Tod eines geliebten Menschen

©S SSPIVAK/Stock.xchng

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Ob ganz plötzlich oder nach einer längeren Krankheit – wenn man einen geliebten Menschen verliert, ist das immer sehr schwer. Vielleicht warst du vor einiger Zeit in dieser Situation oder du steckst gerade mitten drin oder ein Freund macht es gerade durch.

Es ist unbeschreiblich schwer und schmerzhaft, den Tod eines Angehörigen oder Freundes zu ertragen, besonders, wenn es plötzlich und unerwartet ist.

Egal, ob es dabei um ein an Krebs erkranktes Elternteil oder um deine Großeltern ging, um einen Freund oder um einen Klassenkameraden, der bei einem Autounfall getötet wurde, es tut weh.

Lass deine Gefühle zu

©Vidor/Stock.xchng

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Du durchlebst eine ganze Palette von Gefühlen, wenn jemand, der dir nahe steht, stirbt.

Du bist vielleicht unglaublich traurig, deprimiert, hoffnungslos, verängstigt, fühlst dich im Stich gelassen und sogar wütend wegen dem, was passiert ist. Vielleicht weinst du, wie du noch nie zuvor in deinem Leben geweint hast.

Diese Gefühle sind normal und natürlich. So hat Gott dich geschaffen. Die Gefühle sind ein Druck-Ventil, das dir helfen soll, mit deinem tiefen inneren Schmerz umzugehen. Jetzt ist es wichtig, dass du deine Gefühle nicht einsperrst, sondern die Trauer zulässt. Trauern ist der Prozess, bei dem du deinen Schmerz herauslässt. Das ist wichtig, damit Andere an deinem Schmerz teilhaben können und du nicht alleine bist. Dies ist Gottes Weg, um dich zu segnen. Trauer leitet den Heilungsprozess für die Wunden ein, die durch den tragischen Verlust entstanden sind.

In solchen Momenten brauchen wir Menschen um uns, die unseren Schmerz mitempfinden und uns dadurch trösten. Der Gott allen Trostes tröstet uns meist durch andere Menschen.

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.“ 1. Korinther 1,3+4

Getröstet wird man nicht mit Phrasen wie: „Das wird schon wieder!“ oder „Reiß dich zusammen!“ und auch nicht, in dem man Erklärungen für den Verlust sucht. Auch nette Worte darüber, dass Gott alles unter Kontrolle hat und alles in Ordnung ist, mögen gut gemeint sein, bringen aber im ersten Moment wenig Trost.

Wie Jesus mit dem Schmerz und der Trauer Anderer umgeht, können wir in Johannes 11 lesen, als Lazarus gestorben war. Obwohl er ja Lazarus wieder auferwecken wird, sagt er nicht: „Marta, es ist alles in Ordnung, in ein paar Minuten ist Lazarus wieder lebendig.“  Er leidet genauso und weint mit ihnen: „Und Jesus gingen die Augen über.“ (Johannes 11,35)

„Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“ Römer 12,15

Der Trauerprozess

©Gavin Spencer/Stock.xchng

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Ein tragischer Verlust muss verarbeitet werden. Das geschieht nicht auf einmal, sondern in einem Trauerprozess, der mehrere Wochen oder Monate dauern kann.

Die Stufen in dem Prozess sind:

  1. Leugnung
  2. Zorn
  3. Handeln mit Gott
  4. Depression
  5. Annahme

Eine der ersten Reaktionen der Trauer ist die Leugnung: Du willst manchmal einfach nicht wahr haben, dass dir so etwas Schreckliches passiert ist.

In der zweiten Phase kommt Zorn hoch. Du ringst mit der Frage: Warum ist das passiert? Und du schlägst wütend um dich, weil es auf die Frage keine zufrieden stellende Antwort gibt. Es scheint dir unfair, was passiert ist. Du bist zornig auf Personen, die nach deiner Ansicht eine Mitschuld haben, auf Umstände, vielleicht sogar auf den Verstorbenen. Auf Gott, weil er es zugelassen hat und auf dich selbst.

In der dritten Phase der Trauer versuchst du mit Gott zu handeln, damit er dich von dem schrecklichen Ereignis und dessen Folgen erlöst. Du schwörst Gott, dein Verhalten zu ändern, wenn er den Toten ins Leben zurück ruft oder den Trennungsschmerz wegnimmt.

Die nächste Trauer-Phase ist von Depressionen gekennzeichnet, die wahrscheinlich dann einsetzen, wenn dir klar wird, dass die von dir geliebte Person wirklich gegangen ist. Durch den Verlust wird ein überwältigendes Gefühl von Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit hervorgerufen. Vielleicht wird die Depression von Angst, Sorgen oder Unsicherheit über ein Leben ohne diese Person und von Einsamkeit begleitet.

©Roberto V/Stock.xchng

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Die letzte Phase der Trauer ist die Annahme. Die Phasen der Trauer gehen vorüber und du wirst mit der Zeit in der Lage sein, den Verlust zu akzeptieren. Manchmal wirst du in dieser Phase zornig oder deprimiert sein und das Geschehene leugnen, aber diese Gefühle spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. Du hast begriffen, dass Gott deine Erfahrungen zum Guten gebraucht.

„Und wir wissen, dass für die, die Gott lieben und nach seinem Willen zu ihm gehören, alles zum Guten führt.“ Römer 8,28

Es ist ganz normal und gesund, nach dem Tod eines geliebten Menschen, diese Phasen der Trauer zu durchleben. In den meisten Fällen dauert es viele Wochen oder Monate. Vielleicht sind dir manche Gedanken oder Gefühle ganz neu oder stärker als jemals zuvor in deinem Leben. Du fragst dich vielleicht, ob etwas mit dir nicht stimmt. Mit dir ist alles in Ordnung. Als Folge dieses traurigen Ereignisses in deinem Leben durchläufst du einen ganz normalen Prozess!

Die einzige Gefahr besteht darin, dass du deine Gefühle auf unangemessene Weise äußerst. Z.B. dass du aus deinem Zorn heraus Rache an z.B einer beim Unfall beteiligten Person übst oder in der Depression über Selbstmord nachdenkst.

Es ist weise, wenn du auf die starken Emotionen nicht impulsiv reagierst.

Du brauchst Zeit

Du brauchst Zeit, um mit Freunden und Vertrauenspersonen über deine Gefühle zu sprechen und um deine Gedanken und Gefühle entwirren zu können.

Erwarte nicht, dass dein Schmerz und deine Orientierungslosigkeit von Heute auf Morgen verschwinden.

Um über diesen schrecklichen Verlust hinweg zu kommen, brauchst du die Unterstützung Anderer. Menschen trösten dich, wenn sie deine Trauer in ihren Gefühlen teilen. Aber in einer Zeit, wo du eine so große emotionale Last zu tragen hast, brauchst du auch praktische Unterstützung und Ermutigung. Vielleicht von einem Schulkollegen, der dir den Unterrichtsstoff vorbei bringt und erklärt oder vom Jugendleiter, der dich anruft und dir Mut zuspricht.

„Helft euch gegenseitig bei euren Schwierigkeiten und Problemen, so erfüllt ihr das Gesetz, das wir von Christus haben.“ Galater 6,2

©Sanja Gjenero/Stock.xchng

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Widerstehe der Versuchung, die Hilfe abzulehnen, weil du es ja sonst auch alleine schaffst. Es gibt Zeiten, in denen wir uns auf Andere stützen müssen.

Lass dir von Menschen helfen, sag ihnen, was sie für dich tun können und sei ihnen dankbar. Deine Freunde oder Bekannten möchten gerne helfen, doch oft wissen sie nicht wie. Trau dich ruhig, jemandem, dem du wichtig bist, z.B. zu sagen: „Ich würde mich freuen, wenn du ein bisschen bei mir bleiben könntest.“

Vertraue Gott

Vertraue darauf, dass Er gut ist. Wenn der oder die Verstorbene gläubig war, wirst du ihn oder sie eines Tages im Himmel wieder sehen. Wenn du das nicht sicher weißt, dann vertraue darauf, dass Gott gerecht und ein liebender Gott ist und immer das tut, was richtig ist.

Erlaube Gott, dich zu gebrauchen, um Andere zu trösten, zu unterstützen und zu ermutigen. Das, was du erfahren hast, macht dich – wenn einige Zeit verstrichen ist – ganz einzigartig dazu fähig, Anderen in ihrer Trauer zu helfen.

„Werft dieses Vertrauen auf den Herrn nicht weg, was immer auch geschieht, sondern denkt an die große Belohnung, die damit verbunden ist!“ Hebräer 10,35

 

(Auszüge aus: “Tod eines geliebten Menschen”, Josh McDowell, Ed Stewart, Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg 2002)