Konfliktsituationen meistern

Wer kennt sie nicht, all die Sagen über die Abenteuer des griechischen Helden Herakles? Egal ob einen Löwen, einen riesigen Eber oder eine neunköpfige Schlange – Herakles wurde mit allem fertig, was sich ihm in den Weg stellte. Eine seiner größten Herausforderungen hatte er jedoch mit einem sehr unscheinbaren Gegner. Als Herakles auf dem Weg zu einem seiner Abenteuer durch eine kleine Bergenge kommt, sieht er eine Art Apfel auf dem Weg liegen. Herakles holt aus, um den Apfel wegzutreten. Zu seinem Erstaunen rührt sich der Apfel  jedoch nicht von der Stelle und wird daraufhin sogar noch größer. Herakles versucht es erneut und wieder beginnt der Apfel ein Stück zu wachsen. Schließlich reicht es Herakles. Er nimmt seinen Knüppel und schlägt mit geballter Kraft auf den Apfel ein. Da wird der Apfel plötzlich so groß, dass er die Bergenge verschließt. Kurz darauf erfährt Herakles, dass er es hier mit dem Zankapfel zu tun hat: Lässt man ihn liegen, bleibt er klein. Haut man jedoch darauf, dann beginnt er größer zu werden…

Auch wenn dieses Bild aus einer Sage stammt, so ist es doch eine sehr gute und passende Veranschaulichung. Wir Menschen streiten oft über völlig belanglose Dinge. Am Ende ist dann ein riesiger Streit daraus geworden und keiner weiß mehr, um was es ursprünglich eigentlich ging. Nur zu oft vergiftet Streit unsere Beziehung und unseren Umgang mit unserem Nächsten. Wie in der Geschichte kommt es nicht selten dazu, dass am Ende der Zugang zu unserem Konfliktpartner verschlossen ist. Im Folgenden wollen wir uns daher einmal eine kleine Begebenheit aus der Bibel anschauen und daraus einige hilfreiche Punkte zur Bewältigung von Konflikten ableiten. Unsere Geschichte findet in 1.Samuel 20, 1-17 statt.

Während dieser Zeit finden wir in Israel eine sehr verzwickte Situation vor, denn es gibt zwei Gesalbte in Israel. Mit dem amtierenden König Saul geht es bergab und er ist von Gott verworfen (Samuel 15,26). Daher beruft Gott einen neuen König und lässt David durch Salomo salben (Samuel 16,13). Eine Situation mit jeder Menge Konfliktpotential…

Der Grund ist oft nicht die Ursache

Es ist sehr interessant, dass Gott Saul nicht einfach „wegnimmt“. Er lässt es zu, dass es zwei Gesalbte in Israel und damit auch jede Menge Konflikte gibt. Gott tut das, um David zu schleifen. Wir sehen also, dass Konflikte uns zur Bewährung und zum Glaubenswachstum helfen können. Desweiteren stellen wir fest, dass David eigentlich gar keine Ahnung hat, warum dieser Konflikt entstanden ist. Er fragt Jonathan nach der Ursache für Sauls Zorn gegen ihn, denn er kann den Sinn und den Grund dafür nicht erkennen.

Was habe ich getan? Was ist meine Schuld, und was ist mein Vergehen gegen deinen Vater, dass er mir nach dem Leben trachtet?

Und David sucht zurecht vergebens nach dem Grund für Sauls Reaktion. Der Ursprung von Sauls Zorn findet sich nämlich tatsächlich schon einige Zeit früher. Wie bei einem Eisberg ist die Konfliktsituation nur das, was herausschaut. Der Berg, die eigentliche Ursache,  ist aber viel weiter unten. Sauls wahres Problem mit David finden wir in 1.Samuel 18,7-9. David wurde vom Volk verehrt. Die Frauen jubelten ihm zu, während Saul das Geschehen mit zunehmenden Neid und Eifersucht beobachtete. Diese Situation sollte die Ursache für einen langanhaltenden und intensiven Konflikt zwischen Saul und David werden…

Kennst du das? Ein Arbeitskollege wird vor dir befördert. Du fühlst dich ungerecht behandelt und die Situation nervt dich so richtig an. Mit der Zeit merkst du, wie besagter Kollege dir immer mehr auf den Senkel geht. Irgendwann kommt es dann sogar soweit, dass du dich über seinen komischen Gang oder sein Grinsen tierisch ärgerst. Eine Sache, die eigentlich überhaupt keinen Sinn macht. Der eigentliche Grund ist nämlich, dass du dich noch immer über die verpasste Beförderung ärgerst. Stehst du in einem Konflikt und willst ihn lösen, dann frage dich deshalb erst einmal, was der eigentliche Grund ist.

Glaubende lassen sich von Gottes Weisung leiten, auch im Konflikt

Es ist sehr auffällig wie oft in den Versen 6-23 das Wort „Herr“ vorkommt. Mindestens neunmal wird in diesem Gespräch auf Gott verwiesen. Dadurch wird deutlich, dass sich Jonathan und David Gott unterstellen. In ihrem Ringen nach Einigkeit ist ihr gemeinsamer Nenner Gott. Wir müssen uns daher die Frage stellen: „Sind unsere Konflikte von der Gegenwart Gottes geprägt?“. Im Neuen Testament finden wir sehr viele Anweisungen, was das Lösen und Verhalten in Konflikten angeht (Matthäus 18,15/ Kolosser 3,1/ Römer 12,21).

Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen? (1.Korinther 6,7)

Zürnet, und sündigt dabei nicht! Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn (Epheser 4,26)

Um uns in einem Konfliktfall zu bewähren, müssen wir die Einstellung haben, dass es allein um Gott geht. Nicht mein Wille und Bedürfnis steht im Vordergrund, sondern Gottes Wille.

Um Frieden zwischen Menschen muss gerungen werden

Die Lösung eines Konflikts fällt uns nicht einfach zu. Manchmal ist es auch gar nicht möglich, ein Gespräch mit dem anderen Konfliktpartner zu führen. In unserer Geschichte versucht Jonathan zwischen David und Saul zu vermitteln. Saul verweigert allerdings das Gespräch, was den ganzen Konflikt noch viel schwieriger macht. Sobald eine Partei beginnt aus dem Gespräch auszusteigen, kann man den Konflikt nicht mehr zu Ende führen. Wer aufhört zu reden, lässt einen Konflikt erst so richtig aufkommen. Umso wichtiger ist daher die Frage über ein gemeinsames Gespräch mit dem anderen Konfliktpartner. Solange beide noch zu einem Gespräch bereit sind, ist eine Lösung möglich.

Wie sieht das in deinem Leben aus? Befindest du dich auch gerade in einem Konflikt? Verliere nicht den Mut und ringe weiter um eine Lösung. Wenn das Gespräch vielleicht eingeschlafen ist, dann starte noch einmal einen Versuch. Suche das Gespräch. Suche den Kontakt.

Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden! (Römer 12,18)

Es ist sehr beeindruckend, welche Frage David in Vers 1 stellt. Er fragt: „Was habe ich getan? Was ist meine Schuld, und was ist mein Vergehen gegen deinen Vater, dass er mir nach dem Leben trachtet?“ David hatte keine Schuld. Er hätte sich stattdessen bei Jonathan beschweren können, wie böse dessen Vater ist. Aber David fragt, was seine Schuld ist.

Auch wenn vielleicht der Löwenanteil in einem Konflikt beim anderen liegt – darum geht es nicht. Lerne von David und frage: „Was ist mein Fehler? Wo brauche ich Korrektur?“ Wenn wir einen Konflikt in der Gegenwart Gottes führen, dann wollen wir unsere Schuld eingestehen, zugestehen und um Vergebung bitten.

Lege konkrete Schritte fest

David und Jonathan ringen um eine Einigung. Dabei erbeten sie sich Gottes Beistand und so kommen beide auch zu einem Ergebnis. Sie geben sich vor Gott ein Versprechen und sagen sich gegenseitig etwas zu (18-26).

 Da schloss Jonatan mit dem Haus Davids einen Bund (1.Samuel 20,16)

Nachdem sich beide das Versprechen gegeben hatten, ehrten sie einander.

In Vers 40 können wir lesen, wie David vor Jonathan in die Knie ging, sie sich küssten und miteinander weinten. Ihr Miteinander war von größtem Respekt geprägt. Gerade wenn Konflikte toben, ist es umso wichtiger dass wir uns einander mit einer großen Portion Respekt und Ehrerbietung entgegentreten. 

 

 

 

Quelle:

Mit freundlicher Genehmigung von E. Adam aus einer Predigt entnommen.

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