Mediensüchtig

In unserer Gesellschaft finden sich zahlreiche Suchtmöglichkeiten. Einige sind leicht feststellbar und werden in der Presse häufig behandelt, wie zum Beispiel Drogen und Alkohol. Andere hingegen, die ebenfalls das Sozialleben, die Gesundheit und manchmal sogar das Leben gefährden, sind viel diskreter. Wir wollen sie nicht übersehen! Die Medien-Leidenschaft ist eine davon.

Süchtig!?

Ein starker Ausdruck. In der Mehrzahl der Fälle kann sich eine betroffene Person mit diesem Wort nicht identifizieren, wenn sie damit konfrontiert wird, süchtig zu sein. Lasst uns den Begriff «süchtig» gemäss dem Wörterbuch «Le Petit Larousse 2008» näher anschauen:

  • abhängig von einer Droge, drogensüchtig
  • leidenschaftlich begeistert sein von etwas

Wenige werden sich mit der ersten Definition identifizieren, aber doch schon eher mit der zweiten! Wir können leidenschaftlich begeistert sein von Sport, Reisen, Lektüre, Internet, Essen, Basteln, Gartenzwergen und vielen weiteren Dingen. Für unsere Leidenschaft sind wir häufig bereit, viel Energie, Zeit und Geld zu investieren und dabei andere Bereiche unseres Lebens zu vernachlässigen.

Unser Denken und Teile unseres Handelns drehen sich ständig um diese Leidenschaft, ja sogar unsere Laune kann davon abhängen.

„Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ Matthäus 6,21.

Persönliche Erfahrung.

©abcdz2000/Stck.xchng

Abhängigkeit von etwas bedeutet häufig, dass dieser Sache eine Unmenge von Zeit gewidmet wird. Für einen Christen besteht das Risiko, dass die Zeit nicht mehr genutzt wird für Gottesdienstbesuche, persönliche Andacht, Mitmachen in einer Jugendgruppe, Gebetszeiten, Dienst am Nächsten, Verbreitung des Evangeliums. Im Februar 2007, kurz nach meiner Bekehrung, musste ich infolge einer Verletzung aufhören mit Fussball spielen…, wo doch dieser Sport meine Leidenschaft seit 1990 war! Während der Erholungsphase hatte ich viel mehr Zeit zur Verfügung für Gott, die anderen und mich selbst.

Dies hat mir die Augen darüber geöffnet, welchen Platz der Fussball in meinem bisherigen Leben eingenommen hatte. Als sich mein Gesundheitszustand gebessert hatte, merkte ich, dass meine Leidenschaft vorüber war. Ich habe darauf verzichtet, weiterhin in einem Club zu spielen, und seither habe ich diese Entscheidung nie bereut! Während der Euro 08 habe ich mir nur zwei oder drei Spiele angeschaut, während ich vom Weltcup 1994 alle Matchs gesehen hatte. Ich ging dabei so weit, um 2 Uhr morgens aufzustehen, um nichts zu verpassen. Ich sage nicht, dass du alle Aktivitäten aufgeben sollst, die nicht mit dem Glauben in Verbindung stehen, aber pass auf, dass sie deine Beziehung zu Gott nicht gefährden.

„Denn die leibliche Übung nützt wenig, die Gottesfurcht aber ist für alles nützlich, da sie die Verheissung für dieses und für das zukünftige Leben hat.“ 1. Timotheus 4,8.

Wie sieht’s mit Abhängigkeit im Bereich Mobiltelefonie (Natel) aus?

Das Handy ist zu einem Gegenstand geworden, der nicht mehr wegzudenken und für viele sogar unverzichtbar geworden ist. Zugegeben, manchmal ist es sehr nützlich. Das Handy ermöglicht uns heutzutage, jederzeit erreichbar zu sein (theoretisch) und vieles mehr. Wie oft hören wir sagen: «Cool, ich habe Kollegen!», wenn ein SMS-Signal ertönt. Bedeutet das auch, dass wir keine Kollegen haben, wenn wir im Laufe eines Tages keine SMS erhalten haben? Wenn wir eine SMS versenden, die während Stunden unbeantwortet bleibt, schleicht sich da nicht eine Spur von Ungeduld ein? Welche Quelle von Enttäuschung und Frustration! Schaffen wir es, dieses Gerät einen ganzen Abend lang ausgeschaltet zu lassen oder es während der Ferien sogar ganz zu Hause zu lassen? Wie viele Menschen verschulden sich infolge ihrer hohen

©Wilton Rodrigues/Stck.xchng

Handy-Rechnungen? Wie viele vernachlässigen die neben ihnen anwesende Person, während sie sich mehrere Minuten mit ihrem unsichtbaren Gegenüber unterhalten? Wie viele können es nicht lassen, ihr Natel in jeder Pause zu checken? Eine beachtliche Anzahl von Menschen ist heute handysüchtig, ohne sich dessen zwingend bewusst zu sein. Diese Art von Abhängigkeit ist natürlich nicht tödlich, aber sie kann so einige ungesunde Situationen auslösen. Das eigentliche Problem ist dabei nicht das Natel selbst, sondern der Umgang damit. Wir wollen unsere zwischenmenschlichen Beziehungen mit Respekt und voller Präsenz ausleben!

Leben in einer virtuellen Welt.

Nach der Mobiltelefonie gehen wir über zum Internet und dessen Gefahren. Auch hier ist ein häufiger Gebrauch üblich (gezielte Informationssuche, E-Mail-Briefkästen, Chat-Seiten, virtuelle Sozial-Netzwerke und andere). Viele Fälle, die hauptsächlich in den USA oder Asien vorgekommen sind, zeigen leider, dass Missbrauch grassiert und dass das Internet den Menschen dazu bringen kann, Verrücktheiten zu begehen (psychiatrische Behandlung, Suizid und Mord). Häufig sucht und sehnt sich jemand, der sich in der Realität nicht mehr zurechtfindet, nach einem Zuhause in einer virtuellen Welt. Viele Möglichkeiten stehen zur Verfügung, um in dieser Weise zu leben, namentlich mit Videospielen oder verschiedenen Internet-Seiten. Seit einigen Monaten ist die Webseite ‘Facebook’ sehr beliebt.Wenn du kein eigenes Profil hast, bist du nicht «in». Kurz erklärt handelt es sich um eine Seite, die es einem ermöglicht, eine persönliche Seite mit seinem eigenen Profil zu pflegen und auf diese Weise viele andere Menschen «zu begegnen und kennen zu lernen».

Als ich mich für dieses Phänomen interessierte, machte mir ein Freund eine kleine Demonstration davon. Daraus war zu entnehmen, dass das Profil der Leute sehr selten mit der Realität übereinstimmt; dass die Online-Diskussionsthemen oberflächlich und kindisch sind; dass ein Mausklick genügt, um jemanden von seiner Freundesliste zu streichen und dass es sich für einen Teil der Teilnehmer um eine Begegnungsseite handelt. Ich finde das Basiskonzept interessant. Trotzdem wurden in den vergangenen Jahren einige Abwege offensichtlich. Ein Freund sagte eines Tages zum Thema ‘Facebook’ zu mir: «Wofür sollte es gut sein, Kontakt zu pflegen mit Leuten, die auf der anderen Seite der Welt leben und keine Zeit mehr übrig zu haben für meine Familie und meine Freunde, die in meiner Nähe leben?» Heute stelle ich dir dieselbe Frage!

Sucht-Konsequenzen.

©Ramzi Hashisho/Stck.xchng

Es gibt keine physische Abhängigkeit von Medien, im Gegensatz zur Nikotin-, Rauschgiftund Alkoholsucht. Hingegen existiert hier eine psychische Abhängigkeit, die so weit gehen kann, dass das Bedürfnis, die Medien zu benutzen, unwiderstehlich und obsessiv wird. Dies kann Schlafmangel zur Folge haben. Wer hat noch nie bis in die tiefe Nacht Videogames gespielt, im Internet gechattet oder Online-Games gespielt? In vielen Fällen werden andere Bereiche des Lebens vernachlässigt, um seiner Sucht in vollen Zügen frönen zu können. Dies hat manchmal katastrophale Folgen für das Sozialleben der Betroffenen. Man wird sich immer mehr von der Gesellschaft abkapseln. Durch meine Arbeit lerne ich regelmässig junge Menschen kennen, die keine Gruppenaktivitäten pflegen, keine oder fast keine Freunde haben und unter sehr vernachlässigten Bedingungen leben. Anstatt «normal» zu leben (Zeit mit anderen verbringen, genügend schlafen, Freizeitaktivitäten pflegen, sich vernünftig ernähren), sind sie leider gefangen in ihrer Sucht und haben nur noch diese im Kopf. Schritt für Schritt haben sie die normalen Dinge des Lebens beiseite gelegt, bis sie ganz verschwunden sind, ohne sich dessen bewusst zu werden. Einmal in diesem Stadium angelangt, ist es sehr hart, umzukehren und seinen Platz in der Gesellschaft wiederzufinden. Auf diesen Abweg wollen wir nicht geraten!

Süchtig nach Gott, ist das gefährlich?

Hier haben wir die einzige Abhängigkeit, die sogar gut für unser Leben ist!

„Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen.“ Psalm 37,5.

Ich verweise auf das letzte Friends for Ever zur Erklärung dieses Aspekts.

Zusammenfassend

Mediensucht gibt es in verschiedenen Stufen: von einem regelmässigen, kontrollierten Konsum bis hin zu einem komplett virtuellen Leben. Wir sind dafür verantwortlich, festzustellen, in welchem Stadium wir uns befinden und entsprechend zu reagieren.

„Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Geld.“ Matthäus 6,24.

©Mattox/Stck.xchng

Wenn du merkst, dass du süchtig bist nach deinem Natel, nach dem Internet, Fernsehen, Games oder was es auch immer sein mag, geh auf Distanz dazu und bitte Gott im Gebet, deiner Sucht ein Ende zu setzen. Wenn du aufrichtig zu ihm kommst und frei werden willst, wird er in deinem Leben wirken, und du wirst die wahre Freiheit finden.

Laurent
Aus „Friends for ever„, Ausgabe 04/2008, Mit freundlicher Genehmigung

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