Zweifel – Gefährten auf dem Weg mit Gott

ChrisBaker/Stock.XCHNG

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Manchmal kommen sie ganz plötzlich, wie ein unangenehmer Infekt, den ich nicht erwartete. Manchmal bilden sie sich über Wochen heraus, nach und nach. Ich rede von Zweifeln. Nicht von irgendwelchen Zweifeln; ob morgen die Sonne scheint oder ob ich genug gelernt habe für die anstehende Prüfung. Nein, ich rede von Zweifeln an meinem Glauben an Gott den Vater, den Sohn Christus Jesus und den Heiligen Geist.

Aufgewachsen in einer christlichen Familie kannte ich schon von klein auf die Geschichten der Bibel. Jesus war mir vertraut. Ich würde sogar sagen, dass es keine andere Realität für mich gab. Schon als Kind entschied ich mich für Jesus Christus. Doch mit zunehmendem Alter und neuen Freundschaften bemerkte ich, dass es auch noch andere Meinungen gibt; Meinungen, die den meinen zum Teil konträr gegenüberstanden. Plötzlich musste ich Position beziehen. Ich war nicht mehr in meiner wohlbehüteten christlichen Blase, in der ich nur Ermutigung, Zuspruch und Bestätigung erfuhr.

Wer kommt in den Himmel?

Einige Gespräche mit einer Schulfreundin sind mir noch gut in Erinnerung. Sie war Zeugin Jehovas und wir hatten einige Punkte, über die wir unterschiedlich dachten. Sie war von ihrem Glauben sehr überzeugt und konnte ihre Ansichten auch mit zahlreichen Bibelstellen untermauern. Alleine konnte ich dem manchmal nichts entgegensetzen. Ich begann zu zweifeln,
ob die Art und Weise, wie wir Christen die Bibel auslegen, tatsächlich wahr ist. Gibt es das ewige Leben in Gottes Gegenwart denn nun für alle, die Jesus als ihren Retter angenommen haben? Oder doch nur für Ausgewählte 144 000? Ich beschäftigte mich auf eine ganz neue Weise mit Gottes Wort und ging mit meinen Fragen zu Menschen, die schon länger an Jesus glaubten. Das half mir Antworten zu finden – wenn auch nicht auf alle. Aber schlussendlich war ich mir gewiss, dass Jesus tatsächlich der einzige Weg zum Vater ist (Johannes 14,6) und dass ich die Ewigkeit bei ihm verbringen werde.

„Bist du sicher?“

JuliaFreeman-Woolpert/stock.xchng

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Damit war das Thema Zweifel aber noch nicht gegessen – und ich glaube, dass es das bei mir in diesem Leben auch nie endgültig sein wird. Zweifel sind Wegbegleiter auf dem Weg mit Gott. Immer wieder kommen sie und flüstern: „Bist du dir sicher, dass …?“

Ein Jünger Jesu, Thomas, kannte diese Frage nur zu gut. Er war ein Mann, der Jesus treu nachfolgte, der sogar bereit war, für ihn zu sterben (Johannes 11,16). Trotzdem hinterfragte er vieles kritisch – da erkenne ich mich in ihm wieder. Einmal sprach Jesus davon, dass sich seine Jünger keine Sorgen machen sollen, denn er bereite für sie bei seinem Vater eine Wohnung vor. Und eines Tages würde er wieder kommen, um sie zu sich holen. Und dann sagte Jesus etwas, das Thomas überhaupt nicht verstand: „Ihr wisst ja, wohin ich gehe und wie ihr dorthin kommen könnt.“ (Johannes 14,4). Nein, eben genau das wusste Thomas nicht! Er zweifelte an der Wahrheit dieses Satzes: „Nein, Herr, das wissen wir nicht. Wir haben keine Ahnung, wo du hingehst; wie können wir da den Weg kennen?“ (Johannes 14,5). Er kam mit seinen Zweifeln und seinen Fragen direkt zu Jesus und bekam prompt eine Antwort: Jesus selbst ist dieser Weg! Ich glaube, auch da wusste Thomas noch nicht genau, was das bedeutete. Es erwarteten ihn noch mehr Zweifel, vor allem, als Jesus am Kreuz auf Golgatha zwischen zwei Verbrechern hing. War jetzt alles aus und vorbei?

Doch damit nicht genug – einige Tage später erzählten ihm die  anderen Jünger, Jesus wäre auferstanden! Thomas konnte das einfach nicht glauben – bis Jesus ihm begegnete. Das tut er auch noch heute! Nicht unbedingt so real, wie Thomas ihn erlebt hat, aber doch auf eine Art und Weise, wo wir danach sicher sein können, dass er tatsächlich lebt, uns kennt und liebt.

Gott hält meine Fragen aus.

Auf meinem bisherigen Weg mit Jesus habe ich erfahren, dass das Wort Gottes meine Fragen, seien sie noch so kritisch, aushält. Jesus verlangt nicht von mir, dass ich aufhöre zu fragen und zu forschen, dass ich meinen  Verstand ausschalte, sobald ich eine Bibel in die Hand nehme. Nicht umsonst beantwortete er die Frage der Pharisäer nach dem größten Gebot so: „Das wichtigste Gebot ist dies: `Höre, o Israel! Der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft lieben.‘“ (Markus 12,30). Jesus antwortete hier zwar erwartungsgemäß mit dem Glaubensbekenntnis aus  5. Mose 6,5, aber er fügte „mit all deinen Gedanken“ (mit deinem ganzen Verstand) hinzu – bestimmt nicht grundlos. Das ermutigt mich, wenn ich etwas nicht sofort glauben kann, auf Gott zu vertrauen und gleichzeitig meinen von Gott geschenkten Verstand zu gebrauchen, um Antworten zu suchen. Zweifel sind nicht schön, sie können einen aus der Bahn werfen und manchmal muss man richtig kämpfen. Aber gerade in Zeiten des Zweifelns kann man Gott auf eine besondere Weise erfahren.

Salome Mayer

ist glücklich sich auf den
Himmel freuen zu
können.

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