Die Smartphone Herrschaft

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Ich war heute Mittag eine halbe Stunde spazieren und hab die schöne Landschaft genossen. Nebenbei habe ich für mein Instagram Account noch ein paar Bilder mit meinem Handy geschossen. Als ich dann wieder zuhause war, habe ich noch in einer WhatsApp Gruppe geschaut und mit einem Freund geschrieben. Der hat mir ein YouTube Video geschickt. Nach dem ich das Video angeschaut habe, habe ich mir noch ein paar andere Videos angeguckt und eins auf Facebook geteilt. Bevor ich schlafen gegangen bin, war ich noch auf Instagram und WhatsApp. Damit ich müde werde, habe ich noch ein kleines Spiel gezockt. Wenn ich über mich und mein Smartphone so nachdenke, frag ich mich: Ist das noch O.K.? Ist mein Umgang mit dem kleinen Gerät noch im grünen Bereich, oder nimmt es zu viel Platz und Zeit in meinem Leben ein? Fragst du dich das auch manchmal? Hier unten findest du sieben Punkte, an denen du dein Smartphone Verhalten testen kannst. Also, auf geht’s!

 

1.Bin ich süchtig nach Ablenkung?

Endlich fertig mit der Aufgabe und Pause machen. Deswegen gehe ich zur Entspannung erstmal spazieren. Oder ich spiele etwas Musik zur Ablenkung. Oder doch lieber einen Kuchen backen und Mama damit überraschen? Aber halt mal- mach ich diese Sachen wirklich? Oder sieht meine Ablenkung und damit Pause ganz anders aus? Ich glaube, ich erwische meine Daumen viel öfter beim tippen auf meinem Smartphone als beim backen eines Kuchens. Und manchmal passiert es, dass ich mich von meinem Handy ohne Grund ablenken lasse. Wie oft habe ich beim Essen schon auf mein Handy geguckt, statt mit meiner Schwester neben mir zu reden? Und wenn der Geschichtslehrer da vorne so langweilig redet, da kann ich gar nicht anders als mit meinem Handy zu zocken. Sieht‘s bei dir auch so ähnlich aus? Lässt du dich auch so leicht von deinem Handy ablenken? Und ist dein Handy zu deiner liebsten Freizeitbeschäftigung geworden? Dann hilft ein Ablenkungs-Management! Denn Ablenkung tut gut und das brauchen wir auch. Aber wie? Hier ein Ablenkungssieb, bevor du dich ablenken lässt:

Tut es mir gut?

Verschafft es mir Ruhe?

Ist sie zeitlich begrenzt?

Wenn die Ablenkung mit einem „Ja“ beantwortet werden kann, ist sie eine gesunde Ablenkung.

 

 2. Bin ich auf der Suche nach Beifall?

Hier ein Like und da ein Smiley… und gerne sammle ich diese kleine Zustimmung auch für mich selber ein. Fotos teilen und Sprüche veröffentlichen geben uns die Möglichkeit, erlebtes mit anderen zu teilen. Aber dieses „sich mitteilen“ kann auch zu einer Sucht werden. Die Sucht nach dem digitalen Beifall. Frag dich doch beim nächsten Post einmal folgendes: Poste ich dieses Bild oder diesen Text, damit andere mich bewundern? Damit ich mehr Follower, Freunde und Likes bekommen?

Weißt du, was viel besser als digitaler Beifall ist? Ein Lächeln und ein Blick in die Augen mit den Worten „Hey, das gefällt mir!“. Denn was bringt es mir, im Netz der Kracher zu sein und unzählige Likes zu sammeln, wenn ich im echten Leben keinen habe, mit dem ich es teilen kann?

Hier eine Challenge für dich: Bevor du das nächste Mal etwas im digitalen Raum teilst, erzähle einem Freund davon, dem du dabei wirklich in die Augen schauen kannst 😊.

 

3. Mache ich mir die Welt, wie sie anderen gefällt?

Bist du bereit für ein kleines Spiel? Schau mal in deine Foto-Galerie. Wie viele Bilder findest du, die du für deine social-media-Accounts zurechtgeschustert hast? Wenn es eine unzählbare Anzahl ist, dann zeigt es vielleicht, dass du für deine Follower eine Welt zusammenstellst. Da sind Situationen zu finden, die nur für die Öffentlichkeit gebastelt wurden. Ich selber muss mir eingestehen, dass ich manchmal bestimmte Sachen mache, um nachher ein Foto davon zu schießen. Ich richte mir mein Essen perfekt her um ein Bild zu machen. Sogar meine Stille Zeit mache ich in einer eher ungemütlichen Position, damit ich auf Instagram ein Bild von diesem Szenario veröffentlich kann.

Ist es denn falsch, ein Bild in ein gutes Licht zu rücken? Nein, es ist nicht falsch! Nur was ist deine Motivation dabei? Hier drei Fragen, um die Motivation für das Bild herauszustellen: Ist das Bild bewusst gestellt, um ein Foto veröffentlichen zu können? Kann ich hiermit Gott die Ehre geben? Mache ich das Foto, um Likes zu bekommen?

Unser Handy ist leider oft eine Versuchung, ein gefälschtes Bild von der Realität wieder zu geben. Es verleitet uns zu oft dazu, ein falsches Bild von der Wirklichkeit abzulichten. Ich möchte aber nicht, dass mein Smartphone hier über mich bestimmt! Bist du mit mir dabei, wieder Herrscher über das kleine Gerät zu werden?

 

4. Ist mein Handy ein Zufluchtsort?

Letzens war ich mit der Bahn unterwegs und steckte mir aus Gewohnheit meine In-Ear Kopfhörer in die Ohren. Nach einer kurzen Zeit setzte sich ein älterer Mann neben mich hin. Er begrüßt mich freundlich und ich lächelte zurück. Doch mehr war da nicht. Im Nachhinein denke ich, dass wir uns bestimmt etwas unterhalten hätten, wären die Kopfhörer nicht gewesen. Ich glaube, es ist nicht schlimm, Musik in der Öffentlichkeit zu hören. Aber sind mein Handy und die Gadgets darauf, meine erste Beschäftigung, der ich in der Öffentlichkeit nachgehe? Es passiert ganz schnell, dass uns das kleine Ding auch hier unter Kontrolle hat. Es ruft ja schon förmlich nach uns, wenn wir es für 5 Minuten in der Hosentasche ruhen lassen.

Wenn wir ständig verkabelt sind und unsere Hände sofort nach dem Smartphone greifen, dann deutet es vielleicht schon auf eine Abhängigkeit hin. Warum können wir nicht mehr ohne Musik in den Ohren durch die Straßen laufen? Warum kann ich im Bus oder der Bahn nicht ohne Handy in der Hand sitzen? Wie viele interessante Gespräche wir dadurch schon verpasst haben! Und wie viel Zeit für Gebete schon draufgegangen ist!

Hier meine Challenge für das nächste Mal, wenn du in der Öffentlichkeit versucht bist, zum Handy zu greifen: Schau dir die Leute an. Für wen kannst du in diesem Moment beten? Wen siehst du regelmäßig und weißt nichts über ihn? Vielleicht sprichst du ihn mal an oder sagst ein nettes „Hallo“ und „Auf Wiedersehen“. Challenge accepted?

 

5. Ist mein Smartphone eine Tür zu schmutzigen Dingen?

Jetzt kommt ein gefährliches Gebiet. Eins, worüber man lieber schweigt und worüber man nicht mit anderen redet. Deswegen heißt es aber nicht, dass wir es hier nicht ansprechen sollten.

Die Anonymität im Netz ist der Platz, wo Sünde hervorragend wachsen kann. Das tippen mit dem Daumen offenbart unsere versteckten Wüsche und Träume.

Aber Achtung: Für jeden Klick müssen wir uns einmal vor Gott verantworten! Das klingt schon etwas unangenehm. Adam und Eva mussten zu der einen Frucht hingehen, um zu sündigen. Heute trägt jeder wegen seinem Handy ein Portal tausender „Früchte“ mit sich herum und macht es nahezu unmöglich, Nein zu der Sünde zu sagen. Es ist so leicht, auf den falschen Seiten zu gelangen und schmutzige Bilder anzuschauen. Wir sollten darauf achten, dass wir unsere Daumen nicht dafür einsetzen, um ein Post über Jesus zu verfassen und im nächsten Augenblick missbrauchen wir die gleichen Daumen, um auf eine nackte Frau zu tippen.

Hier mein Tipp: Du siehst ein schmutziges Bild? Dann schließe das Fenster. Auch ein Video mit sexuellen oder anderen schmutzigen Sachen kannst du beenden. Drücke es lieber weg! Mir ist z.B. aufgefallen, dass bei mir die News App oft Bilder von nackten Frauen abbildet. Also habe ich diese App gelöscht. Ich bin schließlich nicht auf diese Neuigkeiten angewiesen.

6. Habe ich Angst, etwas zu verpassen?

Gedankenspiel: Wo hast du zuletzt etwas für dein Leben Wichtiges gelernt? Wann hast du dich zuletzt über etwas oder mit jemanden freuen können? Wie hast du dich zuletzt wirklich entspannen können? Wodurch hast du zuletzt etwas über Gott lernen können?

Hast du irgendeine Frage so beantwortet: Als ich mich mit meinem Handy beschäftigt habe oder als ich durch meinen Newsfeed scrollte oder als ich ein YouTube Video über einen Let’s Play gesehen habe. Nein? Ich habe auch keine der Fragen mit so einer Antwort beantworten können. Und trotzdem verbringe ich so viel Zeit mit meinem Handy, um auf dem neusten Stand zu sein. Die Angst, etwas zu verpassen, kennen viele. Dabei verpassen wir in Wirklichkeit nie etwas Wichtiges oder Relevantes für unser Leben, wenn wir mal nicht auf einer unserer sozialen Plattformen aktiv sind.

Das letzte, was ich verpasst habe, war eine Jugendstunde. Und die wäre mit großer Wahrscheinlichkeit von größerer Bedeutung für mich als der zuletzt verpasste Tratsch und Klatsch Hollywoods. Die ganzen Medien und Sternchen, die auf meinem Handy für mich so wichtig erscheinen, sind eigentlich total unwichtig. Sie sind es wert, verpasst zu werden! Also: Lasst uns mehr unwichtiges Zeug verpassen und mehr wichtiges und gutes erleben!

 

7. Vergeude ich meine Zeit mit meinem Handy?

Gestern habe ich 2 Stunden meines Lebens richtig fett auf Gold Status bringen können! Diese Zeit auf Instagram, beim Candy Crush spielen und auf Facebook haben mein Leben eine Stufe weiter Richtung high quality life gepusht. Miiiiiiiiiep. Das könnte ich nie so unterschreiben. Denn ich muss mir eingestehen: Diese 2 Stunden waren eher verschwendet als gut investiert. Kommt dir das auch bekannt vor? Wenn ich so zurückblicke und die Stunden zählen müsste, die ich mit meinem Handy schon verschwendet habe… das tut schon ein bisschen weh.

Dabei ist unsere Zeit doch so wertvoll! Viel zu wertvoll, um sie in ein elektronisches Gerät zu stecken und unsere Zeit mit ihr totzuschlagen. Was also tun? Lasst uns aufhören, Zeit zu verlieren! Statt unsere Zeit in der virtuellen Welt zu stecken, sollten wir sie in die reale Welt investieren. In der virtuellen Welt hat Zeit keinen Wert. Dort kann man zurückspulen, pausieren und überspringen. Während es virtuell unendlich erscheint vergeht in der realen Welt die Zeit Sekunde um Sekunde. Hier mein Vorschlag, für deine nächste high quality time ohne Handy:

Regnet es? Schnapp dir ein Regenschirm und mach ein Regenspaziergang!

Du kannst ein Instrument spielen oder singen? Schreib deine eigene Melodie/ dein eigenes Lied und übe es!

Du hast Bekannte schon zu lange nicht mehr gesehen? Schreibe ihnen einen Brief mit Stift und Papier! Die werden sich freuen 😊

Du kennst Missionare? Richte dir eine Gebetsecke ein und nimm dir Zeit, um für sie zu beten. Du wirst ein Segen sein!

Ich verspreche dir: Diese einfachen Dinge werden deine Zeit definitiv wert sein. Du wirst dich bestimmt an den Duft von Regen erinnern oder eine Dankes-Nachricht von deinen Bekannten erhalten.

 

Die Überschrift zu diesem Artikel lautet „Die Smartphone Herrschaft“. Mit den 7 Fragen konntest du für dich selber feststellen, wie es bei dir aussieht. Musstest du dir eingestehen, dass du dich von deinem Handy viel zu oft beherrschen lässt? Dann lass es nicht weiter zu! Werde wieder der Herrscher über dein Handy. Das klingt doch auch viel besser als andersherum. Ich musste mir selber eingestehen, dass ich mich zunehmend von dem smarten Teil beeinflussen lassen habe. Aber ich möchte mich nicht von dem technisches Hilfsgerät verändern lassen, sondern von Gott. Bist du dabei?

 

Buch Tipp: Ein Buch, das lesenswert ist, wenn‘s um dein Handy geht: Wie dein Smartphone dich verändert. Denn diese Fragen und mehr hat sich auch Tony Reinke gestellt und dieses Buch darüber geschrieben.