Designerstück oder Billigware

Wer legt fest, dass ein iPod touch 189 Euro wert ist, das Billy-Bücherregal bei Ikea 19 Euro kostet und man für eine Musik-CD durchschnittlich 15 Euro berappen muss? Wer bestimmt den Wert eines Produktes?

©Lars Sundstrom/Stock.xchng

Ein Produkt wird niemals selbst seinen Preis bestimmen. Das kann nur der Produzent. Er weiß genau, wie hoch der Materialwert, der Arbeitsaufwand und die Produkti­onskosten sind. Ein Produkt käme nie selbst auf die Idee, seinen eige­nen Wert festzulegen.

Das Auf und Ab mit dem Bewerten

Als Menschen versuchen wir das immer wieder. Die einen versuchen sich aufzuwerten, indem sie sich mit lauter tollen Dingen „schmü­cken“: angefangen bei Markenkla­motten bis hin zu teuren Handys, später kommt dann der Sportwa­gen dazu und eine bestimmte Art von Freunden.

Andere versuchen genau das Ge­genteil, sie werten sich ab. Wenn man ihnen ein Kompliment macht, wie „Ich finde, das hast du gut ge­macht!“, dann widersprechen sie sofort: „Naja, ich hätte dies und je­nes noch besser machen können.“

Ohne, dass uns das bewusst ist, nehmen wir fast ständig Bewer­tungen vor, sei es bei anderen oder bei uns selbst. Jemand, der mehr Leistung bringt, ist in unse­ren Augen mehr wert. Wir wün­schen uns, wie xy zu sein, weil er/ sie irgendwie besonders ist, mehr Geld zur Verfügung hat, musikali­scher oder beliebter ist. Und unser Selbstwertgefühl bekommt Krat­zer, wenn wir gegenüber anderen nicht mindestens genauso gut ab­schneiden.

Die meisten Menschen versu­chen, ein wenig „nachzuhelfen“, sich also etwas „wertvoller“ zu ma­chen, als sie in ihren Augen sind. Das kann wie folgt aussehen:

Negativ über andere reden und sie verspotten. Indem man andere kleiner macht, kommt das Selbst größer raus. Positiver Nebeneffekt: die Aufmerksamkeit wird nicht auf meine Person (mit meinen „Män­geln“) gelenkt, sondern auf den, über den ich rede.

Überspielen. Das drückt sich oft durch „cool“ sein aus. Nur nicht zeigen, dass man Angst hat, ent­täuscht oder gekränkt ist. Was sol­len denn die anderen denken!?

Angeberei. Häufig nerven Ange­ber, weil sie beinahe ständig zei­gen müssen, was sie können und/oder haben und wie gut sie sind. In Wirklichkeit lechzen sie nach Be­stätigung von andern.

Stolz. Geht oft einher mit Un­einsichtigkeit. Lieber sich bis aufs Messer mit jemanden streiten, als klein beigeben.

©Katherine Evangs/Stock.xchng

Ein mangelndes Selbstwertge­fühl kann sich aber auch gegentei­lig ausdrücken:

Unsicheres Auftreten gegen­über anderen. Kann sich durch verlegenes Kichern (eher bei Mäd­chen) oder Wortkargheit (eher bei Jungs) ausdrücken.

Mauerblümchen. Bloß nicht auf­fallen. Weder positiv noch negativ. Unauffällig mitmachen, seine Mei­nung nicht sagen. Könnte ja sein, dass man aneckt.

Rückzug. Aus Angst vor einer Blamage beim geplanten Gelän­despiel fährt man zum Jugendaus­flug lieber nicht mit.

Übersensibel sein. Jede noch so leise Kritik wirkt nahezu zerstöre­risch. Jeder muss Samthandschuhe anziehen, wenn er eine solche Per­son nicht ständig verletzen will.

Selbstmitleid. „Ich kann nichts, bin nichts und im Grunde ge­nommen bin ich nur eine Last für meine Mitmenschen.“ Sämtliche Ermutigungsversuche von Freun­den schlagen fehl, da diese Person immer die überzeugenderen Argu­mente hat, dass er/sie das nicht verdient.

Egal, ob jemand versucht, sich durch sein Verhalten auf- oder ab­zuwerten: gemeinsame Ursache die Angst vor Zurückweisung, die Angst nicht zu genügen und in den Augen der andern nicht wertvoll genug zu sein.

Beides ist nicht in Gottes Sinn. Weder sich selbst aufwerten, noch sich selbst abwerten. Paulus sagt in 1. Korinther 15,10:

„Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ Er war sich seiner selbst völlig bewusst.

Wer gibt mit meinen Wert?

Meinen eigenen Wert kann ich nicht selbst festlegen, mehr noch, ich kann ihn nicht einmal beein­flussen, weder nach oben noch nach unten. Den Wert gibt jemand anderes. Nur der Hersteller weiß, was sein Produkt bzw. in unserem Fall: sein Geschöpf wert ist. Dabei geht es um viel mehr als um Ma­terialpreis und Arbeitsaufwand. Für einen 500-Euro-Schein kann man eine Menge Sachen kaufen, weil irgendwann jemand festge­legt hat, dass dieses Stück Papier genau diesen Gegenwert hat. Der Geldschein selbst hat seinen Wert nicht bestimmt und kann ihn auch nicht verändern.

Wer Gottes Liebe und seine Wert­schätzung nicht annehmen kann, weil er denkt, dass er es nicht wert sei, hat seine eigene Position ge­genüber Gott noch nicht verstan­den.

Wer versucht, seinen eigenen Wert festzule­gen, pfuscht Gott ins Handwerk – er stellt sich gewissermaßen über seinen Schöpfer.

©Claudio Jule/Stock.xchng

Gott hat in 1. Mose 1,31 eindeutig und unwiderruflich den Wert des Geschöpfes Mensch festgelegt:

„Und Gott sah alles an, was er ge­schaffen hatte, und sah: Es war al­les sehr gut.“

Unser gefühlter Wert mag dieser Bewertung überhaupt nicht standhalten, aber daran können wir nichts ändern. Darum höre nicht auf dein Gefühl, es kann dich in punkto Selbstwert in die Irre führen. Gott hat deinen Wert bereits unwiderruflich festgelegt. David wusste das und drückt es in Psalm 139,13–14 folgendermaßen aus. Stimme mit ihm ein und sage:

„Du hast mich geschaffen mit Leib und Geist, mich zusammengefügt im Schoß meiner Mutter. Dafür danke ich dir, es erfüllt mich mit Ehrfurcht. An mir selber erkenne ich: Alle deine Taten sind Wunder!“

Halte dir immer wieder solche Aussagen vor Augen, lege sie in dein Tagebuch oder deine Bibel, klebe sie an den Spiegel ins Bade­zimmer oder stecke sie in dein Fe­dermäppchen. Dein Wert ist weder von deinem Gefühl noch von der Bewertung deiner Mitgeschöpfe abhängig, sondern einzig und al­lein von Gott. Du bist ein Unikat, sein „Designerstück“.

 

Nancy Flechsig (und ihr Mann) haben ein ganz besonderes Uni­kat von Gott geschenkt bekommen: Ferdinand.
Komm 04/10

Über Komm

Artikel ©Copyright bei Komm
www.kommline.de