Das Kreuz mit den Finanzen

von lichtkunst.73/pixelio

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Auch wenn man es kaum glauben möchte: Geld ist in der Bibel ein Thema! Und zwar keineswegs im Sinne von „Finger weg davon!“ Nein, Jesus hat Geld an sich nicht verurteilt – wohl aber dessen Verherrlichung. Rainer Saga aus Graz hat sich intensiv mit dem Thema „Finanzhaushalt nach biblischen Prinzipien“ auseinandergesetzt.

Herr Saga, finde ich in der Bibel tatsächlich konkrete Hilfestellungen, wie ich mit meinem Geld umgehen soll?

Saga: Die Bibel lehrt uns ganz viel darüber, dass wir Verwalter sind. Dieses Thema betrifft nicht nur unser Geld, sondern all die Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen. Geld, Zeit, Begabungen … Schon ganz am Beginn der Bibel wird der Mensch aufgefordert, die Schöpfung zu verwalten und zu entwickeln.

In 1. Mose 1,28 heißt es: „Und Gott segnete sie (Adam und Eva), und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen!

Ja, es geht von Beginn an um das Thema, wie wir mit dem umgehen, was uns anvertraut wird. Und da ist Geld ein ganz wichtiger Teil.

von Uwe Schlick/pixelio

Uwe Schlick / pixelio.de

Verwalter sein – was heißt das konkret?

Verwalter sein heißt, dass ich meine Begabungen, Fähigkeiten und Ressourcen nicht brach liegen lasse oder planlos verprasse. Sondern: dass ich sie gezielt einsetze, um unsere Welt und unsere Gesellschaft mitzugestalten.

Ist vielleicht eine seltsame Frage, aber: Wenn ich Verwalter bin – wem gehört dann eigentlich das Geld, das ich verdiene oder bekomme?

Als Christen glauben wir, dass Gott uns und unsere Welt geschaffen hat und der Eigentümer der Schöpfung ist. Wir sind die Verwalter dieses Eigentums und damit entscheiden wir uns dazu, durch Christus ein neues Leben zu beginnen. Ab diesem Zeitpunkt gehört alles Gott und wir lernen, treue Verwalter zu werden. Und „alles“ meint auch unser Geld. Interessanterweise finden wir immer wieder kreative Ausreden, warum es da vielleicht doch eine Ausnahme geben sollte.

Manche Christen meinen z. B., dass man mit seinem Zehnten – also einer Spende von 10 % des Einkommens – die restlichen 90 % des Einkommens aus dem Eigentum Gottes gewissermaßen freikaufen könnte. Eine andere Meinung, die mir schon untergekommen ist, lautet: Geld ist sowieso vom Satan – und hat daher mit Gott nichts zu tun.

„Es gibt Wichtigeres im Leben als Geld“, hört man oft. Das ist für jemanden, der genug hat, wohl leicht gesagt. Aber wer jeden Cent zweimal umdrehen muss, für den wird Geld eben zu einem zentralen Thema, oder?

Meine Beobachtung ist eher: Je mehr Geld am Konto ist, desto mehr dreht sich das Leben um diese Fragen. Ich hatte gerade das Privileg, eine Woche in Bangladesch zu verbringen. Dort war ganz klar zu spüren, dass diese finanziell armen Menschen viel weniger vom „Mammon“ getrieben sind als wir in unserer grenzenlosen Überflussgesellschaft. Wir sollten unseren Fokus auf andere Prioritäten richten. Dann würde uns das Teilen leichter fallen, und es wäre definitiv genug für alle da, ohne dass wir ständig über Zwangsumverteilung reden müssten.

von uschi dreiucker/pixelio

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Etwas überspitzt nachgefragt: Wir sollen also unser Geld am Konto an die Armen verteilen und unseren Besitz verschenken, nur um wieder einen „klaren Kopf“ für die wirklich wichtigen Themen des Lebens zu bekommen?

Nein, es heißt nur, dass Geld zu haben nicht immer einfach ist. Wir sollten lernen, mit unserem Geld so umzugehen, dass es uns und unseren Zielen dient – und nicht wir ihm dienen und ihm eine zu hohe Priorität geben. Der klare Kopf geht meist dann verloren, wenn das Geld zu unserem Gott wird.

Sie haben von Bangladesh erzählt … müssen wir uns jetzt „schuldig“ fühlen, weil wir mehr haben als die Menschen in armen Ländern und unser Fokus – alltagsbedingt – ein anderer ist?

Die Menschen in Bangladesch haben den „Vorteil“, dass sie finanziellen Überfluss nicht kennen und sich dieser Herausforderung daher nicht stellen müssen. Sie haben dafür ganz andere, existenziellere Nöte in ihrem Leben. Die hilfreiche Reaktion auf diese Not: nicht schuldig fühlen, sondern Verantwortung übernehmen mit meinen Möglichkeiten! Wo können wir unseren Überfluss mit anderen, die in Not sind, teilen?

Tony Hegewald / pixelio.de

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Ist Schuldenmachen – Kaufen auf Kredit – gut oder schlecht?

Grundsätzlich sollte Geduld vor Schuld kommen. Schulden für Verbrauchsgüter sind grundsätzlich abzulehnen, denn: Kein Handy, keine Kleidung, kein Computer oder ähnliches ist im Normalfall so wichtig, dass ein Kredit dafür gerechtfertigt wäre. Wenn es zu Immobilien kommt, muss man als guter Verwalter die Sache analysieren. Es kann durchaus sinnvoller sein, in Eigentum zu investieren als für lange Zeit Miete zu zahlen.

Darf ich mir als Christ auch Luxusartikel oder teure Reisen leisten?

Das Wort „darf“ stört mich in diesem Zusammenhang. Auch hier geht es mehr um die Haltung. Unser Gott ist ein Gott des Segens und des Überflusses. Einige der Persönlichkeiten der Bibel, die Gott besonders verbunden waren, haben in großem Luxus gelebt – wie David oder Abraham. Das Entscheidende ist unser Herz! Wem dienen wir? Arbeiten wir für eine Luxusreise oder für Gott? Kommt unsere Identität aus dem, was wir haben der aus unserer Beziehung zu Gott? Ja, wir dürfen das Leben auch genießen. Ja, wir dürfen Luxusartikel haben, wenn unser Leben als Ganzes von der Liebe, Barmherzigkeit und Größe Gottes erzählt.

 

Ing. Rainer Saga ist als Referent für Ressourcen- Management bei der Entwicklungshilfe- und Missionsgesellschaft OM Österreich beschäfigt. Er ist verheiratet mit Astrid, die beiden haben drei Kinder

 

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