Mitbringsel

„Hast du mir auch etwas mitgebracht?“ So unverblümt können auch nur Kinder fragen, wenn Besuch ins Haus kommt. Und es bleibt zu hoffen, dass der Besuch auch wirklich etwas im Gepäck hat, denn sonst ist die Enttäuschung groß. Bei den Kindern, wie gesagt …

Aber in Wahrheit nicht nur bei den Kindern. „Hast du mir etwas mitgebracht?“ fragen zum Beispiel auch Regierungen, wenn ein Staatsbesuch ins Land kommt. Freilich, die Frage wird in Diplomatensprache gekleidet – oder verkleidet –, aber auch in diesem Fall wird gehofft oder sogar erwartet, dass der Besuch etwas im Gepäck hat: finanzielle Zusagen, Exportaufträge, was immer – denn sonst ist die politische Enttäuschung groß.

Gabriele-Schmadel/pixelio.de

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Und wie sieht es mit den Erwartungen aus, wenn ein noch Größerer als ein Staatsmann zu Besuch kommt? Wenn Gott selbst zu Besuch kommt in unsere Welt? Darf auch da die hoffnungsvolle Frage gestellt werden: „Hast du uns auch etwas mitgebracht?“

Fragen wir einen, der sich zu diesem Thema geäußert hat: Zacharias, Vater von Johannes dem Täufer in Israel. Er hat gesagt: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk! (Lukas 1,68)

Das Spannende an der Geschichte: Zacharias hat diese Worte in prophetischer Vorausschau formuliert. Zu einer Zeit, als der Besuch Gottes noch gar nicht absehbar war. Aber Zacharias wusste: Wenn Gott kommen würde, dann würde er ganz sicher etwas in seinem Gepäck haben, dann würde er uns etwas ganz Großes mitbringen, das Größte überhaupt: Erlösung. Befreiung von der Schuld, Befreiung von der Macht des Bösen.

Wir wissen, dass Gott zu Besuch gekommen ist und uns etwas mitgebracht hat. Sich selbst hat er mitgebracht und damit die Erlösung.

Wir wissen heute mehr als Zacharias. Wir wissen, dass Gott zu Besuch gekommen ist und dass er uns etwas mitgebracht hat. Nein, nicht etwas – sich selbst hat er mitgebracht und damit Erlösung.

Der Jammer ist, dass trotzdem Menschen von Gott enttäuscht waren und sind. Vermutlich weil sie sich ein anderes Mitbringsel erwartet haben. Weil sie den Wert von Gottes Geschenk noch nicht erkannt haben. Oder sie haben das Geschenk noch nicht einmal ausgepackt …

 

Peter Rettinger, Pädagoge und Journalist, ist Mitarbeiter im „Institut für Lebensgestaltung“ von Agape Österreich.
peter@rettinger.cc
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