L-ICH-T

Es handelt sich natürlich um keine Worterklärung nach den Regeln der etymologischen Kunst, aber originell finde ich es trotzdem, wie jemand das Wort „Licht“ erklärt hat: Das ICH zwischen L wie Leben und T wie Tod. L – ICH – T ergibt zusammen gelesen LICHT.

Bo-Lill / pixelio.de

Bo-Lill / pixelio.de

Und tatsächlich spiegelt unser Sprachgebrauch deutlich die Bedeutung des Lichts sowohl am Beginn als auch am Ende des Lebens wider. Über den Lebensbeginn hat der geniale Eugen Roth gedichtet: „Ein Mensch erblickt das Licht der Welt, doch oft hat sich herausgestellt nach manchem trüb verbrachten Jahr, dass dies der einz’ge Lichtblick war.“ Das Lebensende wurde – zumindest früher – ähnlich poetisch so beschrieben, dass das „Lebenslicht verlischt.“ Weniger poetisch klingt es in Krimis, wenn einer einem anderen „das Lebenslicht ausbläst“ … Wiederum sehr poetisch dafür die angeblich „letzten Worte“ des Dichterfürsten Goethe: „Mehr Licht!“

LICHT – das ICH zwischen Lebensanfang und Lebensende, dem Tod, zwischen dem Erblicken des Lichts der Welt und dem Erlöschen des Lebenslichts. Und dazwischen? Was erlebt das ICH zwischen Leben und Tod? Wenn die Geburt der „einz’ge Lichtblick“ bleibt, dann ist im Grunde nicht erst das Sterben von Dunkel umgeben und der Ruf nach „mehr Licht“ verständlich. Dann fehlt es schon im Leben an Licht, dann sieht’s schon da ziemlich düster aus. „Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe (Johannes-Evangelium 12,46).“ Das sagte der, dessen Lebenslicht man am Karfreitag vermeintlich ausgeblasen hatte, das aber am Ostersonntag wieder hell aufleuchtete und heller strahlte als je zuvor. „… damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“ Also: Der Lebensanfang muss nicht der einzige Lichtblick bleiben, und wir müssen auch an unserem Lebensende nicht nach „mehr Licht“ rufen. Vor allem wird unser ICH nicht von L und T, von Lebensanfang und Tod, begrenzt, sondern Jesus, das Licht der Welt, wird uns zum „ewigen Licht“.

PS: Ich hätte noch eine weitere Erklärung für das Wort LICHT anzubieten, die mir auch sehr gut gefällt:
Das ICH zwischen L wie Liebe und T wie Treue. Gottes Liebe und Treue natürlich!

Peter Rettinger

Pädagoge und Journalist, ist Mitarbeiter im „Institut für Lebensgestaltung“ von Agape Österreich.
peter@rettinger.cc
www.agapeoesterreich.at

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