Liebeshormon

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Sie möchten beim Bewerbungsgespräch einen vertrauenswürdigen Eindruck erwecken? Oder bei der nächsten Party erreichen, dass das andere Geschlecht Sie umschwärmt? Oder Ihre emotionale Bindung zu einer bestimmten Person verstärken? Kein Problem: die Lösung heißt „Liquid trust“ – eine Lösung im wahrsten Sinn des Wortes. Ein Spray, der Oxytocin enthält. Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Oxytocin unterstützend auf diverse soziale Prozesse wirkt und Liebe, Beziehung, Vertrauen und Nähe fördert. Deswegen wird es auch als „Liebeshormon“ oder auch als „Kuschelhormon“ gerühmt.

Also: Vor dem nächsten Bewerbungsgespräch oder dem Date flugs ein wenig „Liquid trust“ aufgetragen und schon können Sie sich der Sympathie Ihres Gegenübers sicher sein. Und lassen Sie sich die Sache bloß nicht von den Psychologen madig machen, die davor warnen, Oxytocin als chemisches Wundermittel zu betrachten, weil Liebe zwar auch, aber längst nicht nur ein chemischer Prozess sei.

Falls Sie aber doch skeptisch hinsichtlich des „flüssigen Vertrauens“ aus dem Sprayfläschchen sind und nach einer Lösung jenseits von Chemie Ausschau halten – wie wäre es damit? Unsere Hoffnung wird uns nicht enttäuschen. Denn dass Gott uns liebt, ist uns unumstößlich gewiss. Seine Liebe ist ja in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, den er uns geschenkt hat. (Römerbrief 5,5) Der Apostel Paulus behauptet nichts Geringeres, als dass Christen eine besondere Form von „Liebeshormon“ verabreicht bekommen haben. Die Liebe Gottes – ausgegossen in unsere Herzen. „Ausgeschüttet“ wie ein Hormon. Und damit geeignet, soziale Prozesse in Gang zu bringen.

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„Die Liebe Gottes – ausgegossen in unsere Herzen“. Was meint Paulus damit? Durch Jesus Christus ist etwas in diese Welt gekommen, was uns zunächst in ein neues Verhältnis zu Gott bringt – „Friede mit Gott“ nennt es Paulus, Zugang zu Gottes Gnade. Aber mehr noch: Gottes Liebe wird in uns wirksam als eine bewegende Kraft (das ist die Grundbedeutung des Wortes „Hormon“!), die uns liebesfähig und bindungsfähig macht, aber darüber hinaus auch leidensfähig und geduldig – mehr als es selbst eine Überdosis „Liquid Trust“ je könnte.

Peter Rettinger