Karriere

Wenn einer viel Staub aufwirbelt, viel Lärm dabei macht und viel niedertrampelt, dann macht er … Karriere! Das Wort Karriere beschreibt nämlich nicht nur den schnellen und erfolgreichen beruflichen Aufstieg, sondern auch die schnellste Gangart des Pferdes, den fliegenden Galopp. Deshalb das Staub aufwirbeln, Lärm machen und niedertrampeln.

Christian-Nähring / pixelio.de

Christian-Nähring / pixelio.de

Hier das auf der Rennbahn dahin galoppierende Pferd, dort der auf der beruflichen Laufbahn sich befindliche Angestellte, die auf der Karriereleiter empor kletternde Mitarbeiterin. Man muss ein hohes Tempo gehen können, will man in unserem Hochgeschwindigkeitszeitalter Karriere machen. Ob man aber auch Staub aufwirbeln, Lärm machen und alles unter sich niedertrampeln muss? Bei einigen Karrieren höre ich diese Begleitmusik durchaus. Dass es auch anders geht, zeigt die Bilderbuchkarriere von Josef. Dieser träumte – als vom Vater bevorzugtes Kind – von einer Solo-Karriere. Die Garben auf dem Feld, sogar Sonne und Mond würden sich vor ihm verneigen. Und tatsächlich sollte Josef eine Traum-Karriere beschieden sein.

Bis dahin gab es allerdings so manchen Karriereknick. Es begann schon mit einem Abstieg – in einen Brunnen –, als die eifersüchtigen Brüder Josef als Sklaven nach Ägypten verkauften. Dort brachte er es aber schnell zum Verwalter seines Herrn. Dessen Frau versuchte, Josef zu verführen. Manchmal mag eine Affäre einer Karriere dienlich sein; Josef jedenfalls wies das unmoralische Angebot zurück – was einen deutlichen Karriereknick zur Folge hatte. Verleumdung, Gefängnis, wieder ganz unten. Von da aber ging es endgültig steil nach oben. Die Fähigkeit, Träume zu deuten, weckte das Interesse des Pharao, der schließlich Josef zum zweiten Mann im Staate machte.

Josef wusste, wem er seine Polit-Karriere zu verdanken hatte: nicht seiner Tüchtigkeit, nicht Fortuna, sondern Gott. Gott hatte dafür gesorgt, dass sich Josef nicht in seinem Karrierestreben in gestrecktem Galopp vergaloppierte und dass niemand seine Karrierepläne mit Josef zunichtemachte. Und: dass Josefs Karriere nicht ihm allein zugutekam, sondern seiner Familie und seinem Volk.

Die schönsten Geschichten schreibt doch das Leben; die schönsten Karrieren plant doch Gott. Nachzulesen in der Bibel: 1. Mose 37–50.

 

Peter Rettinger, Pädagoge und Journalist, ist Mitarbeiter im „Institut für Lebensgestaltung“ von Agape Österreich.

www.agapeoesterreich.at