Ende. Aus. Neuanfang.

johnnyb / pixelio.de

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Im Frühjahr 2006 bemerkt Christian Hagmüller erste Anzeichen von Burnout: Konzentrationsschwierigkeiten, dauernde Müdigkeit. Der evangelische Pfarrer und Familienvater braucht immer länger, um sich zu erholen. „Ich wusste auch nicht mehr, was mir gut tut.“ Die Gründe für das drohende Burnout sind vielfältig: Hagmüller macht sich selbst viel Druck in seinen Tätigkeiten als  Gemeindepfarrer, Krankenhausseelsorger und Religionslehrer – und ist dabei auch noch äußerst gewissenhaft. „Ich bin nicht nur ein gewissenhafter Mensch, sondern neige auch zu Perfektionismus.“ Das alles kostet Pfarrer Hagmüller mit der Zeit so viel Energie, dass er immer erschöpfter wird.

Gemeinsam mit seiner Frau Dagmar und mit der Kirchenleitung fällt der Entschluss, ab Herbst 2006 den Dienst um 50% zu reduzieren. So geht Pfarrer Hagmüller zunächst mit Schwung und Elan in das neue Schul-und Arbeitsjahr. Aber dann, von einem Tag zum anderen, bricht er zusammen. Diesmal ist es mehr als eine Erschöpfung: Sowohl der Hausarzt als auch ein Facharzt diagnostizieren die Krankheit Burnout.

Das Umfeld reagiert verständnisvoll auf den Krankenstand: Dagmar Hagmüller steht 100%ig hinter ihrem Mann, die Angehörigen helfen, wo sie können. Die Kirchenleitung stärkt ihrem Pfarrer den Rücken. Ein Freund empfiehlt Christian Hagmüller, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. So wendet er sich an eine spezielle Einrichtung in Deutschland, die auf Burnout in geistlichen Berufen spezialisiert ist.

In den folgenden drei Monaten profitiert Christian Hagmüller dort von einem umfassenden, seit Jahren bewährten Programm. Er führt viele Gespräche mit Therapeuten und geistlichen Begleitern, betreibt Sport, tanzt, beginnt zu malen. Regelmäßig feiert er mit den anderen Gottesdienst. „Dann war man auch in der Hausarbeit tätig: Küchendienst, Wäsche, Reinigungsarbeiten – so dass das Alltagsleben wieder Schritt für Schritt aufgebaut wird.“

In diesem Umfeld hat Pfarrer Hagmüller viel Zeit, das eigene Leben Revue passieren zu lassen und die Gründe für sein Burnout zu entdecken. Immer wieder gerät er in Krisen, den Glauben verliert er jedoch nicht: „Ich wusste mich gehalten von Gott. Ich habe gespürt, dass ich von ihm die Kraft bekomme, vieles zu überdenken und neu anzudenken.“ So erfährt Christian Hagmüller ganz neu, was Gnade bedeutet: „Es ist mir ganz neu groß geworden, dass alles Geschenk ist, dass ich nichts aus mir heraus machen kann, wenn es nicht letztlich von Gott kommt. Das war dann schon sehr befreiend für mich!“

Oliver-Moosdorf / pixelio.de

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Seit April 2007 ist Pfarrer Hagmüller wieder im Dienst – und verübt seine Arbeit mit mehr Freude als vorher. Äußerlich hat sich seit dem Burnout nicht viel verändert, aber innerlich: Er hat seine Gewissenhaftigkeit beibehalten, hütet sich aber vor Perfektionismus, sieht den vielfältigen Herausforderungen des Alltags mit mehr Gelassenheit entgegen. „Ich mache die Dinge jetzt mit Biss, aber nicht mit Verbissenheit!“ Außerdem versucht er nicht weiter durchs Leben zu rasen, sondern einen Gang zurückzuschalten. So, wie Jesus selbst es vorgelebt hat.

Zusätzlich betreibt Hagmüller seither regelmäßig Sport, malt Bilder. Kraft schöpft er auch aus den Tagen, die er in einem „Haus der Stille“ verbringt. Und er genießt die Zeit mit seiner Familie viel mehr als vorher. „Dem allen habe ich auch einen Wert zugesprochen, so dass ich diese Auszeiten nicht mit schlechtem Gewissen mache, sondern dass ich sage: Das ist wertvoll, es ist gut für mich und darf so sein!“

Imo Trojan

 

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