Meine Eltern haben sich getrennt

Vielleicht hast du es miterlebt, wie ein Elternteil den anderen betrogen hat, vielleicht war dein Vater oder deine Mutter nie daheim oder ist betrunken heim gekommen, vielleicht haben deine Eltern ständig gestritten …

und nun haben sie sich getrennt.

Was wird jetzt aus dir?

Haben sie dich gefragt, was du dazu denkst?

©Hazel Brown/Stock.xchng

©Hazel Brown/Stock.xchng

Oder haben sie es dir einfach übergestülpt mit Worten wie „Du musst jetzt vernünftig sein“, oder „tapfer“, oder „du bist ja jetzt schon groß“ …

Wenn Eltern sich scheiden lassen, tut es weh. Vielleicht merkst du es nicht gleich, weil in dir so ein Gefühlsdurcheinander herrscht, dass du es gar nicht recht einordnen kannst. Bei mir war das so. Erst Jahre später habe ich begonnen mir über meine Gefühle bei der Scheidung meiner Eltern klar zu werden.

Bei einer Scheidung bist du mit deinen Gefühlen und deiner Trauer allein gelassen. Du kannst nicht mit deinen Eltern gemeinsam trauern. Ein Todesfall ist leichter zu verkraften, weil hier gemeinsam getrauert wird.

Es kann sein, daß du dich schuldig fühlst.

Meinst du sie hätten sich wegen dir getrennt, weil du irgendetwas getan hast, dass ihnen nicht gefallen hat. Ich kann dir versichern, dass das sicher nicht so ist. Eltern trennen sich nie wegen ihrer Kinder. Oft bleiben sie sogar noch länger zusammen, um den Kindern den Schmerz der Trennung zu ersparen. Manches Mal trennen sich Eltern, weil einem Kind von einem Elternteil etwas Schlimmes angetan wird. Aber dann ist es auch nicht deine Schuld, sondern die des Elternteils, der dir etwas angetan hat.

Oder du glaubst, du hättest dich mehr anstrengen müssen, um sie zusammen zu halten. Das ist nicht deine Aufgabe! So etwas müssen Eltern unter sich selbst ausmachen, die Versuche von dir haben und hätten nichts bewirkt.

Gib dir nicht die Schuld für die Trennung deiner Eltern! Es ist nicht deine Schuld! Es ist allein die Verantwortung deiner Eltern!

©S. Hofschlaeger/Stock.xchng

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Oder bist du eher wütend auf deine Eltern?

Das ist o.k.! Du darfst wütend sein. Du wirst hier in etwas hineingezogen, für das du überhaupt nicht kannst. Du leidest unter der Situation und wirst damit völlig allein gelassen.

Hast du vielleicht auch Angst?

Angst was jetzt kommt, wie es weitergeht? Rede mit jemand über deine Angst, wäre schön, wenn du sogar mit deinen Eltern darüber reden könntest.

Oder bist du erleichtert,

dass es jetzt endlich vorbei ist mit der Streiterei oder der Betrügerei? Die Reaktion ist auch sehr verständlich.

Doch so schlecht die Beziehung deiner Eltern auch war, die Langzeitfolgen einer Scheidung sind trotzdem schwerwiegender als die einer schlechten Beziehung der Eltern. Aber du darfst ruhig trotzdem erleichtert sein.

Wie kannst du aber jetzt umgehen mit der Situation?

Rede mit jemand über deine Situation und deine Gefühle.

Vielleicht kannst du sogar mit deinen Eltern über deine Gefühle reden. Aber such dir auch jemand Außenstehenden, dem du vertraust: Freundin, Freund, vielleicht auch jemand älteren, wie Jugendkreisleiter. Wenn du an Jesus glaubst, betet gemeinsam und lass für dich beten.

Such dir Vorbilder.

Nicht aus dem Fernsehen, such dir gute Vorbilder! Ich hoffe, du findest Erwachsene, die eine gute Ehe führen: beobachte sie, vielleicht kannst du sie auch fragen, was sie für ihre Ehe wichtig finden. Wenn du in einen Jugendkreis gehst, kann dir hoffentlich dein Jungendkreisleiter ein gutes Vorbild sein, falls er oder sie verheiratet ist. (Wenn er/ sie verheiratet ist, und kein gutes Vorbild ist, sprich ihn/ sie darauf an –es ist seine Aufgabe ein gutes Vorbild zu sein!).

Vergib deinen Eltern.

WAS ICH?! NEIN, NIE!!!

War das grad deine erste Reaktion? (wenn nicht, dann solltest du mit jemand über dieses Problem reden) Du darfst wütend, traurig, enttäuscht, erleichtert, … sein. Trotzdem kommt auch der Punkt, wo Vergebung dran ist. Vergebung ist etwas, das nicht zuerst für den anderen gut ist, sondern für dich! Es bedeutet, dass du die Schuld des anderen nicht „nachträgst“. Stell dir mal bildlich vor, wie du dem anderen ständig eine schwere Last, wie einen Rucksack voll Steine, nachschleppst. Wer ist denn da belastet? Der andere? Nein, du selbst schleppst an der Schuld des anderen. Vergeben ist eine Erleichterung! Du musst dem anderen nicht mehr seine Schuld hinterher schleppen. Vergebung ist eine Handlung des Verstandes, es hat nichts mit Gefühlen zu tun.

Ich habe meinen Eltern vergeben, obwohl ich noch wütend war. Einige Zeit später hat Jesus dann auch wieder positive Gefühle den Eltern gegenüber geschenkt.

©Laura Nubuck/Stock.xchng

©Laura Nubuck/Stock.xchng

Du darfst wissen:

Jesus versteht deine Gefühle. Ihm ist es nicht egal, wie es dir jetzt geht. In der Bibel, in Markus 10,2-16 redet Jesus zuerst darüber, was seine Meinung zu Scheidung ist. Gleich anschließend kümmert er sich liebevoll um ein paar Kinder, die zu ihm gebracht werden. Ihm ist es nicht egal, was mit den Kindern passiert, die nach einer Scheidung immer die alleingelassenen Opfer sind. Du kannst Jesus sagen wie es dir geht. Sag ihm deine Wut, deinen Verletzung, deine Erleichterung –er hört dir zu und er versteht dich!

Buchtipp:
  • Josh McDowell, Ed Stewart, Trennung der Eltern, Verlag CV Dillenburg, 2002
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