Martin Luther (1483 – 1546) – Die große Frage

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Die große Frage

Obwohl Martin Luther härter arbeitet, öfter fastet und mehr betet als die anderen Mönche in seinem Kloster, ist für ihn die große Frage: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“

Gibt es darauf eine Antwort? Wenn ja, welche?

Aber beginnen wir von vorne: Martin Luther wird im Spätmittelalter, 1483, in Eisleben (Thüringen) geboren.

Kind seiner Zeit

Das ausgehende Mittelalter ist geprägt von Unruhe und Ängsten im Volk. Pestepidemien, die Unterdrückung der Bauern, Nahrungsmittel- und Arbeitsplatzknappheit in den Städten und die von der Kirche vermittelte Angst vor dem Fegefeuer tragen dazu bei. Durch das Land ziehende Bußprediger, die das Ende der Welt verkünden, haben riesigen Zulauf im Volk, Reliquienkult und Wallfahrten boomen.

Das ist also die Zeit, in der Martin Luther aufwächst. Die von der Kirche vermittelte Angst vor einem strafenden Gott und vor dem Fegefeuer, brennt sich auch bei ihm ein.

Mit fünf Jahren besucht Luther die Lateinschule. Latein ist die Sprache der Kirche, die Bibel existiert nur in lateinischer Sprache. Doch die einfachen Bürger können kein Latein und können so auch nicht nachprüfen, ob das, was die Kirche lehrt, stimmt.

Luther studiert an einer der damals besten Universitäten, in Erfurt. Er denkt aber auch manchmal daran, Mönch zu werden.

Ein folgenschweres Gelübde

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Eines Tages, als er nach einem Besuch bei seinen Eltern in Mansfeld auf dem Rückweg ist, zieht ein schweres Gewitter auf. Der Blitz schlägt direkt neben Luther ein. Er fleht in Todesangst die Heilige Anna um Hilfe an und verspricht, Mönch zu werden, wenn er heil in Erfurt ankommt.

Zwei Wochen später (17. Juli 1505)  pocht er an die Tür des Augustiner-Klosters in Erfurt.

Schon um 3.00 Uhr morgens muss Martin Luther zum Gebet aufstehen, er muss hart arbeiten und in einer kalten Zelle leben, die niemals geheizt wird. Er besitzt nun nur noch seine Mönchskutte und eine lateinische Bibel. All das erträgt er, um sich die Liebe Gottes zu verdienen.

Obwohl Luther eifriger betet, fastet und arbeitet als alle anderen Mönche, bekommt er keinen Frieden, im Gegenteil: Er wird immer verzweifelter. Nie kann er wissen, ob es genug ist. Er hat keine Freude mehr am Leben. Er geht in seiner Zelle auf und ab: „Ich sündiger Mensch, wie kann ich einen so strengen Richter, wie Gott es ist, jemals gnädig stimmen?!!“

Er spricht darüber mit seinem Freund und Seelsorger Johannes von Staupitz, der später den Augustiner-Orden führen wird. Der ermahnt ihn: „Martin, sieh doch nicht immer nur auf die Sünde. Schau auf Jesus Christus, der am Kreuz für deine Sünden gestorben ist! Gott zürnt nicht mit dir; du zürnst mit Gott! Du übertreibst! Du beichtest Sünden, die gar keine sind. Du fastest zu viel, du schläfst zu wenig. Das ist nicht gut. Du bist ein intelligenter junger Mann! Ich möchte, dass du Theologie studierst und Priester wirst.“

Mit 30 Jahren ist Luther schließlich Professor an der Universität in Wittenberg und Pfarrer an der dortigen Kirche.

Luther und der Ablasshandel

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Luther ist entsetzt über den immer stärker werdenden Ablasshandel. Die Kirche verkauft Briefe, mit denen man – so sagt sie – einen Nachlass der Strafe im Fegefeuer erwerben kann. „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“, lautet der Werbeslogan. Das Geld braucht die Kirche für den neuen Petersdom und den verschuldeten Erzbischof von Mainz.

Luthers Gemeindemitgliedern kommen nun nicht mehr zur Beichte, sondern kaufen sich Ablassbriefe.

Luther merkt, dass hier etwas nicht stimmt und schreibt genau auf, was an diesem Ablass-Handel geändert werden muss. Am Ende sind es 95 Sätze. Einer der Sätze heißt zum Beispiel: „Ein jeder Christ, der wahre Reue und Leid hat über seine Sünden, der hat völlige Vergebung von Strafe und Schuld, die ihm auch ohne Ablassbrief gehört.“ Oder „Der rechte wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes.“

Am 31. Oktober 1517 schlägt Luther diese 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg an. Dort werden Termine bekannt gegeben und Schriften angeschlagen, über die man diskutieren will.

Er schickt die 95 Thesen auch an seine Vorgesetzten. Er möchte mit ihnen darüber sprechen und ihre Meinung dazu hören. Luther möchte seiner Kirche helfen.

Die Thesen geraten in die Hände von Druckern und diese sind begeistert davon. Sie verschicken sie, im ganzen Reich und binnen kurzer Zeit, liest man sie sogar im Ausland. So wurde der 31. Oktober, der Samstag vor Allerheiligen und der Tag des damals weitbekannten Ablassfestes in Wittenberg, zum Reformationstag! Eine Veränderung (Wiederherstellung, Erneuerung = lat. reformatio) beginnt, ganz Europa zu ergreifen.

Hier geht es zum zweiten Teil: Die Antwort