Psalm 23: Wie ein Hirte ihn verstehen würde

Um seine Beziehung zu uns Menschen auszudrücken und zu beschreiben, gebraucht Gott oft ganz verschiedene Bilder. Er spricht zum Beispiel von der Beziehung zwischen einem Vater und seinen Kindern oder auch von einem Hirten zu seinen Schafen. Ob nun in den Psalmen oder in den Evangelien – immer wieder finden wir letzteres Bild in der Bibel. Doch drückt das Bild der Beziehung zwischen Hirten und Schaf wirklich so eine Liebe aus, wie sie Gott zu uns hat? Wirkt das nicht ein wenig unpersönlich, gerade im Vergleich zu einer „Vater – Sohn Beziehung“? Im Folgenden wollen wir uns einmal Psalm 23 aus der Sicht eines Schafhirten betrachten und schauen, was es wirklich bedeutet, wenn Gott sich als unser Hirte bezeichnet.

 

[1] Ein Psalm Davids. Der Herr ist mein Hirte, darum leide ich keinen Mangel. [2] Er bringt mich auf Weideplätze mit saftigem Gras und führt mich zu Wasserstellen, an denen ich ausruhen kann. [3] Er stärkt und erfrischt meine Seele. Er führt mich auf rechten Wegen und verbürgt sich dafür mit seinem Namen. [4] Selbst wenn ich durch ein finsteres Tal gehen muss, wo Todesschatten mich umgeben, fürchte ich mich vor keinem Unglück, denn du, Herr, bist bei mir! Dein Stock und dein Hirtenstab geben mir Trost. [5] Du lädst mich ein und deckst mir den Tisch selbst vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, um mich zu ehren und füllst meinen Becher bis zum Überfließen. [6] Nur Güte und Gnade werden mich umgeben alle Tage meines Lebens, und ich werde wohnen im Haus des Herrn für alle Zeit.

 

Auf der Weide [1-2] – Gottes Versorgung genügt

Wenn wir diese Verse lesen, dann stellen wir uns große Wiesen mit saftig grünem Gras und wohlgenährten Schafen vor. Was wir aber dabei oft außer Acht lassen, ist die Mühe und harte Arbeit des Hirten, die dem vorausgeht. Einige der größten Schafzuchtgebiete der Welt befinden sich in Gebieten, die beinahe völlig ausgedörrt sind, da Schafe in einem trockenen Klima sehr viel weniger anfällig für Krankheiten sind. Sehr wahrscheinlich waren es auch solche Gebiete, auf den einst David, bzw. allgemein Hirten in Israel ihre Schafe weideten. In diesen Gebieten, die eher als dürres und braunes Ödland beschrieben werden können, ist aber erst einmal nicht wirklich etwas von einem saftigen Grün zu sehen. Um also prächtige Weiden anzulegen, muss man gewaltige Anstrengung unternehmen und viel Zeit opfern. Unter Schwerstarbeit Land urbar machen, Gestrüpp und Baumwurzeln beseitigen und das Land ausreichend bewässern. Wenn Gott uns nun als der Hirte auf saftigen und grünen Weideplätzen lagern lässt und versorgt, dann dürfen wir wissen, dass dem ein Akt größter Liebe und Fürsorge vorausgeht und wir uns nun wirklich nicht mehr um irgendetwas sorgen müssen. Er hat alles vorbereitet und seine Versorgung reicht völlig aus. Wir haben mehr als genug.

Im Tal [3-4] – Gott schenkt Ruhe und trägt durch

Sehr oft befinden sich die saftigen Sommerweiden auf Anhöhen und bergigem Land. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Schafe also erst einmal mit dem Hirten durch die Täler. Wie die Schafe nach oben Richtung saftiges Bergland wollen, so ist es auch unser Wunsch, Gott immer näher zu kommen und ihn besser kennen zu lernen. Am liebsten würden wir dieses Ziel mit dem Flugzeug oder per Luftbrücke erreichen, aber auf Berge gelangt man nur durch Täler. Doch der Hirte kennt den steilen und gefährlichen Weg durch die Täler. Behutsam und vorsichtig wird er sie Stück für Stück führen. Ein guter Hirte, der seine selbstmörderischen, unachtsamen und sturen Schafe kennt, wird ganz genau aufpassen. Wir dürfen uns zudem sicher sein, dass wir mit unserem Hirten durch diese Täler nur durchwandern werden. Wir bleiben nicht stehen, sterben oder verirren uns darin – wir gehen durch. Sehr oft wird der Vers bei Beerdigungen zitiert, doch selbst da bleiben wir nicht stehen. Wenn wir an Jesus glauben, ist es der Anfang vom ewigen Leben. Es ist das Tor zu einem neuen Leben mit Christus. Jesus weiß das, deswegen hat er gesagt, ich bin immer bei euch. IMMER. Wie schön zu wissen, dass wir selbst in unruhigen Zeiten ruhig bleiben dürfen, weil wir wissen, dass Gott mit uns ist und aus „Tälern und Schluchten des Lebens“ herausführen wird.

Im Pferch [5] – Gott schenkt Sicherheit

Wie bereits erwähnt, finden sich die besten Weidenlandschaften in Hochebenen oder Bergen wieder. Diese Gebiete werden oft „mesa“ genannt, was übersetzt „Tisch“ bedeutet. Wenn der Psalmist also von einem reich gedeckten Tisch spricht, dürfen wir uns eine prächtige grüne Weide auf einer Hochebene vorstellen. Doch wieder sehen wir dabei nicht, welche Arbeit das für den Hirten im Voraus bedeutet. Bevor er mit den Schafen Richtung Berge zieht, muss der Hirte erst einmal die ganze Gegend erkunden. Dabei gibt es viele Punkte zu beachten, wie z.B. Angriffe durch wilde Tiere oder giftige Pflanzen. Gerade hierfür muss der Hirte wieder Schwerstarbeit leisten, um alles an schädlichen Pflanzen zu entdecken und mit der Wurzel auszurupfen. Erst wenn jegliche Gefahr gebannt ist, lässt er die Schafe auf der vorbereiteten Weide grasen. Wenn es dann dunkel wird und der Tag sich langsam dem Ende zuneigt, sammelt der Hirte die Schafe in einem Pferch, der meist aus einem Zaun oder einer steinernen Mauer besteht. Dann legt sich der Hirte quer vor die Öffnung. Vielleicht gelingt es einigen gefährlichen Tieren sich nachts unbemerkt an den Pferch heranzuschleichen; zu den Schafen gelangen sie jedoch nicht, denn an dem Hirten kommen sie nicht unbemerkt vorbei. Wir dürfen wissen, dass auch an Gott niemand vorbeikommt und wir mit ihm als unserem guten Hirten in absoluter Sicherheit sind.

Im Haus des Vaters [6] – Gottes Liebe gilt für immer

Gott als unser guter Hirte, liebt uns durch und durch. Jesus sagt in Johannes 10,11:

Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.

Deswegen fasst der Psalmist stolz zusammen: „Nur Güte und Gnade werden mich umgeben alle Tage meines Lebens, und ich werde wohnen im Haus des Herrn für alle Zeit.“ Was für ein Privileg, Schafe dieses guten und liebenden Hirten zu sein. Doch wie sieht das eigentlich mit uns aus? Geht dieser Strom von Gottes Liebe auch durch uns durch oder sind wir wie ein Staudamm? Wie mir Güte und Barmherzigkeit jeden Tag meines Lebens zufließen, so sollen mir auch Güte und Barmherzigkeit überall folgen, wo ich hingehe, zum Nutzen für andere. Schauen wir noch ein letztes Mal auf das Leben der Schafe. Unter ungünstigen Bedingungen können Schafe schlimmen Schaden anrichten. Sie können die besten Weiden komplett zerstören und ertragreiches Land völlig unbrauchbar machen. Schafe fressen nämlich nicht nur das Gras, sondern auch Wurzeln und alles was kaubar ist, bis nichts mehr da ist. Andersherum können sich Schafe aber unter guter Aufsicht als eine der nützlichsten Tierarten erweisen und werden auch als Tiere mit „goldenen Hufen“ bezeichnet. Kein anderes Tier liefert so einen guten Dünger wie das Schaf. Wenn er richtig kompostiert und gut über das Land verteilt wird, ist er sehr wichtig für den Boden. Auch Unkraut, Splitter und die zarten Blüten der Disteln werden von den Schafen gefressen und breiten sich nicht aus. Werden die Schafe gut angeleitet, kann innerhalb weniger Jahre eine Herde ein verwüstetes Land wieder komplett herstellen. Wo vorher Verwahrlosung war, wachsen dann blühende Felder mit großen Erträgen. Kommt uns das bekannt vor? Die Herden hinterließen etwas Gutes. Wo sie waren, blieb etwas Gepflegtes zurück. Wie sieht das bei uns aus? Wie schön ist es doch, dass wir um Gottes Liebe wissen dürfen, die ewig bleibt. Wie viel schöner wäre es doch, wenn es uns gelingt, diese Liebe auch an andere weiterzugeben.