art des Lernens ideal. Am besten behalten sie den Lernstoff, wenn sie mit jemanden über den Lernstoff sprechen oder jemandem darüber Fragen stellen können, sie prüfen sich gegenseitig gerne ab, einige speichern den Lernstoff auf einem Tonband oder auf dem Computer, den sie sich dann mehrmals anhören. Lernhilfen sind daher Lernkassetten, Gespräche mit anderen Lernenden etwa in Lerngruppen, Vorträge, die Stoffdarbietung in Form von Dialogen und mit Musik unterlegte Lernmaterialien.

Lesendes Lernen

©Fran Priestley/Stck.xchng

Für diese Schüler sind gute Lehrbücher mit viel Text der Idealfall, denn sie holen sich ihr Wissen am leichtesten aus schriftlichen Quellen. Sie sind in der Lage, auch komplizierte Sachverhalte allein dadurch zu verstehen, wenn sie eine genaue Beschreibung davon lesen. Sie lernen am besten, wenn sie den Lernstoff mit eigenen Worten formulieren können, Prüfungsfragen schriftlich ausarbeiten oder Merktexte am Computer anfertigen. Sie fertigen zum Lernen von Texten Auszüge an, in denen sie den Inhalt mit eigenen Worten zusammenfassen.

Bildliches Lernen

Diese Schüler finden sich in neuem Lernstoff am besten zurecht, wenn dieser in Bildern, Overheadfolien, Dias, Filmen oder Videos daherkommt. Das Beobachten von Handlungsabläufen macht es ihnen leicht, Dinge zu behalten. Beim Lernen veranschaulichen sie sich den Lernstoff in Form von Übersichten, Grafiken oder Bildern. Komplizierte Dinge zeichnen solche Schüler gerne auch auf, wobei sie diese häufig farbig gestalten. Ihre Hefte schmücken sie manchmal mit Skizzen und Bildern zum Stoff aus. Lernhilfen sind also Bücher mit Skizzen, Bildern, aber auch Lernposter, Videos und auch Lernkarteien.

Aus: www.stangl-taller.at

(Der Einfachheit halber habe ich „Schüler“ statt „SchülerInnen“ geschrieben. Das macht das Lesen leichter)

 

Die meisten Modelltheorien über Lerntypen sagen: Jeder ist ein „Mischtyp“ mit einem Schwerpunkt. Ist auch ganz logisch: Wir haben verschiedene Sinne und je mehr Sinne beim Lernen beteiligt sind, desto besser ist das Ergebnis. Zu dem Gelernten können dann ganz unterschiedliche Eindrücke gespeichert und dann wieder erinnert werden!
 Aber natürlich hat jeder seine Vorlieben, wie bei Mathias, Barbara, Andreas und Carolin.

Schon der Hammer, wie viel wir uns überhaupt merken können und was wir alles verstehen und lernen können.

©Rodrigo Galindo/Stck.xchng

„Ein Mensch kann in einer halben Sekunde so komplizierte Aufgaben wie das Identifizieren (=Erkennen und verstehen) eines Bildes bewältigen. Die Information hierfür kann dabei eine Kette von höchstens hundert Neuronen hintereinander durchlaufen haben (100-Schritt-Regel), dies dafür in massiver Parallelität (=Nebeneinander). Wo das Gehirn 100 Schritte benötigt, benötigen Computer Milliarden.“

Aus: www.aiplayground.org/artikel/hawkins-gehirn

 

Wie genial hat Gott sich das ausgedacht!

Weitere Lerntipps:

www.stangl-taller.at

 

Kann lernen auch Spaß machen?

Vokabeln lernen ist natürlich eine trockene Sache, wenn man einfach nur die Wörter so lange wiederholt, bis sie im Kopf drin sind.

Versuch dir doch einmal beim Lernen von Vokabeln vorzustellen, wie die Sache oder Tätigkeit aussieht, für die der Begriff steht. Das kann auch sehr lustig sein, wenn du der Sache in deiner Vorstellung ein lustiges Gesicht gibst: eine Kuh, die dich anlacht, ein Baum, dem die Haare zu Berge stehen,… 

Man kann sich auch Eselsbrücken ausdenken, um eine Sache nicht mehr zu vergessen.

Geht es um einen Text, dessen Inhalt gelernt werden soll, z.B. für den Unterricht in Geschichte, dann lies den Text erst einmal durch, um dir einen Überblick zu verschaffen. Dann kannst du dir wichtige Wörter unterstreichen oder raus schreiben und anhand dieser Wörter den Inhalt wiederholen.  Lustig kann es auch sein, wenn man in einer Gruppe lernt. Da kann man sich gegenseitig abfragen, ohne Angst vor schlechten Noten haben zu müssen. Auch wenn die Methoden noch so gut sind, Lernen macht nicht immer Spaß. 

Wir müssen es alle lernen, dass wir im Leben oft Dinge tun müssen, die zunächst keinen Spaß machen, aber am Ende doch zu einem guten Erfolg führen: z.B. gute Noten, guter Schulabschluss, gute Berufsaussichten.

Viel Freude und Erfolg beim Lernen!

 

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