Auf den Kopf gestellt

jerry-woody / flickr.de

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Musa lernte ich in Gambia kennen, bei einem halbjährigen Einsatz mit dem Missionswerk „Weltweiter Einsatz für Christus“. Der muslimische Jugendliche erzählte, wie sein Misstrauen den Weißen gegenüber abnahm und er durch sie etwas ganz Besonderes kennenlernte. Musa‘s Geschichte habe ich aufgeschrieben.

Es ist früh am Morgen und die ersten Sonnenstrahlen fallen in mein Zimmer. Langsam stehe ich auf und suche mir meine Klamotten zusammen. Alles liegt kreuz und quer in dem kleinen Raum verteilt und es herrscht ein einziges Durcheinander. Da es immer noch ziemlich dunkel ist, kann ich nicht viel sehen und erst nach einigen Versuchen finde ich meine Jeans. Die Energiesparlampe an der Decke hat das letzte Mal vor drei Monaten gebrannt – leider sind die Solarzellen kaputt gegangen. Geld für die Reparatur fehlt und somit bleibt es dunkel.

Während ich nach draußen gehe, fällt mein Blick auf ein verblichenes Liederbuch und ich muss an die gestrige Jugendstunde zurückdenken. Es ist immer schön, wenn Dorothy und Douglas zu Besuch kommen. Die beiden sind Missionare aus Schottland und jeden Freitag kommen sie zur Jugendstunde vorbei. Zusammen mit meinen Freunden lesen wir in der Bibel, spielen Spiele und singen Gott Lieder.

m-wagner / flickr.de

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Etwa zwei Jahre bin ich jetzt Christ und seit einigen Monaten gehe ich nun in diese Jugendgruppe. Mein neuer Glaube hat einiges auf den Kopf gestellt und die erste Zeit war es nicht einfach. Vieles war ungewohnt für mich. Der Gottesdienst ist ganz anders als ich es kenne. Verglichen mit der Moschee geht es viel lauter zu und es ist freier. Für mich war es ganz neu, Gott durch Lieder anzubeten, oder das Abendmahl zu feiern. Was mich sofort beeindruckt hat, ist die Liebe und Freundlichkeit, mit der mich alle in der Gemeinde empfangen haben. Ich wurde direkt aufgenommen und habe mich zu Hause gefühlt.

Nun gehe ich schon länger in meine Gemeinde und mein Pastor hat mir sogar schon einige Aufgaben anvertraut. Ich darf die Trommeln während der Anbetungszeit spielen und helfe manchmal in der Sonntagsschule mit. Ich bin Gott echt dankbar, dass er seine Missionare nach Gambia geschickt hat und ich durch sie von Jesus Christus erfuhr. Und wenn ich mich zurück erinnere, hatte Gott es nicht immer leicht mit mir.

Sie rettete meine Schwester

Zu Beginn war ich gegenüber diesen weißen Ausländern ziemlich reserviert und habe nicht verstanden, was sie in meinem Land wollen. Sie haben irgendwie alles und sind reich – und dann kommen sie ausgerechnet nach Westafrika. Doch meine anfängliche Abneigung konnte ich nicht lange aufrechterhalten. Irgendwas an diesen Leuten war besonders und sie verhielten sich so ganz anders, als ich es erwartet hatte. Noch immer kann ich meine kleine Schwester vor mir sehen, wie sie zusammengekrümmt und mit schmerzverzerrtem Gesicht in ihrem Bett liegt. Eine Wunde an ihrem rechten Arm hatte sich entzündet und die Infektion breitete sich mittlerweile am ganzen Körper aus.

Als wir die deutsche Missionarin Hedwig (wir nennen sie aber Dr. Anna, der andere Name ist so kompliziert auszusprechen) um Hilfe baten, zögerte sie nicht und fuhr meine Schwester sofort in das 180 Kilometer entfernte Krankenhaus. Sie kümmerte sich gut um Fatou und nach zehn Tagen konnte meine Schwester entlassen werden. Nicht auszudenken, wenn Dr. Anna uns nicht geholfen hätte.

Mich hat ihr Verhalten tief beeindruckt und ich fragte mich, warum Dr. Anna so handelte und warum sie als Ärztin nach Gambia gekommen ist. Nach meinem Gespräch mit ihr, entschied ich mich für Jesus. Es war nicht das erste Mal, dass sie mir von Jesus erzählte, doch diesmal hatte ich es verstanden. Mir war bewusst, dass ich in meinem Leben eine Entscheidung treffen musste und ich wollte diese befreiende Liebe erleben, von der Dr. Anna sprach.

Arbeit bei den Missionaren

Seitdem sind nun zwei Jahre vergangen und ich habe Gott in verschiedenen Situationen konkret erlebt. Er ist bei mir und versorgt mich mit allem, was ich brauche. Neben mir hat sich meine ganze
Familie Jesus zugewandt und wir leben unseren Glauben. Meine islamischen Freunde konnten zunächst gar nicht verstehen, dass ich kein Moslem mehr bin und mit Jesus lebe. Aber als sie merkten, dass ich trotz meines neuen Glaubens immer noch der Musa bin, mit dem man Fußball spielen kann, gab es keine Probleme mehr. Vielmehr konnte ich sie sogar schon einige Male zu Dr. Anna einladen und als wir beim letzten Mal den Jesus-Film ansahen, waren sie ganz begeistert und haben Fragen gestellt. Es freut mich, dass sie so interessiert sind und ich hoffe, dass ich sie immer mehr von Jesus begeistern kann.

auf den Kopf gestellt TB

leonora enking / flickr.de

Aber ich sollte nicht so viel nachdenken, mich lieber auf meinen Arbeitsweg konzentrieren und aufpassen, dass ich mit meinem Fahrrad keinen Unfall baue. Die Straßen hier in Gambia sind teilweise echt gefährlich und neben Autos und Fußgängern kreuzen nicht selten Kühe oder Pferde meinen Weg. Ich bin nun auf dem kleinen Pfad zur Missionsstation unterwegs und, wie jeden Morgen, eher spät dran.

Es ist interessant: Alle weißen Missionare die ich kenne, achten penibel auf Zeitvereinbarungen und Verabredungen. Ich bin es gewohnt, dass man sich verabredet – aber nicht für eine bestimmte Uhrzeit. Viel entspannter ist es doch, dass man sich dann trifft, wenn man Zeit und Lust hat. Aber vielleicht bekomme ich das meinen weißen Freunden noch beigebracht, ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Soeben biege ich in die Einfahrt zum Grundstück der Missionsstation ein und sehe auch schon Douglas, wie er mir freundlich zuwinkt. Heute wollen wir das Zimmer für einen deutschen Jugendlichen renovieren, der für ein halbes Jahr die Arbeit des Missionswerks unterstützen möchte. Heute Abend wird er ankommen – vielleicht werden wir ja Freunde werden. ich würde mich auf jeden Fall sehr freuen.

Samuel Kuhn
lernte Musa kennen und die beiden wurden während seines Aufenthalts dort wirklich Freunde.

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