Martin Luther (1483 – 1546) – Die Antwort

Teil 1: Martin Luther (1483 – 1546) – Die große Frage

 

Die Antwort

©Valjau86/Stock.xchng

Als Luther dabei ist, den Römerbrief für seine Vorträge an der Universität zu studieren, hat er eine wichtige Erkenntnis, durch die ihm Gott selbst seine große Frage beantwortet. Er liest aus dem griechischen Originaltext: „Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche aus dem Glauben kommt und zum Glauben führt; wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus dem Glauben leben.“ (Römer 1,17). Darüber denkt er lange nach. Und es wird ihm schließlich vollkommen klar: Gerecht aus Glauben! Wenn ich an Jesus Christus glaube, vergibt er mir meine Sünden. Gerettet durch den Glauben! Jesus hat dafür schon am Kreuz bezahlt. Ich muss nicht mehr dafür arbeiten! Ich bin vor Gott gerecht, durch den Glauben an Jesus Christus!

Luther hat endlich die Antwort auf seine Frage „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ bekommen! Es ist nun aber auch nicht einfach für ihn, seine Gewohnheiten abzulegen. Das ist schmerzhaft. Er will doch eigentlich ein treuer, gehorsamer Augustiner-Mönch sein.

Aber diese Erkenntnis der Gnade Gottes verändert sein Herz. Er ist sich jetzt sicher, dass er von seinen Sünden gerettet ist. Er weiß jetzt, dass Gott ihm vergeben hat und Er in den Himmel kommen wird.

Er wird ein glücklicher und lebensfroher Mensch. Vorher war alles nur schwer und sinnlos, weil er nie wusste, ob Gott ihm gnädig sein würde. Doch jetzt hat Gott ihm die Wahrheit gezeigt.

Und das sollen alle Menschen erfahren! Er lehrt seine Studenten, predigt darüber in seiner Kirche und seine Schriften verbreiten sich in Windeseile. Das Volk ist begeistert. In ganz Europa liest man seine Schriften und es wird heiß diskutiert.

Der Kampf mit der Kirche und dem Teufel

Aber die Kirche ist nicht begeistert. Luther wird vom Papst aus der Kirche ausgeschlossen. Auf dem Reichstag in Worms (17. April 1521) soll er seine Schriften widerrufen. Doch Martin Luther ist überzeugt davon, dass die Bibel wahr ist; er ist sogar bereit, sein Leben dafür zu riskieren. Der Kaiser erklärt ihn als vogelfrei. Jeder kann ihn umbringen, ohne dafür bestraft zu werden.

Martin Luther als Junker Jörg 1522 ©Wikimedia gemeinfrei

Sein Landesfürst, Friedrich der Weise, lässt ihn auf der Wartburg (bei Eisenach) verstecken. Luther lässt sich Haare und Bart wachsen und lebt dort inkognito als Junger Jörg für ca. 10 Monate. Die Einsamkeit in seinem Zimmer macht ihm zu schaffen. Manchmal hat er richtig Angst und ist unheimlich traurig. Der Teufel macht ihm das Leben schwer, denn er möchte nicht, dass die Menschen die Wahrheit erkennen; dass sie verstehen, dass man sich den Weg in den Himmel nicht erkaufen kann.

Aber Gott hilft Martin Luther. Er bleibt an seiner Seite und niemand kann ihn hindern, weil Gott will, dass Licht in die große Finsternis der damaligen Zeit kommt! Gott will, dass die Menschen wissen: Das Evangelium ist eine Frohbotschaft, keine Drohbotschaft.

Unter anderem übersetzt Luther in seinem Zimmer in nur 11 Wochen das gesamte Neue Testament in die deutsche Sprache. „Ich kämpfe mit der Tinte gegen den Teufel“, sagt Luther einmal und meint damit seine Übersetzung der Bibel.

1522 erscheint das „Septembertestament“ – Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testamentes. Der Buchdruck ermöglicht wieder, dass es schnell überall gelesen werden kann! Endlich eine Bibel in einem Deutsch, das „Otto-Normalverbraucher“ verstehen kann! In nur wenigen Monaten sind 5.000 Exemplare verkauft! Damit ist auch der Grundstein für eine einheitliche deutsche Schriftsprache gelegt.

©Wikimedia gemeinfrei

Durch Luthers Bibelübersetzung werden auch viele Andere motiviert und die Bibel wird in viele Sprachen der Welt übersetzt!

Im Jahr 1525 heiratet Luther eine ehemalige Nonne. Sie bekommen 6 Kinder und wohnen im ehemaligen Kloster in Wittenberg, das der Landesfürst ihnen schenkt. Luther stirbt 1546 in seinem Heimatort, wohin er zuvor gerufen wurde, um einen Streit zu schlichten.

Inzwischen hat die Reformation ganz Europa beeinflusst. Die Gottesdienste werden nun an vielen Orten in der Landessprache gehalten, Pfarrer heiraten und das Abendmahl wird mit Hostie und Wein gefeiert.

Luthers Erkenntnisse werden leider von den Bauern missbraucht, um einen Krieg zu beginnen, der blutig endet.

Schließlich kommt es auch zum Religionskrieg. Mit dem Augsburger Religionsfrieden (1555) muss die römisch-katholische Kirche schließlich eine zweite Kirche neben sich dulden: die evangelische (am Evangelium orientierte) Kirche.

Festzuhalten ist noch: Martin Luther ist kein „Heiliger“ – damit meine ich, er hat auch Fehler gemacht und manche falsche Ansicht gehabt (z.B. die Juden betreffend). Dennoch gebrauchte Gott Martin Luther, einen einfachen Mann, der Gott treu sein wollte, für tief greifende Veränderungen in Glaube und Gesellschaft mit Auswirkungen bis heute.