Urknall kontra durchgeknallt?

Mein bisher längstes Glaubensgespräch führte ich im April 1989 in Buchholz/Nordheide bei einem Zivildienst- Einführungslehrgang. Es dauerte neun Stunden. Mein Zimmerkollege Jörn und ich sprachen über Gott, das Leben und den Tod, über Wunder und über Schöpfung und Evolution.  

Am Ende des Gesprächs, kurz vor dem Einschlafen fragte Jörn schließlich: „Markus?“ „Hm?“ „Kann man an Jesus glauben, wenn man an der Schöpfung in sechs Tagen zweifelt?“ „Ja!“ „Gute Nacht, Markus!“ „Gute Nacht, Jörn!“ Ich hatte Jörns Frage positiv beantwortet, weil wir ja nicht durch den Glauben an die Schöpfung vor Gott gerecht gemacht werden, sondern aus Glauben an Jesus Christus. Das sollten wir uns bewusst machen, bevor wir uns in endlose Diskussionen über das Wann und Wie der Entstehung des Lebens verheddern! Von dem Moment seiner Bekehrung an allerdings wohnt der Heilige Geist in einem Menschen und wird ihn nach und nach „in die ganze Wahrheit leiten“; dazu gehört auch das Zutrauen, dass Gott die Welt erschaffen hat – so, wie es das Buch Genesis berichtet.

Was in der Schule gelehrt und in den Medien vermittelt wird, unterscheidet sich natürlich deutlich von dem, was auf den ersten Seiten der Bibel steht. Ist Evolution kontra Schöpfung gleichbedeutend mit moderner Wissenschaft gegen modrige Weltanschauung?

Carsten-Przygoda/pixelio.de

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Schöpfungsglaube

Wissenschaftler, die von Gott als dem Urheber aller Dinge ausgehen, kehren damit keineswegs zu antiken Weltbildern zurück. Schöpfungslehre orientiert sich an überprüfbaren Fakten, und das in den Bereichen Chemie, Geologie, Physik, Biologie, Informatik, Paläontologie usw. Gläubige Naturforscher dieser Arbeitsfelder liefern seit Mitte des 20. Jahrhunderts berechtigte Argumente für die Sechs-Tage-Schöpfung. Jeder Christ sollte sich einmal mit ihren Erkenntnissen auseinandergesetzt haben. Hast du von dem so genannten Grundtypen Modell gehört? Oder kennst du den Unterschied zwischen Mikro- und Makroevolution? Arten sind veränderlich und entwickeln sich – ohne Frage –, aber nachgewiesenermaßen nur innerhalb einer Art!

Darwins Glaube

Auf Charles Darwin gehen die Begriffe „Variabilität“, „Isolation“, „Selektion“ und „Mutation“ zurück. Schlussfolgerungen aus dem, was er auf verschiedenen Kontinenten beobachtet hat, veröffentlichte Darwin 1859 unter dem Titel „On the Orgin of species“ (deutsch: Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl). Darwin ging nicht von Gott als einem Weltenlenker aus. Er war kein Atheist, sondern Deist. Bemerkenswert, was er am 2. April 1873 in einem Brief an einen holländischen Studenten schrieb: „Die Unmöglichkeit, sich vorzustellen, dieses großartige und wunderbare Universum samt uns bewussten Wesen sei durch Zufall entstanden, scheint mir das Hauptargument für die Existenz Gottes zu sein.“ Gegen einen persönlichen Gott sprach für ihn das Leid in der Welt. Er selbst war zeitlebens krank, was diese Sicht verstärkte.

Thomas Nagels Einsicht

An der New York University School of Law lehrt ein namhafter Philosoph: Thomas Nagel. Sein aktuelles Buch Mind and Cosmos sorgt in den Staaten gerade für hitzige Diskussionen. Nagel äußert sich darin kritisch zum Darwinismus, interessanterweise ohne selbst an Gott zu glauben. Dieser hochintelligente Mann hat festgestellt, dass das, was den menschlichen Geist auszeichnet – Bewusstsein, Denken und Werte –, sich nicht durch physikalische Gesetze erklären lässt. Daher bleibt eine Theorie, die all dies nicht begreiflich machen kann, zwangsläufig unvollständig, ja, sie ist – so Nagel – mit ziemlicher Sicherheit falsch.

Nagel kommt zu dem Schluss: „Wir leben in einem Klima, in dem der naturwissenschaftliche Naturalismus dominiert. Er ist massiv abhängig von spekulativen darwinistischen Erklärungen von praktisch allem, und er ist bis an die Zähne bewaffnet gegen Angriffe seitens der Religion … Wir verstehen sehr wenig von der Welt. Es wäre ein Fortschritt, würde sich das säkulare Establishment und die gegenwärtige aufgeklärte Kultur, die von ihm dominiert wird, vom Materialismus und vom Lückenbüßer-Darwinismus entwöhnen.“ Eine Alternative zur Evolutionstheorie hat Nagel nicht anzubieten, doch das Bild einer schlüssigen, rein materialistischen Welt wird in seiner Abhandlung ziemlich getrübt.

Russische-M.I.R./pixelio.de

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Das eigentliche Problem

Nicht die Wissenschaft disqualifiziert Gott, sondern ein Weltbild. Nicht die Vorgänge in unserem Gehirn schalten Gott aus. Das „Organ“, das Gott ablehnt, ist vielmehr das menschliche Herz. In Römer 1,20–21 heißt es: seit der Erschaffung der Welt sind seine Werke ein sichtbarer Hinweis auf ihn, den unsichtbaren Gott, auf seine ewige Macht und sein göttliches Wesen. Die Menschen haben also keine Entschuldigung, denn trotz allem, was sie über Gott wussten, erwiesen sie ihm nicht die Ehre, die ihm zukommt und blieben ihm den Dank schuldig. Sie verloren sich in sinnlosen Gedankengängen, und in ihren Herzen, denen jede Einsicht fehlte, wurde es finster. Gegen Finsternis hilft Licht. Bereits am ersten Tag, als es noch keine Sonne gab, sprach Gott: „Es werde Licht!“ Gott selbst ist dieses Licht. Nachdem sich die Menschen von Gott abgewandt hatten, kam Jesus Christus in unsere dunkle Welt, in der die Gottlosigkeit überhandnimmt, und sagte: „Ich bin das Licht!“

Unsere Hoffnung besteht darin, dass Gott heute noch in seiner Schöpfermacht in viele Herzen, denen jede Einsicht fehlt, hineinruft: „Es werde Licht!“ Der Glaube an Jesus erleuchtet und lässt Menschen klarer sehen. „Markus!“ „Hm?“ „Kann man an Jesus glauben, wenn man an der Sechs- Tage-Schöpfung zweifelt?“ „Ja! Gute Nacht!“

 

Markus Wäsch
redet oft mit Menschen, die nicht an einen persönlichen Gott glauben, wenn er zu evangelistischen Einsätzen mit dem Life-is-more-bus unterwegs ist.

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