Zeugen Jehovas – was steckt dahinter?

„Guten Tag. Wir würden gerne mit Ihnen über Gott reden.“

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Dan-Patterson / flickr.de

Es gibt wohl kaum jemanden, der sie nicht kennt: Die stets paarweise auftretenden freundlichen Menschen, die von Haus zu Haus gehen, um mit den Bewohnern über ihren Glauben zu sprechen. Oder die auf der Straße Zeitschriften wie den „Wachtturm“ oder „Erwachet“ anbieten.

Sie nennen sich selbst „Zeugen Jehovas“.

Vielleicht hast du sie auch schon mal hereingebeten und dich auf ein Gespräch eingelassen. Und gemerkt, dass diese Menschen für jedes Thema oder Argument eine Bibelstelle zu kennen scheinen.

Kann das alles also wirklich so falsch sein? Glauben wir letztendlich nicht doch alle an denselben Gott?

Um das beantworten zu können, muss man die Hintergründe kennen, die zur Entstehung dieser Religionsgemeinschaft geführt haben.

Woher kommt eigentlich der Name?

fchmksfkcb / flickr.de

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Der Gründer, Charles Taze Russell (geb. 1852) nannte die Organisation ursprünglich „Urchristen“ oder „Anhänger der Morgenröte des Tausendjährigen Reichs“ (engl. „Millennial Dawnists“). Der Name „Zeugen Jehovas“ kam erst später unter der Leitung von Joseph Franklin Rutherford auf.

Er berief sich auf die Bibelstelle: „Ihr seid meine Zeugen, ist der Ausspruch Jehovas.“ (Jesaja 43,12)

Der Name „Jehova“ leitet sich von der hebräischen Abkürzung des Gottesnamens JHWH ab, dem in späteren Übersetzungen die Vokale e-o-a eingefügt wurden, hergeleitet aus dem hebräischen Wort „Adonaj“, das „Herr“ bedeutet. Gläubige Juden vermeiden – unter Rücksichtnahme des 5. Gebots – den heiligen Namen Gottes auszusprechen, um ihn nicht zu missbrauchen. Daher wurden einfach die Vokale weggelassen und nur die verkürzte Form „JHWH“ aufgeschrieben. (Gelesen wurde stattdessen „Adonaj“.) Das Wissen um die ursprünglich richtige Aussprache des Namens Gottes ging nach und nach verloren.

Die Wachtturm-Gesellschaft (WTG) wurde 1881 in Pennsylvania gegründet, ist mittlerweile weltweit vertreten und die Rechtskörperschaft* der Zeugen Jehovas. Sie produzieren und vertreiben alle Zeitschriften, Traktate und andere Literatur der Zeugen Jehovas.
(*rechtliche Mitgliedervereinigung)

Was lehren die Zeugen Jehovas über sich und Gott?

Laut unserer Bibel offenbarte Gott sich den Menschen mit verschiedenen Namen. Jeder Name sagt etwas Bestimmtes über Gott aus bzw. soll uns eine Eigenschaft Gottes verdeutlichen, wie z.B. „Jahwe“ /„Adonaj“ (Herr), oder „El Schaddai“ (Gott, der Allmächtige).

Die Zeugen Jehovas lehren, dass „Jehova“ der einzig richtige Gottesname sei und nur diejenigen, die Gott mit diesem Namen ansprechen, zu seinem Volk gehören.

In der Bibel steht aber:

„Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“ (Apostelgeschichte 4,12)

Hier ist Jesus gemeint.

Es stimmt also weder, dass Gott nur „Jehova“ genannt werden möchte, noch, dass man nur durch die Anrufung dieses Namens gerettet wird.

wikimedia commons

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Die Wachtturm-Gesellschaft hat eine eigene Bibel herausgegeben, die „Neue-Welt-Übersetzung“ (NWÜ), in der für Gottes Eigennamen an allen Stellen „Jehova“ eingesetzt wurde.
Diese NWÜ wurde noch an vielen weiteren Stellen durch feine Abweichungen in der Übersetzung an die Lehre der Zeugen Jehovas angepasst.

Vater, Sohn und Heiliger Geist

Jesus Christus ist für sie nur eines der höchsten von Gott erschaffenen, himmlischen Wesen. Sie streiten ab, dass er Gottes Sohn und somit Gott in allem gleich ist.

Auch das belegen sie mit Versen aus ihrer eigenen Bibelübersetzung. In Johannes 1,1 steht in der NWÜ: „Am Anfang war das Wort (…) und das Wort war ein Gott“. Das macht Jesus nur zu „einem von vielen“ und stellt ihn auf eine Stufe mit den Engeln und anderen himmlischen Wesen.

Bibelstellen wie Hebräer 1,5 oder 1. Johannes 5,20 widerlegen diese These aber eindeutig.

Und schließlich lehren die Zeugen Jehovas, dass der Heilige Geist keine Person, sondern nur eine „wirksame Kraft Gottes“ sei. In der Bibel werden dem Geist Gottes aber eindeutig Eigenschaften zugeschrieben, die nur zu einer Person gehören können. Er hat Gefühle (Epheser 4,30), einen Willen (Apostelgeschichte 13,2) und er spricht zu uns (Hebräer 3,7).

Durch ihre Abwertung von Jesus und dem Heiligen Geist lehnen Zeugen Jehovas auch die Dreieinigkeit Gottes ab. Der Begriff „Dreieinigkeit“ kommt zwar in der Bibel nicht vor, Jesus selbst spricht aber von sich, dem Vater und dem Heiligen Geist im selben Atemzug, diese drei gehören also eindeutig zusammen (Matthäus 28,19).

Über unsere Seele, die Hölle und die 144.000 Auserwählten

Vielleicht hast du schon einmal davon gehört, dass bei Zeugen Jehovas keine Bluttransfusionen erlaubt sind. Das kommt daher, dass sie glauben, die Seele eines Menschen sei in seinem Blut. Wenn also der Körper stirbt, dann stirbt auch die Seele mit ihm und lebt nicht in Ewigkeit weiter.
Die Bibel sagt darüber folgendes:

„Da bildete Gott der Herr den Menschen, Staub von der Erde, und blies den Odem des Lebens in seine Nase, und so wurde der Mensch eine lebendige Seele.“ (1.Mose 2,7)

Kein Wort von Blut. Und in Matthäus 10,28 steht, dass die Seele nicht getötet werden kann, folglich also ewig ist. Sie verlässt nur unseren Körper (1. Könige 17,21-22).

dimitri-c/flickr.de

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In der Lehre der Zeugen Jehovas gibt es keine Hölle. Sie sagen, in der großen Schlacht der Endzeit (Harmagedon, der Gerichtstag Gottes) werde „Jehova“ die gesamte Menschheit vernichten und nur seine Zeugen das Gericht überleben. Diese leben danach auf einer gereinigten, paradiesischen Erde weiter und nur die 144.000 „Auserwählten“ kommen in den Himmel.

Diese Auserwählten sind es auch, die allein würdig sind, das Abendmahl einzunehmen. Alle anderen Zeugen lassen Brot und Wein unangetastet vorübergehen und begnügen sich damit, Beobachter der Abendmahlsfeiern zu sein.

In der Offenbarung der Bibel ist zwar auch die Rede von 144.000 Auserwählten, allerdings bestehen diese eindeutig aus den 12 Stämmen Israels. Und nirgends wird gesagt, dass allein diese „wenigen“ zu Gott kommen werden und alle anderen auf der Erde weiterleben. Schon gar nicht, dass wir Christen (bzw. die Zeugen Jehovas) das neue „Volk Israels“ seien, das das alte Volk restlos ersetzt.

Sind Zeugen Jehovas nicht auch Christen?

Lyns Pics / flickr.de

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Manche Menschen, die auf der Suche nach Gott sind, denken vielleicht, es kann doch nichts Verkehrtes dran sein, mit Zeugen Jehovas in der Bibel zu lesen – schließlich ist das doch Gottes Wort, oder?
Sie lassen sich also auf ein „gemeinsames Bibelstudium“ ein, sind beeindruckt von den einleuchtenden Erklärungen der Zeugen und entscheiden sich schließlich, auch Mitglieder zu werden und sich taufen zu lassen.

Zuerst scheint nun alles positiv: Sie werden freundlich in die „Familie“ aufgenommen und umsorgt. Aber es wird auch erwartet, dass sie eine Menge Freizeit in das Studium von Büchern und Schriften der Wachtturm-Gesellschaft und in die Ausbildung zum „Haus-zu-Haus-Dienst“ investieren.

Wenn sich nach einiger Zeit als Mitglied dann vielleicht doch Zweifel einschleichen und kritische Fragen gestellt werden, wird geantwortet, dass es nicht erwünscht ist, die Obrigkeit zu hinterfragen. Schließlich ist diese doch der „Treue und verständige Sklave“ (siehe Matthäus 24,45), der im Auftrag Jehovas handelt.

Viele Mitglieder, die irgendwann die Wahrheit über all die Irrlehren der Zeugen Jehovas erkannt haben und daraufhin ausgetreten sind, haben berichtet, dass ihren Freunden und Familienmitgliedern, die weiterhin der Gemeinschaft angehörten, der Kontakt zu ihnen verboten wurde. Sie wurden als „vom Glauben abgefallen“ betrachtet und gemieden.

In der Bibel steht nirgends, dass wir nichts mit „Ungläubigen“ zu tun haben oder unsere eigene Familie wie Fremde behandeln sollen, nur weil sie unsere Ansichten nicht teilen.

Und die Psalmen zeugen davon, dass Gott kein Problem damit hat, wenn wir sein Handeln auch mal kritisch hinterfragen oder an ihm zweifeln.

Wir können uns außerdem den Weg in den Himmel/ins Paradies nicht verdienen, indem wir – von Menschen geschriebene – Bücher und Zeitschriften studieren, möglichst viele Leute bekehren und Gutes tun. Wenn es nur um uns ginge, und darum, wie wir ein perfektes Leben führen können, um schließlich im Jenseits dafür belohnt zu werden, wäre Jesus umsonst gestorben. Und um ihn geht es letztendlich.

Christen nennen sich so, weil sie glauben, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist und weil sie ihm nachfolgen.
Jesus als engelsgleiches Himmelsgeschöpf, Propheten oder einfachen Menschen abzutun, wertet Gottes Geschenk an uns ab und verfälscht die Botschaft der Bibel.

So gesehen sind Jehovas Zeugen also eindeutig keine Christen.

Wie gehe ich am besten mit Zeugen Jehovas um?

Wenn du Besuch von Zeugen Jehovas bekommst, das aber eigentlich nicht möchtest, weil du gar kein Interesse hast, ist es wichtig, das klar und deutlich zu sagen. Am besten lässt du sie das auch schriftlich notieren, denn diese Leute müssen genaue Protokolle über ihre Besuche und Gespräche führen. Wenn also kein weiterer Besuch erwünscht ist, halten sich die Zeugen in aller Regel auch daran. Wenn du aber nur vorgibst, gerade keine Zeit zu haben oder Schriften von ihnen annimmst, signalisiert das Interesse und sie werden höchstwahrscheinlich ein anderes Mal wiederkommen.

Falls du dich bewusst auf ein Gespräch einlässt, weil du den Zeugen Jehovas ihre Irrtümer aufzeigen und sie zum wahren christlichen Glauben bekehren möchtest, lass dir gesagt sein: In den meisten Fällen ist das leider unmöglich. Die Zeugen werden eigens für den „Haus-zu-Haus-Dienst“ geschult und sind trainiert darin, ihre Gesprächspartner anhand von Bibelstellen und vorgefertigten Argumenten so lange zu bearbeiten, bis diese nichts mehr entgegenzusetzen haben. Nur wer die Bibel wirklich in- und auswendig kennt und über ein fundiertes theologisches Wissen verfügt, hat eine Chance, dagegen anzukommen. Außerdem weichen die Zeugen direkten Fragen oder Anschuldigungen geschickt aus, in den meisten Fällen wirst du also keine klare Antwort bekommen.

Wenn du trotzdem auf ein Gespräch mit ihnen bestehst, suche dir am besten (mindestens) eine zweite Person, die über gute Bibelkenntnis verfügt, damit du ihnen nicht alleine gegenübertreten musst. So hast du bessere Chancen in der Diskussion – die Zeugen Jehovas sind auch nicht grundlos zu zweit unterwegs.

Am besten ist, wenn du dich vorher gründlich informierst (siehe z.B. Quellen unten) und dir auch Bibelstellen durchliest, die sich in unserer Bibel und der Übersetzung der Zeugen Jehovas klar unterscheiden. (Im Buch „Ist die Lehre der Zeugen Jehovas biblisch?“ werden einige gute Beispiele angeführt) Vor allem, wenn sie in Widerspruch zum Wachtturm oder anderen Schriften/Büchern stehen, hast du gute Ansatzpunkte für kritische Fragen gefunden.

Was du in jedem Fall möglichst vermeiden solltest, ist, dich auf ein „gemeinsames Bibelstudium“ mit den Zeugen Jehovas einzulassen. Durch den Einsatz bewusstseinsverändernder Literatur werden die Leser nämlich dazu gebracht, irgendwann den theologischen Aussagen der Wachtturm-Gesellschaft Glauben zu schenken, obwohl meistens die angeführten Bibeltexte gar nicht passen.
Das Ziel des Ganzen ist einzig und allein, neue Mitglieder zu gewinnen.

Quellen:

„Wenn die Zeugen Jehovas an der Haustür klingeln“ – Astrid Jahn, Wolfgang Kühne (Hrsg.), Christliche Verlagsges.; 1. Auflage (2009)

„Ist die Lehre der Zeugen Jehovas biblisch?“ – Alexander Briske, Christl. Schriften- u. Liederverlag Samenkorn; 1. Auflage 2009

http://www.relinfo.ch/zj/index.html