Sehr geehrte Bibel!

Sehr geehrte Bibel! Nein, das ist nicht die passende Anrede; viel zu unpersönlich. Also versuche ich es mit: Hochverehrte Bibel! Klingt schon besser, aber immer noch zu distanziert. Und wie wäre es ganz schlicht mit Liebe Bibel!? Na, ja das kommt mir jetzt zwar persönlicher vor, aber irgendwie trifft es noch nicht, was ich … Ich hab’s! Geliebte Bibel! Ja, das ist es doch, was sie für mich ist. Aber ich erschrecke doch etwas, wenn ich sie so anrede. Ich merke, dass ich nicht mehr so geübt bin im Schreiben von Liebesbriefen. Kommt mir ein bisschen übertrieben vor, wenn ich mich selbst ganz ehrlich anschaue. Merkt die Bibel etwas von meiner Liebe außer den schönen Worten, die ich mache? Trotzdem – ich bleib dabei. Also:

Viktor-Schwabenland / pixelio.de

Viktor-Schwabenland / pixelio.de

Geliebte Bibel!
Schon lange wollte ich dir einmal zurückschreiben, um … ja, um einfach Danke zu sagen. Was habe ich dir nicht alles zu verdanken. Ich war noch ein Teenager, als du mir gezeigt hast, dass – um mit deinen eigenen Worten zu sprechen -”der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“. Und du warst es, die mir diese Worte überliefert und nahe gebracht hat. Wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich dir nicht begegnet wäre? Ich wüsste dann gar nicht, wie wertvoll mein Leben ist; ich hätte keine Ahnung, dass Gott mich liebt und mit mir etwas vorhat. Ich hätte Jesus nie kennengelernt! Und ich wüsste auch nicht, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Meine geliebte Bibel! Danke für all die guten Worte, danke für den Trost in trüben Stunden, danke für die Wegweisung bei schwierigen Entscheidungen, danke auch, dass du dir kein Blatt vor den Mund nimmst und ehrlich zu mir bist. Das tut manchmal weh, muss ich zugeben, aber ich weiß, dass du es gut mit mir meinst.

Ja, und was ich noch sagen wollte: Es tut mir von Herzen Leid, dass ich dir oft zu wenig Aufmerksamkeit schenke. Ich bin mit so vielen anderen ”wichtigen“ Dingen beschäftigt, muss so vieles anderes lesen – oder glaube zumindest, es lesen zu müssen; vielleicht muss ich ja gar nicht …? Wie auch immer, du kommst in meinem Alltag oft nur am Rande vor. Ich habe mich wohl zu sehr daran gewöhnt, dass du mir zur Seite stehst. Das soll wieder anders werden. Wann können wir uns treffen?

Für heute grüßt dich herzlich dein (nicht immer) treuer Leser Peter

 

Peter Rettinger, Pädagoge und Journalist, ist Mitarbeiter im „Institut für Lebensgestaltung“ von Agape Österreich.

peter@rettinger.cc
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