Fremde Kultur – klarer Auftrag

Eine Nacht in einer kleinen, dunklen Hütte verbringen – zusammen mit einer brütenden Henne, meckernden Ziegen und anderen Kleintieren. Wunderschöne Sonnenuntergänge erleben. Mitreißenden Lobpreis auf afrikanisch erleben. Hoffnung ins Gefängnis bringen. In halsbrecherischen Fahrten auf kleinen Motorrädern von A nach B kommen. In tiefbraune Kinderaugen blicken, die gespannt erwarten, was man aus seinen Taschen zaubert. Oder unfreiwillig zu fünft in einem festgefahrenen Jeep übernachten, während es draußen in Strömen regnet …

jake-stimpson/flickr.com

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Trotz unserer intensiven Vorbereitungszeit konnten wir uns solche Situationen vor unserer Ausreise aus Deutschland kaum vorstellen. Deshalb ist es schwer die Frage „und, wie war es in Uganda?“ mit einem Satz zu beantworten. Man könnte vielleicht sagen: vielfältig, verrückt, einzigartig, herausfordernd und auch ein ganz klein bisschen mutig. Für genau sechs Monate haben wir, ein junges Ehepaar aus Siegen, unsere Familien und Freunde, unsere Wohnung, unsere Gemeinde und alles, was wir gewohnt waren, hinter uns gelassen und sind nach Afrika gegangen.

Wir sind oft gefragt worden, was uns zu diesem Schritt bewogen hat. Die Antwort ist einfach: Wir wollten Gott dienen, und das außerhalb von unserem gewohnten Umfeld. Wir haben uns gewünscht, mehr über Mission und das Leben auf einer „Missionsstation“ zu erfahren, wollten auch herausfinden, ob wir uns das für längere Zeit vorstellen können. Und ein bisschen Abenteuerlust war natürlich auch dabei… So haben wir letztes Jahr im September unsere sieben Sachen gepackt und sind mit der Missionsgesellschaft DIGUNA in Arua gelandet, einer Stadt im Nordwesten von Uganda.

Kulturschock

Die Andersartigkeit des Landes und der Mentalität der Afrikaner haben uns vom ersten Moment an gleichzeitig fasziniert und irgendwie schockiert. Wir dachten, wir wären gut vorbereitet, aber es war alles so ungewohnt und fremd! Die Menschen, die Kultur, die Art und Weise zu leben, zu essen, zu schlafen, zu arbeiten, Gottesdienst zu feiern, den Tag und die Zukunft zu planen, einkaufen zu gehen, die „Straßen“, das Klima, die Fröhlichkeit, die Gastfreundschaft, die Armut und Schlichtheit, der Umgang von Frauen und Männern, die Vegetation, die Bildung… Nichts von dem ist mit Deutschland vergleichbar. Aber das macht es gleichzeitig auch so spannend! Die meisten größeren Gelände und Gebäude werden in Uganda zum Schutz vor Einbrechern umzäunt und bewacht. Das Leben der DIGUNA-Station „innerhalb des Zaunes“ ist relativ europäisch, zumindest im Vergleich zum Leben außerhalb der Mauern und Zäune. Mittags wird hier zwar traditionell afrikanisch gekocht, aber die anderen Mahlzeiten und der Tagesablauf werden von dem überwiegend deutschen Team bestimmt.

sanjoy-gosh/flickr.com

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DIGUNA in Arua

Das Team besteht aus Leuten, die nur für eine kürzere Zeit zu einem solchen Einsatz fahren und noch meistens einem Einheimischen. Die „Longtermer“ sind dagegen mehrere Jahre in Afrika. In Arua sind das eine Familie mit drei Kindern und ein Ehepaar, die für die Stationsleitung und alle Planungen Verantwortung tragen. Daher ist diese Station im Vergleich zu anderen DIGUNA-Stationen recht klein, was die Atmosphäre persönlich macht. Gerade als Ehepaar muss man sich deshalb bewusst kleine Auszeiten nehmen und ein bisschen Zeit zu zweit verbringen.
In unserer Zeit dort haben wir mit acht jungen Leuten das Team gebildet und uns die Aufgaben geteilt, die anfielen: Büroarbeit, Hauswirtschaft, Gartenarbeit, in der Werkstatt und bei der technischen Unterstützung des Radios der Station mithelfen, Kinderstunden gestalten, Andachten im Gefängnis halten, Emmaus-Bibelkurse korrigieren, Schuleinsätze oder Einsätze in den umliegenden Dörfern durchführen, Deutschunterricht geben oder auch mal mit dem Stationshund Gassi gehen.

Aufgaben, die erfüllen

Von allen Aufgaben hat uns beiden persönlich die Evangelisation an den unterschiedlichsten Orten am meisten Freude gemacht: Im Gefängnis, wo trotz der erbärmlichen Umstände eine Gemeinde innerhalb der Mauern existiert, die voller Freude Jesus Loblieder singt und unsere Andachten wie ein Schwamm aufsaugte. Bei Kinderstunden, in denen Gottes Wort auch in muslimischen Regionen erzählt werden darf. Im wirklichen „Busch“ Ugandas, wo wir unter einfachsten Bedingungen Menschen mit dem Evangelium erreichten, die zum Teil noch nie eine Bibel in der Hand gehalten haben, vor allem nicht in ihrer Sprache. Es war eine absolut eindrucksvolle, intensive und auch nicht immer einfache Zeit, die wir so weit von zuhause erleben durften.
Wir sind uns einig, dass wir die Erfahrungen nicht missen wollen und sehr froh sind, mal „über den Tellerrand“ geschaut und Gott spürbar erlebt zu haben. Er wirkt in den Herzen von Menschen – in Deutschland und in Afrika.

Bernd & Tine Ohrendorf
haben in der Zeit in Afrika gemerkt, wie wichtig und vielfältig Mission ist.

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