Satanismus – der Mensch als Gott?

©Uwe Duwald/Pixelio.de

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Jeder von uns hat wahrscheinlich schon einmal in irgendeinem Zusammenhang von Satanismus gehört. Die wenigsten wissen aber, was es damit wirklich auf sich hat.
Bilder von Grabschändungen auf nächtlichen Friedhöfen, perversen Ritualen und Tieropfern sind in unseren Köpfen fest mit unserer Vorstellung davon verbunden.
Doch Satanismus ist nicht gleich Satanismus. Klingt komisch, bedeutet aber, dass das Bild, das wir von dieser „Gegenreligion“ haben, eigentlich nur teilweise der Realität entspricht.

Viele gefallen sich einfach in der Rolle des „dunklen Außenseiters“ und behaupten, Satanist zu sein, um andere zu provozieren und zu erschrecken. Prinzipiell gilt aber, je mehr man das herausposaunt, desto weniger steckt meist dahinter. „Wahre“ Satanisten legen nämlich sehr viel Wert darauf, nicht als solche erkannt zu werden und wollen auch generell niemanden „für sich gewinnen“, weil sie sich für die Elite der Menschheit halten, zu der nur die Besten gehören.

 

Was ist also „echter“ Satanismus?

Der Begriff „Satan“ stammt aus dem Hebräischen und bedeutet „Anfeinder“, „Gegner“ und „Widersacher“.  Die großen monotheistischen Religionen, wie Judentum, Christentum und Islam sehen den Teufel als Gegenspieler Gottes in einer Welt, die sich im ständigen Kampf zwischen Gut und Böse befindet. Dabei ist Satan jedoch der Verlierer – wer sich auf seine Seite stellt, wird die Ewigkeit an einem Ort ohne die Gegenwart Gottes, also ohne Liebe, Hoffnung und Trost, verbringen.

„Denn der Teufel ist zu euch herabgekommen und hat einen großen Zorn, da er weiß, dass er nur wenig Zeit hat.“ (Offenbarung 12,12c)

„Wer die Sünde tut, der ist aus dem Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist der Sohn Gottes erschienen, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ (1. Johannes 3,8)

Satanismus wird oft als Religion verstanden, die anstelle Gottes den Teufel anbetet und so bewusst christliche Rituale pervertiert und ins Lächerliche zieht.

In unserer heutigen Zeit gibt es aber schon so viele unterschiedliche satanistische Strömungen, dass es sehr schwierig bis unmöglich ist, diese auf einen Nenner zu bringen.

Bob Passantino, ein christlicher Autor, hat es einmal so formuliert: „Moderner Satanismus ist eine Form religiösen Glaubens und Ausdrucks, die sich der Anbetung Satans bedient, wobei Satan als übernatürliche Person, Gottheit, Teufel, eine übernatürliche Macht, eine natürliche Kraft oder auch meistens als das Selbst begriffen wird.“ [1]

 

Atheistischer bzw. philosophischer Satanismus

©WiseWander/Pixelio.de

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Hier spielt der Satan (als Person) eine erstaunlich „unwichtige“ Rolle, vielmehr steht der Mensch im Mittelpunkt, der sich selbst zum Gott erhebt, der also immer gottähnlicher werden soll.

Interessanterweise spricht die Schlange im Sündenfall genau dieses Thema an:

„(…) an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“ 1. Mose 3,5

Im atheistischen/philosophischen Satanismus werden zwar „magische“ Rituale praktiziert*, eigentlich geht es aber um pure Selbstverwirklichung und das uneingeschränkte Ausleben der persönlichen Freiheit und Sexualität. Alles ist erlaubt, denn der Mensch ist sein eigener Gesetzgeber und das Maß aller Dinge.

„Es ist alles erlaubt“, sagt ihr. Das mag stimmen, aber es ist nicht alles gut für euch. Mir ist alles erlaubt, aber ich will mich nicht von irgendetwas beherrschen lassen.“ 1. Korinther 6,12

* „Die Mitglieder [der Church of Satan] praktizieren rituelle Magie, die jedoch nicht als Anrufung übernatürlicher Wesen verstanden wird, sondern als therapieähnliches Psychodrama zur Selbstbeeinflussung der Emotionen der Beteiligten, so dass deren Wunscherfüllung gefördert wird. Nach Aussage der Church of Satan bewegt sich diese Magie allerdings stets im Rahmen der Naturgesetze und stellt keine übernatürlichen Kräfte dar.“ [2]

Der Begriff „Satan“ steht in diesem Kontext eher für eine innere Einstellung, sozusagen „die wahre Natur des Menschen“. In den „Neun Satanischen Grundsätzen“ heißt es unter anderem: „(3) Satan bedeutet unverfälschte Weisheit anstatt heuchlerischem Selbstbetrug“ und „(7) Satan bedeutet, dass der Mensch lediglich ein Tier unter anderen Tieren ist, manchmal besser, häufig jedoch schlechter als die Vierbeiner, da er aufgrund seiner „göttlichen, geistigen und intellektuellen Entwicklung“ zum Bösartigsten aller Tiere geworden ist.“

Letzteres steht wohl in bewusstem Gegensatz zur biblischen Sicht, in der der Mensch von Gott als sein Ebenbild geschaffen wurde, sich also klar von den Tieren unterscheidet.

„So schuf Gott den Menschen als sein Ebenbild, als Mann und Frau schuf er sie.“ (1. Mose 1,27)

„Ja, du hast ihm eine hohe Stellung gegeben – nur wenig niedriger als die Engel. Mit Ruhm und Ehre hast du ihn gekrönt. Du hast ihm den Auftrag gegeben, über deine Geschöpfe zu herrschen. Alles hast du ihm zu Füßen gelegt: die Schafe und Rinder, die Tiere des Feldes, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im weiten Meer.“ (Psalm 8,6-9)

„… Ihr seid neue Menschen geworden, die Gott selbst nach seinem Bild geschaffen hat. …“ (Epheser 4,24)

 

Okkulter Neo-Satanismus bzw. Historischer Satanismus

Im Gegensatz zum atheistischen/philosophischen Satanismus wird hier tatsächlich der Teufel angebetet und okkulte Rituale praktiziert. (Anm.: Die Grenze zwischen Okkultismus und Satanismus ist oft sehr schmal bzw. das eine geht fließend ins andere über. Wer sich mit dunkler Magie einlässt, öffnet gleichzeitig auch die Tür für Satan.)

„Okkulter Neo-Satanismus“ ist besonders in den USA und in Südafrika weit verbreitet und ist wohl derjenige, der am meisten dem Bild entspricht, das viele Leute von Satanismus haben.

Tier- oder Menschenopfer sind aber – entgegen der weit verbreiteten Meinung – laut den „elf satanischen Regeln der Erde“ der Church of Satan nicht erwünscht:

(9) „Verletze keine kleinen Kinder.“ (10) „Töte keine nicht-menschlichen Tiere, solange du nicht angegriffen wirst oder Essen brauchst.“ [3]

Sie werden auch in der Öffentlichkeit von den meisten Satanisten abgestritten.

 

©Sokaeiko/Pixelio.de

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Satanistische Weltsicht

In der satanistischen Weltsicht ist jeder sozusagen „sich selbst der Nächste“, also Rücksichtnahme auf andere bzw. Nächstenliebe wird klein geschrieben.

„Räche dich nicht, und sei nicht nachtragend! Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!“ (3. Mose 19,18)

Wie würde unsere Welt wohl ohne Liebe aussehen? …

„Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht verbissen, sie prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab. Liebe verletzt nicht den Anstand und sucht nicht den eigenen Vorteil, sie lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend. Sie freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt. Liebe ist immer bereit zu verzeihen, stets vertraut sie, sie verliert nie die Hoffnung und hält durch bis zum Ende.“ (1. Korinther 13,4-7)

Die „Church of Satan“ (COS) hat ein Fünf-Punkte-Programm, den „Pentagonalen Revisionismus“, verfasst, in dem es unter anderem heißt: „Schichtenbildung – Der eine Punkt, an den alle weiteren ultimativ angeknüpft sind. Es kann keinen Mythos der „Gleichheit“ aller mehr geben – das übersetzt sich zu „Mittelmäßigkeit“ und unterstützt die Schwachen auf Kosten der Starken. (…)“

Die Schwachen oder Kranken haben keinen Platz in der Gesellschaft und verdienen kein Mitgefühl, im Gegenteil, sie werden eher als Last empfunden. Diese Denkweise erinnert – nicht zufällig – stark an nationalsozialistisches Gedankengut.

Im Gegensatz zur Meinung der Satanisten über die Wertlosigkeit „schwacher“ Menschen steht in der Bibel, dass Gott oft gerade diese Menschen für seine Vorhaben aussucht und gebrauchen will, um die vermeintlich „Starken“ zu beschämen:

„Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist.“ (1. Korinther 1,27)

 

Entstehung des „modernen“ Satanismus

Zwei Personen haben die heutige Form des Satanismus besonders geprägt: Zum einen Aleister Crowley, ein britischer Magier, der das Buch „Liber AL vel Legis“ („Buch des Gesetzes“) schrieb, das eine neue Religion verkündete und zur Leitschrift der neureligiösen Bewegung „Thelema“ wurde. (Thelema orientiert sich neben dem „Buch des Gesetzes“ auch an okkulten und magischen Traditionen wie dem Rosenkreuzertum, der Kabbala, der Gnosis und anderen spirituellen und religiösen Lehren.)

Und zum anderen Anton Szandor LaVey, der 1966 die Church of Satan gründete und Satanismus als Erster öffentlich zu einem eigenständigen achristlichen Religionssystem machte. Er verfasste die „Satanische Bibel“, die in vier Bücher aufgeteilt ist und dessen Inhalt von Kritik an anderen Religionen über die „Neun satanischen Grundsätze“, Feiertage, das Verhältnis zu Gott, die Theorie und die Praxis der satanischen Magie und Ritualarten bis hin zu Anrufungen Satans, höllischer Namen und Beschwörungen reicht.

Die bekanntesten satanistischen Organisationen sind die schon erwähnte „Church of Satan“ (COS), der „Order of Nine Angles“ (Orden der neun Winkel), „Temple of Set“ (TOS) und der „Misanthropic* Luciferian Order“.

Der „Ordo Templi Orientis“ („Orientalischer Templerorden“, kurz OTO) existierte nur von 1903 bis ca. 1923. „Erklärtes Ziel des Ordens war die Vervollkommnung des Menschen durch Ritualmagie“ [4] Nach seiner Auflösung trat der „Caliphat-OTO“ seine Nachfolge an.

Für detailliertere Informationen zu den einzelnen Organisationen siehe folgenden Link: http://www.relinfo.ch/index/satanismus.html

* „Misanthrop“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Menschenhasser“ oder „Menschenfeind“.

 

©ceara/Pixelio.de

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Jugendsatanismus als Sonderform

Beim „Jugendsatanismus“ handelt es sich um eine grundsätzlich negative Lebenseinstellung, in der es um Rebellion geht. Die Bezeichnung kommt daher, dass diese „Phase der Rebellion“ oft in der Pubertät stattfindet.

Oft sind es Jugendliche, die sich von der Gesellschaft ausgeschlossen, unterdrückt oder vernachlässigt fühlen und privat und/oder beruflich überfordert sind. Sie haben wenig bis keine Gelegenheiten, ihre Aggressionen anderswo abzubauen, deshalb wirkt der Satanismus so attraktiv auf sie. Hier können sie sich ausleben, es gibt keine Regeln und Grenzen, deshalb fühlen sie sich stark.

Man kann Jugendsatanismus grob in drei Bereiche aufteilen:

Den „experimentellen“ Satanismus, bei dem in erster Linie anhand okkulter magischer Rituale und Beschwörungen herausgefunden werden soll, ob es Satan wirklich gibt. Er wird vorerst „nur“ als Hypothese angenommen. Dahinter steckt einerseits Neugier und Faszination des Bösen, andererseits auch der Wunsch nach Nervenkitzel – ähnlich, wie beim Ansehen von Horrorfilmen.

Zweitens, den „weltanschaulich-religiösen“ Satanismus, der die Existenz des Teufels voraussetzt und ihn anstelle Gottes in den „Schwarzen Messen“ anbetet. Dort werden christlich-religiöse Liturgien, Gebete und Bibelstellen pervertiert und rückwärts gelesen/gesprochen, sowie (unter anderem) christliche Symbole in Ritualen geschändet.

Und zuletzt den sogenannten „pathologischen“ ( = krankhaften) Satanismus (griech. pathologikós: „die Leiden betreffend“), der meistens mit psychischen Störungen zusammenhängt, seine Ursachen also in der Geschichte des Betroffenen hat. Das äußert sich dann in sogenannten „dissoziativen Persönlichkeitsstörungen*“ und Verfolgungswahn. Die betroffenen Menschen behaupten oft, Aussteiger aus einer satanischen Gruppe zu sein, berichten von den schrecklichen Erlebnissen, die sie dort hatten und sind überzeugt, von anderen Mitgliedern der Gruppe verfolgt zu werden.

Manche Leute erfinden solche „Schauergeschichten“ allerdings auch einfach, um Aufmerksamkeit zu bekommen, zu schockieren oder Mitleid zu wecken. Dahinter steckt oft das Gefühl, nicht verstanden zu werden, nicht dazuzugehören oder minderwertig zu sein.

Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Geschichte von Ramona K., die aufgrund einiger Missverständnisse letztlich sogar an die Öffentlichkeit gelangt ist, obwohl sie sich bei näherer Überprüfung als bloße Erfindung herausgestellt hat. (Siehe http://www.relinfo.ch/satanismus/tbo.html)

* auch bekannt als „multiple Persönlichkeitsstörung“

 

Wie soll ich mich Satanisten gegenüber verhalten?

Zu allererst: Nicht jeder, der von sich behauptet, Satanist zu sein, ist das auch im engeren Sinne. Vielleicht hört er Black- oder Death Metal Musik und legt Wert darauf, mit seiner schwarzen Kleidung und seinem Äußeren aufzufallen, oder damit seinen eigenen Stil auszudrücken. Das heißt aber nicht, dass er das satanistische Weltbild verinnerlicht hat oder zwingend irgendeiner satanistischen Organisation angehört.

Wie du mit diesen Menschen umgehst, hängt natürlich erst einmal davon ab, wie gut du denjenigen kennst. Sich auf Diskussionen über die „richtige“ Religion einzulassen, bringt in den meisten Fällen nichts. Wenn der andere Fragen hat, kannst du sie aber natürlich beantworten, sofern du dazu eine Antwort hast.

Am wichtigsten ist es, für die Person zu beten. Nur Gott hat die Macht, Herzen zu verändern und es ist wichtig, hier nicht selbst (aus eigener Kraft) irgendetwas bewirken zu wollen, sondern ihm die Kontrolle zu übergeben. Bitte ihn auch um Kraft, der Person freundlich zu begegnen. Liebe ist unsere stärkste Waffe.

Euch aber, die ihr hört, sage ich: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen.“ (Lukas 6,27)

„Er hat uns errettet aus der Herrschaft der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe, in dem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Sünden.“ (1. Kolosser 1,13-14)

 

Quellen:

  1. Satanism. Bob & Gretchen Passantino. Zondervan Grand Rapids. 1995. S.7
  2. Satanism: The Feared Religion. Peter H. Gilmore / Wikipedia (Abgerufen am 1. Februar 2010 (englisch))
  3. Church of Satan / Wikipedia (Abgerufen Sept. 2013)
  4. Ordo Templi Orientis / Wikipedia (Abgerufen Sept. 2013)