Die weltweite Familie

Was, du kennst weder mein Geburtsdatum noch meine berufliche Tätigkeit?! Weißt du denn nicht einmal, dass ich glücklich verheiratet und stolzer Vater von zwei Kindern bin?
Aber ich bin doch DEIN BRUDER!!!

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Ja, du hast richtig gelesen. Du und ich, wir sind Geschwister. Wir sind uns zwar vielleicht noch nie über den Weg gelaufen, haben aber etwas unendlich Wichtiges gemeinsam: An einem bestimmten Tag haben wir uns beide von einem Leben ohne Jesus verabschiedet und Gottes geniales Geschenk der Vergebung angenommen. Die Bibel spricht hier tatsächlich von einer Neugeburt. In 1. Petrus 1,23 kannst du zum Beispiel Folgendes lesen: „Ihr seid ja neu geboren worden. Und das verdankt ihr nicht euren Eltern, Gott selber hat euch durch sein lebendiges und ewiges Wort neues Leben geschenkt.“ Das bedeutet also, dass der allwissende und allgegenwärtige Gott durch diese Neugeburt – auch Wiedergeburt genannt unser persönlicher Vater geworden ist. Und wenn er unser Vater ist, sind wir logischerweise seine Kinder. Und Kinder, die denselben Vater haben, sind bekanntlich Brüder und Schwestern. Willkommen also in der unendlich grossen und multikulturellen Familie Gottes!

Die Familien in der Familie

Wir haben also Millionen von Brüdern und Schwestern, von denen wir jedoch die meisten gar nicht kennen. Und doch wirst du bestimmt immer wieder mal etwas von dieser Megafamilie zu spüren bekommen. Zum Beispiel dann, wenn du beim Reisen in fremden Ländern völlig unerwartet und überraschend mit anderen Christen in Kontakt kommst. Du wirst sofort feststellen, dass eine herzliche Verbundenheit da ist: Ein Stück Heimat in der Fremde! Diese weltweite Familie ist aber viel zu gross, um sie wirklich als Ganzheit wahrnehmen zu können. Deshalb gibt es innerhalb dieser Megafamilie kleinere überschaubarere Familien: Die örtlichen Gemeinden. Wenn wir also zusammen dieses Familienleben anschauen, beziehen wir uns auf die christliche Gemeinde, zu der wir uns zählen. So wie sich ein Kind nämlich nur dann gesund entwickeln und richtig entfalten kann, wenn es in der Geborgenheit seiner Familie aufwächst, brauchen wir auch als Christen eine funktionierende Gemeindefamilie. Die Bibel selber greift das Bild der Familie immer wieder auf, wenn sie von der Gemeinde spricht. Und ich bin sicher, dass dir dieses Bild hilft, das Gemeindeleben besser zu verstehen.

Kein Smalltalk

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In einer «gesunden» Familie kümmern sich die einzelnen Familienmitglieder umeinander. Es ist mir doch keineswegs egal, ob mein Bruder fit ist oder in grossen Schwierigkeiten steckt. Und es interessiert mich, ob meine Schwester nun die Fahrprüfung bestanden hat oder nicht. Und wie komme ich zu diesen Informationen? Ich setze mich ganz einfach an den Familientisch oder beteilige mich an einem Familienspaziergang. Auf jeden Fall muss ich mit meinen Geschwistern ins Gespräch kommen. Ich brauche Zeit. Zeit zum Zuhören. Aber auch Zeit, mich selber mitzuteilen. Denn wo sonst kann ich so offen und ehrlich über meine Gefühle und Erfahrungen sprechen wie in der eigenen Familie? Bei wem fühle ich mich besser verstanden als bei meinen Eltern und Geschwistern? In der Gemeinde soll es genauso sein. Wir sollten uns immer wieder Zeit nehmen und Gelegenheiten suchen mit unseren Brüdern und Schwestern ins Gespräch zu kommen. Und zwar nicht in erster Linie, um über die neusten Fussballresultate oder die aktuellen Wetterprognosen auszutauschen. Nein, vielmehr wollen wir offen und ehrlich miteinander sein und sowohl negative wie auch positive Erfahrungen teilen. So wird die Gemeinde – genau gleich wie unsere leibliche Familie zu einem Ort des Auftankens.

Lieblingskinder?

Wie gut zu wissen, dass es bei Gott weder Lieblingskinder noch schwarze Schafe gibt. Wir werden von ihm alle gleichermassen geliebt und sind ihm alle genau gleich wichtig. Auch wenn sich vielleicht gewisse Christen besser vorkommen als die übrigen und andere unter Minderwertigkeitskomplexen leiden, gibt es bei Gott keine Familienhierarchie. Er ist der einzige Vater, der jederzeit gerecht handelt. Er ist die Gerechtigkeit in Person. Aber aufgepasst: Gerechtigkeit bedeutet nicht, dass alle immer das gleiche kriegen. Denn du und ich haben ja keineswegs immer die gleichen Bedürfnisse. Und wer kennt uns besser als unser Vater im Himmel? Er ist mit seinen vielen Kindern nicht überfordert und weiss am besten, was wir wann in welcher Form nötig haben.

Wenn dir also Gedanken kommen wie «Sabrina wird ständig von Gott bevorzugt … » oder «Marco ist offensichtlich eines von Gottes Lieblingskindern und ich werde wieder einmal benachteiligt …» dann sind das ganz klare Angriffe von Satan. Er setzt nämlich alles daran, die Harmonie in Gottes Familie zu zerstören und sie auseinanderzureissen. Geh deshalb mit solchen negativen Gedanken und Gefühlen immer direkt zum Vater. Ihm darfst du alles anvertrauen. Er versteht dich immer und ist gern bereit, dich im Umgang mit deinen Geschwistern zu unterstützen.

Zusammen sind wir stark

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Eine Familie kann nur dann gut funktionieren, wenn alle Mitglieder Verantwortung übernehmen und sich die Aufgaben teilen. Es gibt zudem auch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, wenn sich alle für das Wohlergehen und eine gute Atmosphäre in der Familie einsetzen.

Die Bibel spricht in diesem Zusammenhang von der Familie als Körper. Jedes Organ übernimmt eine bestimmte Funktion. Und dies nicht zum Selbstzweck, sondern damit der ganze Körper überhaupt richtig funktionieren kann. Lies dazu einmal die Stelle in 1. Korinther 12, 12-31.

Auch dir hat Gott Fähigkeiten geschenkt, die du zum Nutzen der Gemeinde einsetzen kannst. Nimm dir etwas Zeit und schreibe auf, womit du einen grossen Teil deiner Zeit zubringst und was andere gern von dir gemacht bekommen. Mit dem, was du so zu Papier bringst, kannst du deine natürlichen Gaben entdecken oder ihnen ziemlich nah auf die Spur kommen. Denn das, was uns liegt, wofür wir ein Händchen haben, ist auch unsere Begabung! Frage auch ruhig ein paar Menschen, die dich gut kennen. Sie können dir bestimmt deine Stärken sagen. In einem zweiten Schritt überlegst du dir nun einmal, wie du deine Gaben in deiner Gemeinde einbringen kannst. Sprich mit einem Bruder oder einer Schwester darüber. Gemeinsam werdet ihr bestimmt Ideen haben, wie du die Familie Gottes mit deinen Fähigkeiten bereichern kannst!

Der Familienanführer. Sicher bist du auch schon oft froh gewesen, dass du die wichtigen Entscheidungen in deinem Leben nicht selber treffen musst. Du kannst alles mit deinen Eltern besprechen. Sie helfen dir. Sie tragen ja auch die Hauptverantwortung der Familie. Und gerade deshalb schuldest du ihnen auch Gehorsam. Du musst ihre Autorität respektieren und ihnen dein ganzes Vertrauen schenken. Nur so können sie der Familie als Anführer voranstehen.

Genau gleich ist es in der Familie Gottes. Jesus trägt die Hauptverantwortung der Gemeinde. Er ist unser Anführer. Er hat den Anspruch, dass wir in allen Gelegenheiten nach seinem Willen fragen und die Entscheidungen nicht einfach alleine treffen. Wir sollten uns viel Zeit für das Gespräch mit Jesus nehmen und immer wieder gemeinsam in der Bibel lesen. Nur so können wir den Willen unseres Vaters erkennen. Die Beziehung zu Jesus gibt unserer Gemeinde die nötige Stabilität. Mit ihm im Zentrum wachsen wir als Brüder und Schwestern immer mehr zu einer harmonischen und gut funktionierenden Familie zusammen.

 

Marcel Hochstrasser
Er findet es grossartig, so viele Geschwister auf der ganzen Welt zu haben.

Aus „Friends for ever„, Ausgabe 01/2008, Mit freundlicher Genehmigung