Danke sagen

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MERCI. Das Wort «merci» kommt vom lateinischen «merces, mercedis», was «Lohn» bedeutet. Wir gebrauchen es sehr oft in unserem schweizerischen Alltag und es ist eines der ersten Wörter, die wir in unserer schweizerischen Muttersprache und auch in einer Fremdsprache lernen. «Merci» gibt es auch in Form von Schokolade… aber es steckt noch viel mehr dahinter!

Den Tag positiv beeinflussen

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Gibt es Wörter, die unseren Alltag positiv beeinflussen können? Es sind mir nur wenige bekannt, aber das einfache Wort Danke hat diese Eigenschaft, besonders wenn es ernst gemeint ist. Ein kurzes Wort mit nur zwei Silben, das einen umso größeren Wert besitzt, der leider oft vernachlässigt und unterschätzt wird. Wenn ich auf Reisen ins Ausland gehe, lerne ich immer ein Minimum an wichtigen Ausdrücken in der Sprache des Landes. Dazu gehören insbesondere «Guten Tag», «bitte» und selbstverständlich «Danke». Ich finde es äußerst wichtig, dass man seiner Dankbarkeit Ausdruck verleihen kann und auch verstanden wird.

Nur aus Höflichkeit – oder von ganzem Herzen.

Es gibt das konventionelle Merci, ein Ausdruck der Höflichkeit, den wir brauchen, um jemandem zu danken, der uns die Tür gehalten, einen Kaffee offeriert oder uns einen Dienst erwiesen hat. Bereits als Kleinkind lernen wir dieses «Danke», das meist Hand in Hand mit dem Wort «bitte» geht. Dann gibt es das andere Merci, das wir verwenden, wenn wir zutiefst gerührt sind: Über das Mitgefühl, das jemand uns gegenüber zeigt, über sein Gebet für uns oder aber weil diese Person sich Zeit genommen hat, uns zuzuhören. Diese Art von Dankbarkeit können wir uns im Laufe unseres Lebens immer mehr aneignen. Beide Arten von Danke haben ihre Berechtigung, doch die zweite hat viel weitergehende Auswirkungen und ist übrigens schwieriger auszudrücken.

Gründe zur Dankbarkeit erkennen

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Niemand ist meiner Meinung nach dazu fähig, jeden einzelnen Dienst, den uns andere erweisen, zu erkennen. Manchmal sind wir uns einer Gefälligkeit schlichtweg nicht bewusst oder aber wir sind zu sehr auf etwas anderes fixiert. Manchmal unterschätzen wir die Mühe, die hinter einer Hilfeleistung steckt. Aus Distanz gesehen, scheint uns vieles offensichtlich und leicht umsetzbar, was in Wirklichkeit, wenn wir selbst damit beauftragt werden, gar nicht so einfach ist, ja uns oft sogar unmöglich erscheint! Wenn wir selbst eine bestimmte Aufgabe auch schon erledigt haben, werden wir viel dankbarer Jenen gegenüber sein, die darin involviert sind, da wir die Zeit und Energie kennen, die für diese Aufgabe investiert werden muss. Nehmen wir als konkretes Beispiel die Aktivitäten in der Gemeinde: Wie oft hast du folgenden Personen schon «Danke» gesagt:

  • dem Pastor für seine Predigt, seine Verfügbarkeit, seine Gebete und seine Bereitschaft zuzuhören?
  • all den Personen, die immer wieder für Sauberkeit und Ordnung sorgen? Verantwortlichen der Jugendgruppe für die investierte Zeit, ihre Motivation und ihre Ideen?
  • denjenigen, die sich um einen kleinen Imbiss, die Blumenarrangements oder anderes kümmern?

Die gleichen Fragen kannst du dir in Zusammenhang mit deinen Eltern, deinen engen Freunden, deinem Trainer, deinen Nachbarn oder Arbeitskollegen stellen. Es gibt so viele Gelegenheiten, dankbar zu sein!

Dank als Motivationsspritze

Im Januar 2008 kam ich aus einem Praktikumsjahr im Kanton Baselland zurück. Aus eigener Initiative verfasste ich in stundenlanger Arbeit einen Bericht, über meine Erlebnisse während dieser Zeit, mit verschiedenen Vorschlägen. Nachdem ich dieses Dokument an meine Vorgesetzte weitergeleitet hatte, bekam ich sogleich höfliche Dankesworte zurück. Bis heute ist es aber dabei geblieben und ich muss zum Schluss kommen, dass meine Arbeit für sie bedeutungslos ist, da sie keine Reaktion hervorgerufen hat. Der Dank kam also nicht aus echter Dankbarkeit! Dies ist frustrierend und ermutigt nicht gerade dazu, sich noch mehr anzustrengen. Aufrichtiger Dank hingegen ist eine Quelle der Ermutigung! Ein anderes Mal habe ich nach einer bedeutungsvollen und langwierigen Arbeit, im Zusammenhang mit einem Heroinschmuggel, während mehrerer Tage einen Bericht ausgearbeitet, in dem ich alle ausgeführten Untersuchungen beschrieben hatte. Mein Vorgesetzter hat mich aufrichtig zu meiner geleisteten Arbeit beglückwünscht. Er hat sich bei mir bedankt, indem er einige Punkte präzis hervorgehoben hat. Dies hat mich gefreut und ich fühlte, dass meine Arbeit sehr  geschätzt wurde. Zudem motivierte mich dieses Erlebnis, mir auch in Zukunft, beim Verfassen solcher Berichte, genauso Mühe zu geben. Ich denke, dass wir alle solche Erlebnisse machen. Sie erinnern uns daran, wie wichtig es ist, dem Anderen ein aufrichtiges Merci zu sagen. Erinnere dich an deine Gefühle, wenn man sich bei dir bedankt hat oder wenn der Dank ausblieb. Welche waren angenehmer? Vergiss nicht, auch die Anderen werden genauso wie du, auf Dankbarkeit reagieren!

Mehr als Worte

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Du kannst deinem, in Worten ausgedrückten Dank, noch mehr Ausdruck verleihen, indem du z.B. eine E-Mail oder ein SMS an die betroffene Person sendest, oder sie mit Pralinen oder Blumen überraschst. Besonders schön ist es, wenn du der Person, die dir einen Dienst erwiesen hat, von deiner Zeit widmest. Eine kleine Aufmerksamkeit dieser Art macht immer Freude! Indem du deiner Dankbarkeit Ausdruck verleihst, erkennst du die Investition an Zeit, Liebe und Energie, manchmal auch an Geld des Anderen dir gegenüber an. Es kann vorkommen, dass du nicht immer sofort die Gelegenheit hast, der Person Merci zu sagen. Aber statt einfach zu denken, dass es doch nicht so wichtig sei oder dass du dich das nächste Mal bedanken wirst, könntest du dir eine kleine Aufmerksamkeit ausdenken, wie wir sie oben vorgestellt haben. Ich habe der betroffenen Person, wie beispielsweise meinen Eltern oder engen Freunden, auch schon einen Brief geschrieben. Dies gibt dir die Möglichkeit, dich gleich für mehrere Sachen zu bedanken. Zudem kann die betreffende Person deine Dankesworte immer wieder lesen.

Zusammengefasst

Merci ist mehr als eine mechanisch erwiderte Höflichkeitsfloskel, es kann zu dem zentralen Wort eines Lebensstils werden, der voll von Dankbarkeit und Aufmerksamkeit anderen gegenüber ist. Dankbarkeit kostet diejenigen, die sich dafür entscheiden, nichts, kann aber dem Menschen, der sie erhält, enorm viel bringen! Du wirst es nie bereuen, jemandem Danke gesagt zu haben. Es kann hingegen vorkommen, dass du es bereust, deinen Dank nicht ausgesprochen zu haben. Sei also aufmerksam und zögere nicht mehr!

 

Aus „Friends for ever„, Ausgabe 02/2009, Mit freundlicher Genehmigung