Glück und innerer Frieden?

Ich habe mich in einen Jungen verliebt, als ich 13 Jahre alt war.

Er war beliebt, jedes Mädchen fand ihn toll und er wusste nicht mal, dass es mich gibt.

©2nookiez/Stock.xchng

Ich habe niemandem davon erzählt, aber ich habe Bilder von ihm aus dem Internet ausgedruckt und mit mir herumgetragen. Ich habe Stunden damit verbracht, traurige Musik zu hören und an ihn zu denken. Um es abzukürzen, ich habe ihn angebetet.

Ich bin dann irgendwann 15 Jahre alt geworden und an der Situation hat sich immer noch nichts geändert!

Zu dieser Zeit hatte ich vier beste Freundinnen, wir haben alles zusammen gemacht und waren wie Pech und Schwefel. Ich wusste, dass wir uns niemals verlieren würden. Ich hatte viele Bekannte, auf die ich zurückgreifen konnte, wenn ich grade keine tiefgründigen Gespräche führen, sondern einfach nur Spaß haben wollte.

Jeder sagte mir, dass ich sehr intelligent sei. Ich war auf einer guten Schule, ich würde das Abitur machen, und die ganze Welt würde mir offen stehen. Ich war hübsch und hatte keine Probleme mit meinem Äußeren. Ich hatte eine intakte Familie, meine Mama und mein Papa waren zu Hause. Ich wusste, wie ich bekomme, was ich wollte und musste fast nie auf etwas verzichten.

Ich hatte alles, wovon man denkt, man braucht es, um glücklich zu sein. Aber ich war trotzdem nicht glücklich. Ich war der festen Überzeugung, dass der Junge in den ich verliebt war, das Einzige auf der Welt ist, was mich glücklich machen konnte, dass er der Einzige ist, der mir Frieden geben kann.

Zwei Wochen vor einem christlichen Sommerlager, in das ich – wie die letzten 8 Jahre auch – mitgehen würde, hat dieser Junge mich dann endlich bemerkt. Er hat mit mir geredet, er hat mir gesagt, dass er mich mag und er hat mich geküsst! Er hat mir gesagt, er würde mich vermissen, wenn ich die nächste Woche über weg wäre und dass er sich jeden Tag bei mir melden würde. Und ich war einfach glücklich. Das war der Himmel auf Erden. Ich schwebte auf Wolke Sieben und hatte das Gefühl, dass endlich alles gut werden würde und dass ich mein Glück gefunden hätte.

Ich bin dann schweren Herzens ins Sommerlager gefahren und habe dort darauf gewartet, dass er sich bei mir meldet und mir schreibt, wir er versprochen hatte. Das hat er nicht getan. Ich lag abends weinend in meinem Zelt, weil ich es nicht glauben wollte, dass das alles jetzt so kam.

Das war der Auslöser dafür, dass ich darüber nachgedacht habe, was mein Leben ausmacht. Ich habe alles vor mir ausgebreitet, was mich bisher gehalten hat:

  • Meine Familie
  • Meine Freunde
  • Meine Schule
  • Mein Aussehen

Und ich musste feststellen, dass mich nichts hält. Dass mir nichts von alldem, was sich die anderen Menschen wünschen, Halt geben kann und erst recht nicht Frieden.

©Peter A./Pixelio.de

Ich lag im Regen auf der großen Fußballwiese auf dem Zeltplatz und habe mir überlegt, was mein Leben überhaupt für einen Sinn macht, wo es doch scheinbar nichts gibt, was mir Frieden geben kann. Ich bin mir meiner inneren Leere voll und ganz bewusst geworden.

In dem Zustand hat mich dann einer der Betreuer aufgelesen und ans Feuer gebracht.

In den kommenden Tagen habe ich zum ersten Mal in den 8 Jahren, in denen ich beim Sommerlager dabei war, zugehört, was am Abend in den Andachten gesagt wurde. Der Leiter  hat von einem neuen Leben gesprochen und davon, dass wir ohne Gott wie Lampen ohne Strom sind und genauso habe ich mich gefühlt. Aber er hat auch gesagt, dass es etwas kostet. Dass man sein Leben nicht behalten darf, sondern dass man es hergeben muss, ganz und gar.

Ich habe dann zwei Tage darüber nachgedacht, ob ich mein Leben aufgeben wolle. Und am Freitagabend war ich mir sicher, dass ich dieses neue Leben haben wollte, egal was es kostet. Und dann habe ich gebetet. Ich habe Gott gesagt, er solle mein ganzes Leben nehmen und alles, was er sonst noch haben möchte, aber er soll in mein Herz kommen und soll mein Leben neu machen.

Tja… Und das hat er getan. Sehr gründlich hat er mir mein altes Leben weggenommen. Meine Freunde, meine Schule, meine Kollegen und meine unglaubliche Selbstsicherheit und ein Stück weit auch meine Familie.

Aber er hat das langsam getan, Stück für Stück und hat mir dafür viel mehr zurück gegeben. Neue Freunde, neue Werte und eine neue Familie.

©Grace Winter/Pixelio.de

Und wenn ich jetzt sagen würde, dass das Leben einfacher geworden ist, seit Jesus in mein Herz eingezogen ist, dann wäre das eine Lüge, aber was ich jedem versprechen kann, ist, dass man nie mehr alleine ist, weil Gott einen trägt!

 

Lisa Kupries