„Ständig zwischen allen Stühlen sitzen und trotzdem Brücken bauen…“

Kaum ein Tag vergeht, an dem die Medien nicht über Israel, Palästina, den Nahostkonflikt berichten. Bei immer wiederkehrenden Themen wie erneutes Scheitern von Friedensverhandlungen, Vergeltungsmaßnahmen, Anschlägen, stellt sich wohl manch einem die Frage: „Wer hat in diesem Konflikt den Durchblick?“
Viele haben sich wohl unterdessen ihre Meinung gebildet oder hören weg und halten den jahrzehntelangen Streit um die Frage „Wem gehört das Land?“ für unlösbar. Während meinen Aufenthalten in Israel wird mir in diesem Zusammenhang immer wieder neu bewusst, wie unglaublich wichtig und wertvoll Menschen sind, die in diesen Fragen, Konflikten, Streitigkeiten, Brücken bauen. Brücken zu bauen ist eine schwierige Sache. Es gilt, beide Seiten im Blick zu haben. Es gilt, kompromisslos das Beste zu wollen.

Ich bin unendlich dankbar, einige dieser Team-1Brückenbauer zu kennen und möchte euch ein Interview mit auf den Weg geben, das ich mit Marlene und Johnny Shahwan (Leiter des Christlichen Schulungs- und Freizeitzentrums Beit Al Liqa, im Zentrum von Beit Jala, einer Nachbarstadt Bethlehems) per eMail führte.

Wenn ihr mehr über ihre tolle, Hoffnung stiftende Arbeit in der Region Bethlehem wissen möchtet, so schaut rein auf ihrer Homepage: www.beitliqa.org

Lasst euch durch dieses Interview mit auf den Weg von zwei unermüdlichen Brückenbauern nehmen:

„Wieso Brücken bauen…?“

Weil Menschen sich oft ungeprüft auf eine Seite schlagen, ohne vorher das Gesamtbild einer Situation gesehen zu haben. Uns begegnen solche Leute immer wieder. Wir bauen Brücken zu diesen Menschen, indem wir ihnen zuhören, sie dort abholen, wo sie gerade stehen und ihnen dann aber auch von unserer Situation hier in den palästinensischen Gebieten erzählen, ohne sie dabei vor den Kopf zu stoßen.

„Brückenbauer zu sein bedeutet für mich…“

Ständig zwischen allen Stühlen zu sitzen und versuchen zu vermitteln. Das heißt, ich baue eine Brücke zwischen Menschen, die nur die israelische Seite kennen und erzähle ihnen von dem Leben der Palästinenser oder ich bringe Palästinenser dazu, auch Israelis kennenzulernen und ihre Sicht und ihr Leben zu verstehen.

„Wie schaffen wir es, zueinander zu finden…?“

Für uns Palästinenser ist es nicht leicht, Kontakt zu Israelis zu haben, denn wir sind hier in der Provinz Bethlehem durch Mauern und Zäune von Israel getrennt und der größte Teil unserer Bevölkerung hat keine Erlaubnis für die israelischen Gebiete. Als Christen können wir nur um die Weihnachts- und Osterzeit nach Israel einreisen. Oft nutzen wir als Zentrum diese Gelegenheiten, um z.B. mit unserer Jugendgruppe eine befreundete messianische Gemeinde zu besuchen. Für unsere Jugendlichen ist das eine ganz wertvolle Erfahrung, dass es auch Israelis gibt, die wie sie an Jesus Christus glauben. Sie erleben, dass Jesus die Brücke zwischen ihnen und diesen Israelis ist, dass sie eins-sein können im Messias.

„Gebetsanliegen auf diesem Weg…“

Dass die vielen Mauern, die in diesem Land die Menschen voneinander trennen, fallen, so wie einst die Mauer in Berlin durch Gebet gefallen ist.

„Was sollte man über den Nahostkonflikt wissen…?“

Dass niemand diesen Konflikt lösen kann, und dass wir nicht erwarten, dass es in den nächsten Jahren irgendwelche klügeren Leute gibt, die plötzlich mit einer Lösung kommen. Der Konflikt ist so vielschichtig und so kompliziert und die Fronten sind auf beiden Seiten so verhärtet. Weder die Israelis noch die Palästinenser sind in der Lage, den Konflikt zu lösen und Frieden zu stiften. Wahrer Friede kann nur durch Jesus Christus entstehen. Wenn Menschen versöhnt sind mit Gott, können sie sich auch mit anderen versöhnen.
Deshalb ist es uns so wichtig hier im Beit Al Liqa‘, dass wir Menschen erst zum Frieden erziehen, sie mit Jesus Christus bekannt machen und dann später versuchen, Brücken zu unseren messianischen Brüdern und Schwestern auf der anderen Seite der Mauer zu schlagen.

Zu helfen, kleine Schritte zu setzen bedeutet Friedensspuren zu hinterlassen. Alles kann dadurch nicht verändert werden, aber vieles kann dadurch geschehen. Marlene und Johnny leben es vor.

Fragen zum Thema gerne an: faes@gmx.at
Monika Faes, Schladming

Über Monika Faes

Monika Faes unterrichtet evangelische Religion und Französisch an einer Hauptschule, ist Ratsmitglied der Österreichischen Evangelischen Allianz und arbeitet in den Foren "Prisca - Frauen in Verantwortung" und "Initiative christlicher Pädagogen" mit.