Nieten

Was haben eine Jeans und die Kirche gemeinsam? Ganz einfach: Beide werden sie von Nieten zusammengehalten. Bei der Jeans akzeptieren wir das ja auch gerne. Die Nieten garantieren ihre Haltbarkeit geradezu. In der Kirche akzeptieren wir die Nieten weniger. Wie viele, die der Kirche den Rücken kehren, meinen, das mit der Unfähigkeit von Gottes Bodenpersonal hinreichend begründen zu können!

Rainer-Sturm / pixelio.de

Rainer-Sturm / pixelio.de

Zur Erklärung: Niete ist nicht gleich Niete! Da gibt es einerseits den Metallbolzen, der Werkstücke verbindet; der Ausdruck geht auf mhd. niet = „breit geschlagener Nagel“ zurück und leitet sich von einem Verb mit der Bedeutung „befestigen“ ab. Auf der anderen Seite gibt es die Niete, die man bei der Lotterie zieht oder der man besonders in der Kirche zu begegnen meint. niet stammt in diesem Fall aus dem Niederländischen und bedeutet schlicht „nichts“.

In der Lotterie bedeutet die Niete: nichts gewonnen. Auf Menschen angewandt bedeutet Niete: zu nichts zu gebrauchen. Die Jeans werden von den erstgenannten Nieten zusammengehalten, so viel steht fest.
Und die Kirche? Von Letzteren? Von denen, die zu nichts zu gebrauchen sind? Können die denn überhaupt für Zusammenhalt sorgen?

Schaut doch euch selbst an, Brüder und Schwestern! Wen hat Gott denn da berufen? Es gibt ja nicht viele unter euch, die nach menschlichen Maßstäben klug oder einflussreich sind oder aus einer angesehenen Familie stammen. Gott hat sich vielmehr in der Welt die Einfältigen und Machtlosen ausgesucht, um die Klugen und Mächtigen zu demütigen. Er hat sich die Geringen und Verachteten ausgesucht, die nichts gelten, denn er wollte die zu nichts machen, die in der Welt etwas ‚sind‘.
1. Korinther 1,26-28

Wenn wir der Beobachtung von Paulus folgen, dann hat Gott mit uns nicht gerade das große Los gezogen. Eher lauter Nieten. Aber – oh Wunder! – diese Nieten halten die Kirche zusammen, schon seit fast 2.000 Jahren. Menschen, die sich von Gott haben „b(e)reit schlagen lassen“ (siehe oben), kann er dazu gebrauchen, seine Gemeinde zu bauen und ihr Festigkeit zu geben.

Wenn ich es genau bedenke, dann habe ich das große Los gezogen, weil Gott mich Niete berufen hat. Und zugleich habe ich allen Grund, ein wenig toleranter zu sein im Hinblick auf die anderen Nieten, denen ich in der Kirche begegne …

 

Peter Rettinger, Pädagoge und Journalist, ist Mitarbeiter im „Institut für Lebensgestaltung“ von Agape Österreich.

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