Stress pur – bitte noch ein Glas davon!

Achtung: Du brauchst etwa drei Minuten zum Lesen dieses Artikels. Hast du im Moment so viel übrig von den 1440 Minuten, die ein Tag dir bietet? Wenn nicht: Lies den Artikel einfach, während du dein Müsli hinunterschlingst. Vergiss dabei aber bitte nicht, die Uhr im Blick zu behalten. Es wäre zu schade, wenn dein straffer Zeitplan deshalb aus den Fugen geraten würde. Das ist überhaupt nicht meine Absicht.

Andreas Morlok/pixelio.de

Andreas Morlok/pixelio.de

Ja, ich weiß, das Leben als Schüler ist stressiger geworden. Vor allem, wenn du das achtjährige Gymnasium besuchst. Ständig in der Schule sitzen, dann gibt es da noch die Hausaufgaben, die sich selbst in unserer digitalisierten Welt noch nicht von alleine erledigen. Die Lehrer scheinen sich abzusprechen, sodass auf jeden Fall alle Klausuren in der gleichen Woche stattinden. Nicht das Referat zu vergessen, zu dem du dich freiwillig gemeldet hast, um deine eventuell nicht mit „sehr gut“ bewertete Klausur auszugleichen. Nach Schulschluss besuchst du die Imker-Ag? Und die Rhetorik- Ag ebenfalls? Ach so, da lernst du Wichtiges für deine Präsentationen, von denen du im Schnitt vier Stück pro Monat hältst. Ich verstehe, das macht sich später gut in deinem Lebenslauf. Dort, wo neben Englisch und Französisch auch Latein, Spanisch und Chinesisch stehen.

Darf ich dich fragen, was du in deiner Freizeit machst? Gibt es so etwas bei dir? Ah, du spielst Tennis, samstags bist du auf Turnieren. Lass mich raten, sicherlich spielst du auch ein Musikinstrument. Klavierunterricht bekommst du regelmäßig und dann spielst du noch Geige im Orchester deiner Gemeinde. sie haben dich vor kurzem gefragt, ob du nicht im Chor mitsingen würdest, du seist so musikalisch. Du hast natürlich „Ja“ gesagt, was denn sonst? Dass es nun ein wenig eng wird mit der Vorbereitung der Kinderbetreuung, merkst du erst jetzt. Aber das ist alles eine Frage der Organisation. Die Mitarbeitertreffen dürfen sich nur nicht mit der Chorprobe überschneiden. Das ist schon vorgekommen? Aber man kann doch nicht auf zwei Hochzeiten tanzen! Du schon? Ah, du gehst zuerst zum Vorbereitungstreffen, verlässt dieses einfach ein bisschen früher, um zur Chorprobe zu gehen. Dort hast du die Stimmübungen verpasst, aber die magst du sowieso nicht so. Ich verstehe.

Zuhause nicht zu sehen

Ute Mulder/pixelio.de

Ute Mulder/pixelio.de

Was sagt deine Familie denn zu deinem straff organisierten Tag? „Sagen“ ist der falsche Ausdruck? Ihr kommuniziert über an den Kühlschrank geklebte Zettel und „WhatsApp“. Klar, die neuen Kommunikationsmöglichkeiten müssen genutzt werden. Es ist enorm erleichternd, ständig online, immer auf dem neusten Stand zu sein. So weißt du stets, was noch auf die To-do-Liste gesetzt werden muss. Wenn du eine Sache als erledigt kennzeichnest, kommen per Mail zwei neue Aufgaben dazu. Ständiges Wachstum, bewundernswert. Dass das für deine Finanzen ebenfalls gilt, jobbst du. Zeitungen austragen kann man ja schon vor Unterrichtsbeginn, wirklich geschickt. Und zu wenig Schlaf hat bekanntlich noch niemandem geschadet – höchstens deiner Schönheit. Aber da gibt es in jeder Drogerie ein breites Sortiment an Gegenmitteln. Und so bist du jeden Abend ausgebucht. Training, Babysitten, Besuch bei Oma, Bibelstunde und Jugend sind Plichttermine. Dazu kommen die Treffen mit deinen Freunden. Beziehungen müssen gepflegt werden, da kann man keinen Termin auslassen. Sonst wird man schnell zum Außenseiter. Über die diversen sozialen Netzwerke bekommt man eben doch nicht alles mit, auch wenn sie alle paar Minuten über das hart erarbeitete Smartphone auf News gecheckt werden. Aber bei dieser Gelegenheit kann man wenigstens seinen Freunden und denen, die es vielleicht noch werden – zumindest virtuell – jeden Schritt, jeden Gedanken und jede unwichtigste Wichtigkeit mitteilen.

Ruheinsel im Alltag!?

Dann kommt endlich der Sonntag – der Ruhetag nach einer stressigen Woche, die Aufgaben im Haushalt sind erledigt und der einzige Termin ist der Gottesdienst. Theoretisch. Danach gehen manche von der Jugend noch Volleyballspielen. Das schöne Wetter muss genutzt werden, natürlich bist du auch am Start. Du hast die Leute ja schon seit Freitagabend nicht mehr gesehen. Die Zeit vergeht wie im Flug. Zum Kaffeetrinken kommen Freunde der Familie, da musst du anwesend sein. Wird bisschen knapp, oder? Ach so, du machst einen kleinen Dauerlauf. Abends fällt dir plötzlich siedend heiß an, dass morgen ein Vokabeltest in Spanisch ansteht – das bedeutet pauken; im letzten hattest du schließlich nur eine zwei minus. Geht gar nicht. Und schon ist die Woche um.

Registrierst du das? Oder denkst du schon an die drei Veranstaltungen, die übernächstes Wochenende stattinden? Oh okay, ich will dich nicht weiter in deinen Planungen stören. Nur eines möchte ich dir noch mitgeben – und das ist sehr ernst gemeint: „So lehre uns denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz erlangen!“ (Psalm 90,12). Ist schon ziemlich alt diese Weisheit, sie stammt von Mose. Aber sie ist wahr und wir sollten darüber nachdenken. Unsere Zeit auf der Erde ist begrenzt – da gilt es, Prioritäten zu setzen. Am Ende zählt nicht, wie erfolgreich du in der Schule warst, wie viele Freunde du hattest oder bei wie vielen Ämtern du dich engagiert hast. Am Ende deines Lebens (und das kann jederzeit sein!) zählt, ob du Gott zur Ehre gelebt hast. Was möchte Gott von dir? Denk mal in einer ruhigen Minute, wenn du zu einem deiner Termine unterwegs bist, darüber nach. Es lohnt sich.

Salome E. Mayer (freut sich immer auf den Sonntag – Atemholen ist da garantiert!)