Sind Christen intolerant?

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Das ist eine gute Frage, finde ich. Wir hören ja ständig von irgendwelchen Fanatikern, die im Namen des Glaubens sich selbst und alles Mögliche sonst noch in die Luft sprengen. Das brauchen wir wirklich nicht. Aber sind Christen wirklich intolerant?

Was bedeutet der Ausdruck eigentlich? Heute ist es ja so, dass schon jeder, der einen eigenen Standpunkt und eine klare Meinung vertritt, intolerant ist. Natürlich will man nicht so abgestempelt werden und somit hat man gleich lieber keine eigene Meinung, ist ja auch viel einfacher. Jeder soll denken und handeln können, wie er will. Klingt doch gut, ist es aber nicht, und leider funktioniert das auch nicht.

Tolerieren bedeutet etwas anderes. Die klassische Definition lautet: Duldsamkeit, etwas ertragen, gewähren lassen oder auch großzügige Geisteshaltung. Intoleranz bedeutet demnach: unduldsam sein und keine andere Meinung stehen lassen können.

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Einfacher gesagt heißt das: Wenn jemand eine andere Meinung hat als du, die deiner eigenen Ansicht komplett zuwiderläuft, lässt du seine Meinung stehen. Du duldest, oder erträgst sie. Es heißt aber nicht, dass du keinen eigenen Standpunkt haben kannst. Jeder hat einen, auch diejenigen, die andere als intolerant beschimpfen. Sie sind intolerant gegenüber jedem, der eine klare Meinung hat! So will man tolerant sein und ist dabei genau das Gegenteil, blöd gelaufen…

 

Nun, wenn du ehrlich bist wirst du merken, dass das Leben so gar nicht funktioniert.

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Ich gehe viel mit Menschen klettern. Du glaubst gar nicht, wie intolerant Leute werden können, wenn es um ihre eigene Sicherheit geht! Sie fragen mindestens drei Mal nach, ob die Knoten richtig geknüpft wurden, die Klettergurte auch ja richtig angezogen sind und auch wirklich alles richtig eingehängt wurde. Manchmal sage ich ihnen, dass ich nicht so intolerant sein will und dass sie ruhig ihren eigenen Weg finden könnten. Sie sollen es einfach so machen, wie sie wollen… Niemand ist davon wirklich begeistert – komisch aber auch, warum wohl?

Toleranz wird heute ganz komisch verwendet, hauptsächlich, wenn es um den Glauben geht. Das kann man schon nachvollziehen. Und um es gleich zu sagen, plädiere ich nicht dafür, mit Waffengewalt jedem klar zu machen, dass er doch an Jesus glauben muss. So funktioniert das nicht und Jesus stellte es jedem frei, ihm nachzufolgen. Trotzdem gibt es Wahrheiten, die man unbedingt beachten sollte, damit man nicht Gefahr läuft, sein Leben zu riskieren. Das gilt nicht nur für den Klettersport, das gilt für das ganze Leben und erst recht für das ewige Leben.

War Jesus intolerant? Nach heutigem Begriff sicher. Er sagte ganz ausschließlich: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kann zurück zum Vater (Gott) kommen, als nur durch mich!“ (Johannes 14, 6) und doch stellt er es gleichzeitig seinen Jüngern frei, ihm nachzufolgen oder ihre eigenen Weg zu gehen (Johannes 6, 66 – 69).

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Jesus ist absolut ausschließlich. Da gibt es kein Wenn und Aber. Vielleicht weil es die Wahrheit ist? Jesus ertrug aber meine Schuld und die der ganzen Menschheit soweit bis zum Tod am Kreuz. (Ertragen = tolerieren, hast du sicher noch nicht vergessen!) Aber Jesus will Liebe und keinen Kadavergehorsam, der mit Gewalt erzwungen wurde.

Was nun? Ich meine, dass es gut und richtig ist, eine klare Meinung zu haben und dass das nicht intolerant ist. Wir sollten andere Ansichten stehen lassen können, was aber sicher nicht heißt, dass die einfach dann auch richtig und wahr sind. Nein, es gibt richtig und falsch, wahr und unwahr. Das erfahren wir im Alltag überall, du brauchst da nur mal an Mathe zu denken. Wenn es um dein Leben geht, bis du in den meisten Fällen extrem intolerant. Mal ehrlich, wieso sollte es gerade da, wo es um die Ewigkeit geht, anders sein?

 

Über Armin Hartmann

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