Ein kleiner grüner Kaktus

Neulich habe ich beschlossen, ich brauche ein bisschen „Grün“ in meiner Wohnung. Es macht einfach etwas her, wenn ein paar Pflanzen im Raum stehen. Außerdem habe ich gehört, dass das wohl gesund sein soll. Fotosynthese und so… Leider gab es dabei immer einen kleinen Haken. Pflanzen muss man stets hegen und pflegen, damit sie nicht eingehen. Das wiederum bedeutet Arbeit. Als ich so darüber nachdachte, kam mir plötzlich die Lösung: Kakteen! Das waren doch diese Pflanzen, die man fast nie gießen muss. Perfekt! Fest entschlossen kaufte ich mir gleich acht Exemplare und stellte sie in die Wohnung. Problem gelöst!?

Nun ja, das dachte ich jedenfalls. Das denken vermutlich auch die meisten. Doch Kakteen gehören zu den Pflanzen, die sehr oft unterschätzt werden. Es ist richtig, dass Kakteen kaum Wasser benötigen. Allerdings ist es falsch, sie deshalb als pflegeleicht einzustufen. Damit ein Kaktus blühen kann, braucht er den richtigen Platz, Geduld und sehr viel Sorgfalt. Außerdem steckt in einem Kaktus mehr, als man im ersten Moment erwarten würde. Seine Stacheln reichen z.B. bis ins Innerste der Pflanze hinein. Der für uns sichtbare Teil dagegen ragt wie Antennen aus der Pflanze heraus. Diese feinen Nadeln nehmen die Feuchtigkeit in der Luft und das notwendige Wasser auf und leiten es direkt in das Innerste der Pflanze. Dort befindet sich der Wasserspeicher, der für das Überleben der Pflanze sorgt. Weitaus komplexer also, als man im ersten Moment vermuten würde.

Und irgendwie erinnert mich der Kaktus auch an mein Leben. Die Stacheln des Kaktus müssen sich ausstrecken, um das lebensnotwendige Wasser aufzunehmen (Johannes 4,14). Ebenso muss auch ich mich immer wieder Richtung Gott ausstrecken. Nur durch Gott und die Beziehung zu ihm bekomme ich das, was ich zum Leben brauche. Gott will mein Wasser des Lebens sein und dafür sorgen, dass es mir gut geht. Er will, dass ich in der Beziehung zu ihm beständig wachse. Und er möchte auch, dass ich Früchte bringe.

Ich bin der Weinstock; ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, wird viel Frucht bringen. Denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. (Johannes 15,5)

Und mal ganz ehrlich: So langweilig und unspektakulär ein Kaktus im ersten Moment auch aussehen mag – wenn er dann einmal blüht und Früchte bringt, ist er wunderschön. Doch das braucht Zeit, viel Geduld und oft muss auch erst einmal eine Zeit großer Trockenheit und Hilflosigkeit überwunden werden. Wenn wir also unser Leben auf Gott ausrichten, bedeutet das nicht automatisch, dass alles leicht und traumhaft schön sein wird. Es wird genauso Zeiten geben, wo wir mit Problemen zu kämpfen haben: Streit, Trauer, Hilflosigkeit, Kraftlosigkeit, Angst und vieles mehr.

Doch genau in solchen Momenten ist es gut zu wissen, dass wir einen Versorger haben der uns niemals alleine lässt. Gott wird uns immer so viel Wasser geben, wie wir benötigen. Alles was wir dafür tun müssen, ist seine Nähe zu suchen und im Vertrauen weiter durchzuhalten. Dann werden auch wir Früchte tragen. Versorgt durch das Licht und die Liebe Gottes können wir unsere Stärken und Gaben einsetzen und Gutes bewirken. Wie ein Kaktus können wir dann ein Zeugnis von Gottes Liebe und Genialität sein.

Mein Tipp für Heute: Sei doch einfach mal ein Kaktus. Strecke dich nach Gott aus, um zu bekommen, was du brauchst. Überwinde schwere Zeiten mit Gottes Hilfe und erlebe die Freude, die im Früchte bringen liegt.

Zum Abschluss darf natürlich der Klassiker zum Thema Kaktus nicht fehlen…