MEINS!!!

Aus den Reden eines Südseeinselhäuptlings, der einige Zeit in Europa verbrachte und uns Weiße beobachtet hat:

„Die Palme wirft ihre Blätter und Früchte ab, wenn sie reif sind. Der Weiße lebt so, wie wenn die Palme ihre Blätter und Früchte festhalten wollte: ‘Es sind meine! Ihr dürft sie nicht haben und nichts davon essen!’ – Wie sollte die Palme neue Früchte tragen können? Die Palme hat viel mehr Weisheit als ein Weißer.“

©Melodi T./Stock.xchng

Wir brauchen Besitz. Wir wollen immer mehr, häufen an, sammeln, legen genau fest, was unser ist.
Ich sage nicht, dass du arm sein musst. Es ist dieses krampfhafte Festklammern an deinem „Besitz“, das ich meine.
Wenn dir viel in die Hand gegeben ist, dann gib etwas davon weiter, damit nicht die Frucht in deiner Hand zu faulen anfängt.

Es ist ein verbissenes Klammern an Dingen, die mir eh nie wirklich gehören.
Denn ab wann ist etwas wirklich meins?

Ist überhaupt irgendetwas so richtig dein Besitz?

Besitz ist etwas, was einzig und allein dir gehört. Nur du darfst darüber verfügen. Niemand sonst darf ihn verändern oder dir nehmen.

Dem Besitzer gehört alles, was er festhalten kann. … Aber im Grunde kannst du nichts festhalten.

Deine Kleidung, dein Computer, dein Zimmer … gehört das wirklich alles dir?

Du hast gar nicht das letzte Wort, was damit geschieht. Die verschiedenen Umwelteinflüsse kannst du nicht beeinflussen. Ein Feuer, ein Erdbeben, ein Einbruch, der natürliche Verfall oder nur ein paar Motten; das alles kannst du nicht beeinflussen.

Du bist nicht die letzte Instanz was alle diese Dinge angeht.

Und was ist mit den Rohstoffen? Woher haben wir denn die? Sind das unsere?

Wenn sich jemand dein T-Shirt nimmt und sich daraus eine kurze Hose näht, ist es dann vielleicht seine Hose?

Ist das dein Hund…?

Doch bei den unbelebten Dingen machen wir noch lange nicht halt. Auch Lebewesen werden unterteilt in deins und meins. Ein Baum der vor deinem Haus steht, wird auf einmal zu deinem Baum – nur weil er gerade vor deinem Haus steht. Gerade so, als hättest du ihn selber wachsen lassen. Dieser Baum kann aber niemals dein sein. Du kannst höchstens einen Samen in die Erde drücken. Einen Samen, den jemand anders aufs Genialste gebildet hat.

Genauso machen wir es mit Tieren. Wir zwingen Haustieren unseren Willen auf oder „lagern“ lebende Schweine so als ob sie schon zu Lebzeiten nur Schnitzeln wären. Wir nehmen hier wieder etwas als Besitz, was uns doch gar nicht gehört. Wir wissen natürlich nicht, wie man mit diesem fremden Eigentum richtig umzugehen hat, und dementsprechend falsch gehen wir, unter anderem, auch mit Tieren um. (Nix gegen artgerechte Haustierhaltung –ich hatte selber schon viele Haustiere!)

Wir dürfen diese Geschöpfe ansehen, uns daran freuen … und sie so behandeln wie es der Besitzer geplant hat. Aber wir dürfen doch nicht sagen: Gottes Geschöpfe sind meine Geschöpfe. Genau das tun wir aber.

Wir tun das mit Dingen, mit Pflanzen, mit Tieren, … und mit Menschen.

Menschen als Besitz?

Wir betrachten Menschen als Besitz, behandeln sie wie Eigentum. Es kann mich manchmal ziemlich nerven, wenn meine Mutter zu viel jammert, dass alle ihre Kinder aus dem Haus sind und sie uns zurückholen will, als ob wir ihr Besitz wären.

Wir behandeln unsere Mitmenschen wie unseren Besitz und versuchen sie immer wieder zu verändern, wie sie uns am angenehmsten erscheinen. Deine Freunde und Verwandten müssen dafür herhalten, um deine egoistischen Wünsche und Ideen durchzusetzen.

Der Mensch denkt zumeist nur für einen Menschen und nicht für alle. Und dieser eine ist er selbst.

Das läuft total gegen die „Gebrauchsanleitung“ des Menschen. Nur weil wir nicht den wirklichen Besitzer fragen.

Und was ist mit dir selbst?!

Du kannst nichts dagegen machen, falls du in 30 Jahren eine unheilbare Krankheit bekommen solltest. Dann verfügt die Krankheit über dich.

Deine Gefühle verfügen auch oft über dich: Angst, Trauer, Verliebtheit. Du bist nicht mehr in Besitz deiner Gefühle, sondern bist selbst Besitz deiner Gefühle.

Oder andere Menschen behandeln dich genauso als Besitz wie du sie und verfügen über dich.

Es ist also sogar bei dir selbst so: Du gehörst nicht dir selber!

Alles und jeder mischt in deinem Leben mit.

Was bleibt dir jetzt eigentlich noch? Was besitzt du jetzt noch wirklich?

NICHTS!

Es bleibt also nur eine Möglichkeit: Dass doch alles Gott gehört, dem der das alles gemacht hat.

Auch wenn es oft so ausschaut, als ob Gott fast nichts mehr hat, dass die Menschen ihm fast alles genommen und zu ihrem Mein und Dein gemacht haben.

Der wirkliche Besitzer ist immer noch Gott.

Er hat alles geschaffen. „Geschaffen“ heißt: aus dem Nichts gemacht. Er hat keine Rohstoffe von irgendjemand anders nehmen müssen. Er hat das letzte Wort wie lange deine Kleider halten, der Baum vor deinem Fenster und dein Hund leben und wie lange du existierst.

Gott ist dein Besitzer, er hat Anspruch auf dich.

Er weiß, wie du funktionierst, auch wenn du immer wieder glaubst es besser zu wissen.

Und obwohl Gott bestimmen kann, was mit dir geschieht, tut er es doch nicht. Er geht mit seinen Besitztümern nicht so lieblos um wie wir mit unserem angeblichen Besitz. Er zwingt dir nicht seinen Willen auf. Natürlich hätte er dich gerne ganz nah bei sich. Aber Liebe zwingt eben zu nichts.

Deswegen bleibt es deine Entscheidung eine Beziehung mit Gott anzufangen. Er hat schon lange „JA“ zu dir gesagt. Gott wartet nur sehnsüchtig und mit viel Geduld, obwohl er weiß, dass du ohne ihn nie richtig funktionieren kannst.
Er hat dich so geschaffen, dass dein ganzes Wesen auf eine Beziehung zu ihm angelegt ist.

Du gehörst Gott und trotzdem darfst du frei entscheiden. ER hält seinen Besitz nicht fest.

Zum Schluss noch ein paar Worte des anfangs zitierten Südseehäuptlings:

„Gott reicht allen Menschen seine vielen Hände; er will nicht, dass einer ungleich mehr hat als der andere oder dass einer sagt: ‘Ich stehe in der Sonne, du gehörst in den Schatten.’ Wir alle gehören in die Sonne.
Wo Gott alles in seiner gerechten Hand behält, da sind kein Kampf und keine Not. Der listige Weiße möchte nun auch uns aufschwätzen: ‘Gott gehört nichts! Dir gehört, was du mit den Händen halten kannst!’
Lasst uns unsere Ohren verschließen vor solcher schwachen Rede und festhalten an dem guten Wissen: Gott gehört alles!“

„Gott kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“ (Johannes 1, 11 + 12)

Buchauszüge aus „Der Papalagi. Reden des Südseehäuplings Tuiavii aus Tiavea“ von Erich Scheurmann. Erschienen im Verlag Lübbe.