Gottes Gemeinde: Bunt und gesund …?

Neulich in der Gemeinde-Gebetsstunde: Eine junge Schwester bringt ein Anliegen vor, das ihr sehr am Herzen liegt. „Wir müssen beten, dass wir Studenten mit den anderen Geschwistern bessere Gemeinschaft haben. Keiner darf auf den anderen runterschauen oder neidisch sein.“

twinlili / pixelio.de

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Ein typisches Anliegen für unsere Unistadt-Gemeinde! Da sind auf der einen Seite die Studenten in ihren besten Jahren: ungebunden und wissbegierig genießen sie ihre Studienjahre. Wie dankbar sind wir als Gemeinde für diese tollen Mitarbeiter in vielen Bereichen des Gemeindelebens. ihr Vorbild ist gerade für unsere Teenager und Jugendlichen von großer Bedeutung.

Doch schnell besteht die Gefahr, dass sich die Studenten in ihre eigenen Kreise zurückziehen und nur noch Kontakt untereinander haben: hier kann auf einem höheren intellektuellen Niveau diskutiert werden. Hier findet man Verständnis für den Gemeindefrust, wenn die Älteren der Gemeinde die (zweifellos gutgemeinten) Ideen nicht so schnell umsetzen, wie gewünscht. Und dann sind da noch die normalen Geschwister: zwischen Berufsalltag und Familienfragen bleibt oft nicht viel Zeit für abgehobene Fragen oder Grundsatzdiskussionen. Und manchmal beschleicht einen auch das minderwertige Gefühl, nicht so intelligent zu sein … Ab und zu bemühen sich dann Geschwister, auch ein bisschen Studenten-Deutsch zu sprechen: „Die Predigt hat mich heute echt imprägniert …“ (gemeint war imponiert).

„Bunt und Gesund“ ist harte Arbeit!

Hajo-Rebers / pixelio.de

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Unser Herr hat uns in unseren Gemeinden mit sehr unterschiedlichen Menschen zusammengestellt: Da sind auf der einen Seite die jungen dynamischen Teenager und auf der anderen Seite die Senioren, die Angst vor allem neuen haben. Selbstbewusste Manager sitzen in unserer Gemeinde neben depressiven Dauerkranken. Was von außen aussieht wie eine Bereicherung, entwickelt intern oft ein beträchtliches Spannungspotenzial.
Auch das Neue Testament kennt diese Schwierigkeiten. Die Briefschreiber werden nicht müde den Gemeinden deutlich zu machen, dass sich das geistliche Leben direkt auf die Beziehungen in der Gemeinde auswirken muss.

Versöhnte Menschen leben in versöhnten Beziehungen!

Die sozialen Spannungen in den neutestamentlichen Gemeinden waren sicher nicht kleiner als in unseren westlichen Kreisen: Judenchristen und Heidenchristen, Sklaven und Freie gemeinsam in einer Gemeinde! (1. Korinther 12,13) Bei diesen Differenzen waren Vorurteile, Neid und Minderwertigkeitsgedanken vorprogrammiert. In Epheser 2 staunt Paulus über Gottes heilshandeln: Das Kreuz hat aus Juden und Heiden friedensstiftend einen neuen Leib gebildet. Jesus ist der Friede, der die sozialen Gegensätze zusammenbringt. An keiner Stelle kommt Paulus auf die Idee „zielgruppenorientierte“ Gemeinden als Lösungen für die Spannungen vorzuschlagen. Das Zusammenbleiben trotz großer Unterschiede steht im neuen Testament nie zur Diskussion. In Kapitel 4 macht er allerdings deutlich, dass dieser Prozess harte Arbeit erfordert:

„Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens!“ (Epheser 4,3)

Einheit in Vielfalt hat das Vorbild in Gott

Ist es nicht interessant, dass das große Kapitel über die Vielfalt in der Gemeinde in 1. Korinther 12 mit einem Hinweis auf die Dreieinheit Gottes beginnt: Vers 4–6: es ist derselbe Geist, … es ist derselbe Herr, … es ist derselbe Gott! Unser dreieiniger Gott lebt in sich Einheit in der Vielfalt. Wie schön ist es, zu beobachten, mit welcher Hochachtung und Begeisterung der Vater auf seinen Sohn hinweist: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe …“. Unser Herr Jesus möchte, dass die Welt am Kreuz auch seine Liebe zum Vater erkennt (Johannes 14,31). Und der Heilige Geist? Er möchte nicht selbst im Mittelpunkt stehen, sondern Jesus verherrlichen. In der göttlichen Dreieinheit finden wir vollkommene Harmonie in der Unterschiedlichkeit. Daher lautet das Gebet unseres Herrn für seine Gemeinde in Johannes 17: „… dass sie eins seien, wie wir eins sind!“ Unsere Gemeinschaft der Erlösten soll das Wesen Gottes widerspiegeln. Merken wir: „Einheit in der Vielfalt“ ist nicht Kür sondern Pflichtprogramm für jede Gemeinde.

Rawpixel / shutterstock.com

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Bunt und Gesund: Einheit in Vielfalt als Gemeinde Leben

Aber wie kommt nun eine Gemeinde dazu, die bunte Vielfalt nicht als Last, sondern als kreatives Geschenk zu entdecken? Im neuen Testament finden wir etwa 35 „einander“- Stellen, die uns Hilfen für das Zusammenleben geben. Gemeinsam geben sie uns eine Art „Leitfaden für erlöste Beziehungen“. Hier nur ein kleiner Ausschnitt:
Ermutigt einander (Hebräer 10,25): „Gut, dass es dich gibt!“
Wer von uns wird nicht gerne ermutigt? Leider haben wir in unseren Gemeinden mehr Wächter, aber oft nur wenig Ermutiger! Eine kurze E-Mail, ein Telefonanruf, ein kleines Geschenk bedeuten oft nicht viel Mühe. aber sie signalisieren: „Du bist mir wichtig, ich denke an dich!“

Nehmt einander an (Römer 15,7): „Nimm dich nicht so wichtig!“ Ein Sprichwort der Indianer besagt: „Wenn ich nicht drei Tage in den Mokassin meines Bruder gelaufen bin, möchte ich nicht schlecht über ihn denken oder reden“. Mir haben folgende Fragen geholfen, wenn ich Schwierigkeiten hatte, meine Geschwistern zu verstehen: Was hat sie geprägt? Wovor haben sie Angst? Du musst den Bruder, der andere Schwerpunkte setzt, verstehen und Interesse für sein Leben zeigen. Und vielleicht wirst du erstaunt sein, dass auch er auf einmal beginnt, dich mit anderen Augen zu sehen. Vergebt einander (Epheser 4,32): „Ich erlaube dir, dass du nicht Gott bist!“ Mit der Vergebung haben wir als Christen die Medizin für erlöste Beziehungen in Händen und benutzen sie so wenig!

Vor einigen Jahren stand der Mobile-Treffpunkt-Bus an der Neckarwiese in Heidelberg. Bernd war neugierig und kam in dieser Woche das erste Mal in Kontakt mit bewussten Christen. Am Ende der Woche entschied er sich für ein Leben mit Jesus. Einige Zeit später fragte ich ihn, was für ihn der entscheidende Punkt gewesen sei, diesen Lebenswechsel zu vollziehen. Er dachte einen Moment nach und zu meinem Erstaunen meinte er: „Es war die Art, wie ihr am Bus miteinander umgegangen seid. Eure Gemeinschaft hat mich fasziniert. Das kannte ich nicht und daher wollte ich euer Geheimnis kennenlernen.“

 

Daniel Platte
liebt seine Heimatstadt Heidelberg und baut dort gerne Gemeinde.

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