Spieglein, Spieglein an der Wand

„Creme gegen unreine Haut“ – Ich schaue unauffällig in den Spiegel der Kosmetikabteilung und halte frustriert die Tube in der Hand. Wie ich schon wieder aussehe! Ob diese Creme hilft? Vom Cover der „Cosmopolitan“ strahlt mich die Gewinnerin von Germany´s next Topmodel an. Makellos. Ich fühle mich unwohl in meiner Haut.

malomalverde/flickr.com

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Kennst du solche Gedanken? Manchmal fühle ich mich so unwohl, dass ich mich gerne zuhause verstecken würde. Immer wieder kreisen meine Gedanken um mein Äußeres. Ich sehe die anderen und scheine nicht mithalten zu können. Ich fühle mich wertlos.

Mal ehrlich

Schönheit ist ein großes Thema, das uns alle berührt. Nicht umsonst spricht man heute oft vom „Schönheitswahn“, der durch Medien und Werbung verstärkt wird und uns – bewusst oder unbewusst – beeinflusst. Spieglein, Spieglein an der Wand … schon unsere Kindheitshelden waren nicht nur mutig und edel, sondern vor allen Dingen auch vollkommen schön. Was wären James Bond, Iron Man oder Achilles ohne ihr smartes Auftreten, ihre Muskeln und ihr markantes Gesicht? Die 14. Shell Jugendstudie hat 2002 festgestellt, dass für 88 Prozent aller Jugendlichen von 12 – 25 Jahren ein gutes Aussehen das wichtigste überhaupt ist. Kein Wunder. Doch sind wir mal ehrlich: ist Schönheit nicht eigentlich ein sehr relatives Konzept? Was früher schön war, ist heute vielleicht gar nicht mehr schön. im Mittelalter war helle Haut ein Schönheitsideal. Heute wollen wir alle braun gebrannt sein. Wer legt denn fest, was wirklich „schön“ ist, wenn sich die Wahrnehmung doch ständig ändert und von Kultur zu Kultur unterschiedlich ist?

Laufsteg Leben

Ich finde es interessant, dass in der Bibel, die Gottes Gedanken über uns Menschen enthält, nicht viel über äußere Schönheit steht. Stattdessen sagt Gott, dass wir uns zum Bespiel mit einem „sanften und stillen“ Geist schmücken sollen (siehe 1. Petrus 3,3-5). Gott wünscht sich, dass wir nach Frieden streben, nach Heiligkeit, nach Nächstenliebe, nach Gastfreundschaft, nach Vergebung. Die Dinge,
die uns in Gottes Augen schön machen, sind Dinge des Herzens. Einstellungen, Lebensweisen, Charaktereigenschaften. „Wahre Schönheit kommt von innen.“ Diesen Satz kennen wir. Aber schieben wir ihn nicht zu voreilig von uns. Überlegen wir mal, welche Menschen für uns ganz besonders schön sind. Hat das nicht oft damit zu tun, wie diese Menschen sind? Beobachtest du nicht auch, dass Menschen, die äußerlich überdurchschnittlich schön aussehen, sehr unschön wirken können, sobald man sie besser kennenlernt? Irgendwie merken wir also, dass Schönheit doch nicht nur eine äußerliche Sache ist. Trotzdem wird äußerliche Schönheit oft assoziiert mit Erfolg, Anerkennung und Zufriedenheit. Präsentation ist alles.  Auf Facebook laden wir Fotos hoch, auf denen wir uns von unserer besten Seite zeigen.

o-cosmo-falsh/flickr.com

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Und wer steht morgens nicht mindestens eine Stunde früher auf, um sich für den „Modewettbewerb Leben“ in Schale zu werfen?
Was ist das Ergebnis davon, dass wir so viel Wert auf unser Äußeres legen, uns ständig mit anderen vergleichen, und den Medien glauben, die uns weismachen wollen, dass man so aussehen muss, wie die Photoshop-Modells auf den Postern? Das Ergebnis ist Unzufriedenheit, mangelndes Selbstbewusstsein, psychischer Druck, Essstörungen, übermäßiger Konsum, um uns mit Produkten zu umgeben, die das Potential haben, uns irgendwie „schöner“ zu machen.

Geliebte Schönheit

Natürlich ist es nicht verkehrt auf sein Äußeres zu achten und sich zu pflegen. Aber gefährlich wird es, wenn sich alles nur noch darum dreht. Dann, wenn es uns gefangen nimmt und wir einer Lüge auf den Leim gehen. Nämlich der, dass Schönheit nur äußerlich ist. Jesus hat einmal gesagt, dass die Wahrheit uns freimachen wird (siehe Johannes 8,32). In Wahrheit hat Schönheit viel mehr Facetten als nur unser Spiegelbild. Der deutsche Dichter Christian Morgenstern hat einmal gesagt: „Alles, was man mit Liebe betrachtet, ist schön.“ Gott schaut voller Liebe auf dich! Es ist so wichtig zu verstehen, dass Gott uns liebt, mit all unseren Fehlern. Mir gibt diese Erkenntnis das Gefühl, dass ich schön sein kann; dass jeder schön sein kann. Trotzdem werfe ich manchmal verstohlene blicke in den Spiegel der Kosmetikabteilung und wünsche mir, ein anderes Gesicht würde mich angucken. Dann muss ich mir die Wahrheit wieder in den Sinn rufen. Nämlich, dass wahre Schönheit viel mehr ist, als nur eine porentief reine Haut, und vor allem, dass Gott, wenn er in mir wirkt und ich mich von ihm verändern lasse, mich schön machen möchte – von innen nach außen.

 

Daniela Stöckel

(freut sich, mit euch zusammen über Gott und die Welt nachzudenken und dabei ganz viel für den Alltag zu lernen.)