Wenn’s mal kracht

©Gerd Altmann/pixelio.de

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In jeder Freundschaft gibt es Höhen und Tiefen. Hier und da geraten auch die besten Freunde mal aneinander. Schließlich treffen Menschen mit unterschiedlichen Interessen, Einstellungen und Lebensgeschichten aufeinander.  Konflikte sind also geradezu vorprogrammiert. Die Frage ist nur: Wie gehe ich damit um? Zurückziehen und schmollen? In die Verteidigungsposition übergehen? Wir haben mal bei Liane Joas nachgefragt, die sich gerade sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt.

Liane, wie sah dein letzter Konflikt aus?

Der war zwar nicht mit meiner Freundin, sondern mit meinem Nachbarn, aber ich denke, das Beispiel passt auch sehr gut. Mein Nachbar wollte meine Tochter mit zur Musikschule nehmen, kam aber sehr knapp vor Beginn, um sie abzuholen. Ich bot ihm an, zu fahren, weil er sehr oft fährt. Darauf reagierte er sehr ungehalten und sagte, dass mir das ja eher hätte einfallen können. Es sei jetzt eh schon so spät. Da müsste ich ihm nicht mehr anbieten, zu fahren. Ich fühlte mich verletzt und wusste gar nicht, was ich jetzt falsch gemacht haben könnte. Irgendwie war ich auch sauer, weil ich es ja nur nett gemeint hatte.

Hat dir eine Aussage der Bibel in dieser Situation geholfen?

In der Bibel habe ich in Römer 8 folgendes entdeckt: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten dienen, nämlich denen, welche nach seiner Vorherbestimmung berufen sind. Denn die, welche er zuvor ersehen hat, die hat er auch im Voraus dazu bestimmt, einst dem Bilde seines Sohnes gleich gestaltet zu werden“  (Verse 28 und 29). Dieses Versprechen hat mir persönlich eine tolle Perspektive gegeben. Als ich diese Verse las und darüber nachdachte, fühlte ich mich in Gottes Hand total geborgen. Sie drücken für mich aus, dass nichts – aber auch gar nichts – in meinem Leben geschieht, was Gott nicht vorher für mein Leben so gedacht hat.

Also alles Absicht?

©Dorothea Jacob/pixelio.de

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Ja, alles, was er für mein Leben zulässt, lässt er absichtlich zu – egal, ob es eine Krankheit ist oder ob Menschen mich verletzen. Er gibt grünes Licht dafür, weil er ein gutes Ziel mit mir hat: nämlich, dass ich so werde, wie Jesus ist. Dem Herrn passieren keine Fehler.

Was denkst du, welche Absicht von Gott dahintersteckt?

Alles, auch diese dumme Geschichte mit meinem Nachbarn, hat er bewusst für mein Leben vorgesehen, weil er wusste, dass ich es brauche, um zu lernen.

Was genau?

Ich stehe in der Verantwortung Gott gegenüber und habe immer zwei Möglichkeiten: Entweder ärgere ich mich über die Umstände und werde bitter, oder aber ich sage: „Ja, Vater“ und nehme Gottes Weg für mich an. Bei der ersten Möglichkeit habe ich im Grunde nichts gewonnen. Im Gegenteil: ich schade mir dadurch nur selbst, weil ich unglücklich und bitter bin. Ich sehe mich allein als Opfer der Umstände und bemitleide mich selbst, weil mir so etwas passiert ist. Dadurch bin ich total blockiert, mich persönlich weiter zu entwickeln.

Wie sieht die Alternative konkret aus?

Wähle ich die zweite Möglichkeit, dann bekomme ich eine Sicht dafür, dass Gott mich ganz persönlich meint. Und er meint es gut mit mir, und er hat ein geniales Ziel mit mir. In seiner Hand bin ich geborgen. Es kann also kommen, was will – ich darf darauf vertrauen, dass der Herr eine ganz bestimmte Absicht hat. Das heißt jetzt nicht, dass Gott sich darüber freut, wenn es mir schlecht geht. Nein, ganz im Gegenteil, er leidet sogar mit mir.

©Jonnyb/pixelio.de

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Aber er nimmt die vorhandene Situation und verwendet sie so, dass ich zum Beispiel Geduld lerne. Oder Vergebungsbereitschaft. Oder den anderen so anzunehmen wie er ist. Er gebraucht meinen Alltag, um mich zu erziehen und mich zum Wachsen zu bringen. Und das Ende wird genial sein! Er wird mich verändern. Er wird mich zu einer Person mit einem schönen Charakter machen, über die sich auch andere freuen können. Vielleicht möchte Gott mich auch mal gebrauchen, um anderen eine Hilfe zu sein.

Wie sieht das denn ganz praktisch bei dir aus, wenn du mit einem Konflikt konfrontiert wirst?

Auf die Situation mit meinem Nachbarn bezogen habe ich Folgendes gemacht – wie gesagt, war ich sauer und verletzt: ich spielte die Situation im Kopf noch mal durch und dann betete ich: ich sagte Jesus, wie es in mir aussieht und dass ich mich über den Nachbarn ärgere. Dann bat ich ihn, mir zu helfen, dem Nachbarn zu vergeben, ihm nichts nachzutragen und ihn wieder gern zu haben.

Es war gar nicht so einfach, das zuzugeben. Denn wenn wir verletzt werden, haben wir einen Gerechtigkeitssinn in uns. Wir wollen dem anderen nicht von uns aus vergeben, weil wir denken: Der andere muss ja zuerst mal kommen und sich entschuldigen.

Aber so ist unser Gott nicht! In der Bibel steht, dass Jesus für uns gestorben  ist, als wir noch Sünder waren. Es ist also göttlich und nicht menschlich, wenn wir dem anderen zuerst vergeben. Aber mit dem Herrn ist das möglich! Und so habe ich es dann auch erlebt. Nach dem Gebet hatte ich wieder Frieden im Herzen. Und als der Nachbar meine Tochter wieder zurückbrachte, konnte ich ihm ohne Ärger im Herzen gegenübertreten.

Was erlebst du, wenn du dich für das „Ja, Vater!“ entscheidest?

Vor allem habe ich bei dieser zweiten Wahl Ruhe und Frieden im Herzen. Weil ich mich vertrauensvoll in Gottes Hand fallen lassen kann. Ich selbst habe beide Möglichkeiten durchlebt und bin zu dem Schluss gekommen, dass die zweite Möglichkeit zwar nicht unbedingt die einfachste, aber die tatsächlich bessere ist. Und es ist so befreiend, wenn man sich für die zweite entschieden hat. Manchmal braucht man zwar etwas länger dafür, sich dazu durchzuringen, und manchmal kommt der Friede auch nicht sofort ins Herz, aber er kommt.

Was möchtest du jedem komm!-Leser gern mitgeben?

©Michael Ottersbach/pixelio.de

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Ich wünsche dir aus tiefstem Herzen, dass auch du ein volles „Ja“ zu Gottes Weg mit dir finden kannst. Ich wünsche dir, dass du dich in Situationen und Erlebnissen, so, wie sie immer wieder passieren, entschlossen für die zweite Möglichkeit entscheidest. Dass du die Sache schneller an den Herrn abgeben kannst, damit du dich nicht so lange damit herumquälen musst.

Denn genau dadurch wird dein Herz fröhlich. Trotz mancher schwerer Zeiten. Und wenn du dich für die zweite Möglichkeit entscheidest, dann erlebst du Gott. Gottes Wunder in dir. Ganz praktisch in deinem Alltag.