2 Freunde sollt ihr sein!

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Wie du ein guter Freund wirst und bleibst

Nicht zu fassen. Das sind ja Stasi-Methoden vom Allerfeinsten! Natürlich weiß hier in Jerusalem jeder, wie wütend dieser Mensch gegen uns Christen vorgegangen ist. Und dass er nicht nach Damaskus gereist ist, um dort Urlaub zu machen, sondern um alle Anhänger von Jesus, die er erwischen konnte, zu verhaften und sie hier in Jerusalem den führenden Priestern auszuliefern.

Anscheinend ist diese Mission nicht besonders erfolgreich verlaufen, da versucht er’s halt jetzt mit diesem raffinierten Trick. Saulus soll in Damaskus Christ geworden sein — wer soll denn das glauben? Ausspio­nieren will er uns, weiter nichts. Nehmt euch bloß in Acht vor ihm! Das dachten die Jünger von Jesus damals in Jerusalem wirklich, als Saulus versuchte, sich ihnen anzuschließen: Sie hatten schlichtweg Angst vor ihm. Sie konnten nicht glauben, dass er wirklich von Jesus komplett umgekrempelt worden war. Doch einer von ihnen sah das anders: der, dem sie den interessanten Spitznamen gegeben hatten. Und das sicher nicht ohne Grund.

Wie ist der „Nickname“ von Josef in deiner Bibel übersetzt (Apostelgeschichte 4,36)?

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In Johannes 14,16 verwendet Jesus den glei­chen Begriff, um den Heiligen Geist zu charak­terisieren: Beistand, Fürsprecher, Helfer. „Der, der andere ermutigt“ ist eine treffende Über­setzung von „Barnabas“, und ab sofort wird er in der Bibel auch nur noch so genannt. Barnabas kommt also Saulus zu Hilfe. Er sucht den Kontakt zu ihm, lernt ihn persönlich kennen und stellt ihn den an­deren vor. So kann Barnabas bei vielen die Vorbehalte gegen Saulus zerstreuen und ihm Gemeinschaft mit echten Christen verschaffen, die er so dringend braucht.

Welche Eigenschaften von einem guten Freund findest du bei Barnabas?

  • Steckt andere nicht in Schubläden.
  • Liebt es, anderen zu helfen.
  • Setzt sich gern mal über Vorurteile hinweg.
  • Vertraut einem anderen nur, wenn der ihm seine Zuverlässigkeit bewiesen hat.
  • Lässt sich von der Meinung der anderen nicht so schnell beeinflussen.

Welche Eigenschaft soll auf jeden Fall deine werden?

Der Start einer Freundschaft ist immer riskant. Versuche, in dem anderen den zu sehen, den Gott in ihm sieht. Und bring ihm mehr Ver­trauen entgegen, als du es tun würdest, wenn du auf der sicheren Seite bleiben wolltest. Schau, ob der andere dieses Vertrauen be­lohnt. Wenn ja, dann ist das vielleicht der Start einer bereichernden Freundschaft.

Jahre später leitet Barnabas ein bahnbrechen­des missionarisches Projekt in einer der be­deutendsten Städte des Römischen Reiches. Dabei hilft ihm seine vielseitige Begabung: Sowohl dabei, frischgebackene Christen in ihrem Glauben zu fördern, als auch dabei, Menschen ganz neu für Jesus zu gewinnen, ist er äußerst erfolgreich. Doch was tut er? Er erinnert sich an einen alten Freund. Das wäre genau der richtige Mann hier. Den kann Gott hier brauchen! Und er macht sich auf die Suche nach Saulus. Wenn Barnabas nicht nach Da­maskus aufgebrochen wäre, um Saulus nach Antiochia zu holen, wer weiß: Vielleicht wäre Saulus dort für immer in der Versenkung ver­schwunden?! (Nein, das wäre er natürlich nicht! Denn Gott hätte andere Mittel und Wege gehabt, um Saulus aus der Versenkung zu holen. Aber er wollte es durch seinen Freund Barnabas tun!)

Welche zusätzlichen Eigenschaften von einem guten Freund findest du bei Barnabas?

  • Will den Erfolg mit keinem teilen.               
  • Hat ein Auge für die Begabungen anderer.
  • Hat keine Angst, dass der andere etwas besser kann als er selbst.
  • Kann die Arbeit mal ruhen lassen, wenn es um einen Menschen geht.
  • Sieht bei Situationen und Menschen auf jeden Fall zuerst das Positive.

Welche Eigenschaft soll auf jeden Fall deine werden?

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Das Wachsen einer Freundschaft ist nicht machbar, sondern immer ein Geschenk. Es erfolgt auch nicht immer kontinuierlich, son­dern oft in Schüben. Wenn der andere dir so wertvoll ist, dass du dich freust, wenn er erfolgreicher ist als du: dann ist eine tiefe Freundschaft gewachsen. Hab ein Auge dar­auf, wie du den anderen fördern kannst. Diese Einstellung ist die beste „Nahrung“ für das Wachstum einer Freundschaft.

Was Barnabas und Saulus in den folgenden Jahren erleben, ist für beide ein großer Gewinn, und dieser Gewinn wäre nicht so groß gewe­sen, wenn sie es nicht gemeinsam erlebt hät­ten. Dabei ist der „Kleber“ ihrer Freundschaft nicht ein gemeinsames Hobby, wie Formel 1, PC-Spiele oder Zierfische, was auch schon eine tolle Sache sein kann. Aber ihre Freundschaft wird von etwas zusammengehalten, das noch viel tiefer geht: Sie sind gemeinsam Mitarbeiter von Jesus Christus. Ihre Zeit im Multikulti ­Leitungsteam der Großstadtgemeinde Antiochia (Apostelgeschichte 13,1) und ihre Reise entlang der Handelsstraße, bei der sie die Gute Nach­richt in die Metropolen bringen…

Einmal wurde Barnabas sogar „Zeus“ (Chefgott) und Paulus „Hermes“ (Wortführer) genannt. Das wäre ja eine zum Schmunzeln treffende Beschreibung ihrer Freundschaft gewesen, wenn die Leute in Lystra sie nicht tatsächlich für Götter gehalten hätten (Apostelgeschichte 14,11-18). Gemein­sam kämpfen Paulus (wie Saulus ab jetzt mit seinem internationalen Namen genannt wird) und Barnabas auch erfolgreich dafür, dass die christliche Gemeinde kein Ableger des Juden­tums wird, sondern etwas ganz Neues und Eigenständiges (Apostelgeschichte 15,1-35). Und doch zerbricht die Freundschaft eines Tages. Als Barnabas seinem Cousin Johannes-Markus (Kolosser 4,10) eine zweite Chance geben will, macht Paulus nicht mit. Einen, der mitten im Missionseinsatz das Handtuch ge­worfen hat und heim zu Mama gezogen ist, noch einmal mitnehmen? Das hält Paulus für zu riskant. So sehr er die verständnisvolle Art von Barnabas zu schätzen weiß: Liegt hier nicht eine verwandtschaftsbedingte Fehleinschät­zung vor?

Paulus und Barnabas gehen von nun an ge­trennte Wege. Ob sie jetzt keine Freunde mehr sind? Jedenfalls schreibt Paulus später mit großer Wertschätzung von Barnabas (1. Korin­ther 9,6; Galater 2,9). Und Johannes-Markus? Der wird später sogar wieder ein Mitarbeiter von Paulus (Kolosser 4,10; Philemon 24) und ist ihm eine große Hilfe (2. Timotheus 4,11).

Die intensive Zeit, die Barnabas und Paulus zusammen hatten, endet nicht, weil ihre Freund­schaft eingeschlafen ist, sondern sie endet aufgrund eines Kon­flikts.

Welche wichtigen positiven Punkte kannst du darin entdecken?

  •  Sie lassen sich von dem Konflikt nicht lähmen, sondern bleiben beide Mitarbeiter von Jesus.
  •  Sie wollen die Freundschaft um jeden Preis retten.
  •  Sie kehren die wichtige Meinungsver­schiedenheit nicht konfliktscheu unter den Teppich.
  •  Sie reden — auch später — nicht schlecht übereinander.
  •  Nicht jeder Konflikt kann gelöst werden.

Welcher Punkt hat dir in deiner Situation am meisten zu sagen?

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Konflikte gehören zu einer Freundschaft. Die meisten sind lösbar. Dabei hilft es oft schon zu sehen: Der andere tickt anders als ich (Paulus ist zum Beispiel sachorientiert, Barnabas beziehungsorientiert). Oder: Der eine braucht erst mal Abstand, der andere will sofort ein klärendes Gespräch. Oder… Aber Achtung: Versuche nicht um jeden Preis, eine Freundschaft zu erhalten — schon gar nicht, wenn Gottes Sache dadurch vernach­lässigt würde! In jedem Fall: Versuche, den anderen mit Gottes Augen zu sehen, rede mit Wertschätzung von ihm und wünsche ihm Gutes (also: Bete für ihn!).

Ich wünsche dir, dass Jesus dir, wenn es an der Zeit ist, einen echten Barnabas-Paulus­ Freund schenkt. Beziehungsweise eine echte Barnabella-Paulina-Freundin! Und dass er dein Leben und das von Paulus, beziehungsweise Paulina, dadurch echt bereichert.

 

achim.hubener@kommline.de
komm 05/08