Wo die Not am größten ist

William Booth und die Gründung der HeilsarmeeHeilsarmee_Deutschland_logo

Die erste schwere Weltwirtschaftskrise wurde 1857 in Amerika ausgelöst und breitete sich mit hoher Geschwindigkeit auf die Finanzzentren Europas aus. Reihenweise brachen Banken zusammen, und Industrieunternehmen gingen in Konkurs. Binnen kurzer Zeit stürzte die Krise Millionen Menschen auf der ganzen Welt in Arbeitslosigkeit, Hunger und Not.

Auch William Booth, der Gründer der Heilsarmee, musste als Kind den Bankrott seines Vaters miterleben. Hunger und Armut bedrängten ihn und seine Familie. Die Missstände in der Gesellschaft führten soweit, dass sogar Kinder für schwere Arbeit in Fabriken missbraucht oder in die ausbeutende Welt der Prostitution verkauft wurden. Die Familien der Kinder waren so arm, dass sie keine andere Möglichkeit zum Überleben sahen. Das Elend war allgegenwärtig und wurde oft in Alkohol ertränkt. William Booth wollte diese unerträgliche Armut bekämpfen und den Nöten der Menschen entgegenwirken, wusste aber nicht, wie. Dies führte bei ihm zu einer machtlosen, depressiven Niedergeschlagenheit, die ihm alle Hoffnung nahm.

Hoffnung für die Elenden

William_BoothIn dieser dunklen Zeit der inneren Zerrissenheit fand Booth in den Worten des Evangeliums wieder neuen Mut. Der Glaube an Jesus Christus, der kam, um die Menschen zu heilen, sie zu trösten und zu befreien, um ihnen ihre Würde und ihre Bestimmung zu geben, schenkte seinem Leben neuen Sinn. William Booth’s Glaube wuchs mit einer Kraft und Begeisterung, die sein Leben radikal veränderte.

Sein Herz zog ihn in die Elendsviertel Ostlondons, wo er die Ärmsten aufsuchte, um ihnen von seinem heilenden und liebenden Gott zu erzählen. Anfangs skeptisch, begannen seine Zuhörer allmählich über diesen Gott zu diskutieren und nachzudenken und die Geschichten über Jesus Christus zu hören. Booth brachte aber nicht nur tröstende Worte, sondern auch Essen und frische Kleider zu den Menschen. Die Verkündigung des Wortes Gottes und sein direktes Handeln gegen Armut und Unrecht führten dazu, dass sich immer mehr Anhänger um ihn scharten.

Kirche der Straße

Rama  Wikimedia / Commons

Rama / Wikimedia Commons

William Booth wollte die Armen in das Haus Gottes führen, aber die Gemeindemitglieder wehrten sich gegen derlei „Beschmutzung“ ihrer Kirche und hießen das „Gesindel“ nicht willkommen. So entwickelte sich eine eigene „Kirche der Straße“, die fortan ihre Gottesdienste auf öffentlichen Plätzen oder in Theatersälen abhielt. Für Obdachlose und Armutsbertroffene wurden Einrichtungen gegründet. Damit Kinder nicht versklavt werden mussten wurden ihre Familien versorgt. Das Engagement der Heilsarmee für Menschen in Not setzte ein wegweisendes Zeichen der Nächstenliebe in dieser schweren Zeit.

Auch 2012 herrscht Krisenstimmung auf den weltweiten Finanzmärkten. War Armut inmitten des Überflusses bereits vor 150 Jahren eine seltsam wirkende Erscheinung, so ist sie auch heute noch realer Bestandteil der Gesellschaft. Ein Leben über die eigenen Verhältnisse und die damit verbundene Verschuldung des Einzelnen führt in die Abhängigkeit. Wer den Partner oder Arbeitsplatz verliert oder etwas anderes Schweres erlebt, kann schnell am Leben verzweifeln und in Armut enden. Doch bis heute tut es die Bewegung der Heilsarmee ihrem Vorbild William Booth gleich und schenkt den Armutsbetroffenen Mut und Hoffnung. Durch menschliche Zuwendung, soziale Hilfeleistungen und die Verkündigung des Wortes Gottes.

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Major Hans-Marcel Leber ist gebürtiger Schweizer und Geschäftsführer der Heilsarmee Österreich.

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