Getötet, weil sie Christen waren

Wo Menschen für ihren Glauben an Jesus Christus getötet wurden

Der gewaltsame Tod um ihres Glaubens willen ist der ultimative Preis, den verfolgte Christen zahlen müssen. Dieses Schicksal ereilte im vergangenen Jahr besonders viele Christen im Norden von Nigeria, Ägypten und dem Irak. Allein in diesen drei Gebieten wurden mindestens 398 Männer und Frauen getötet. Open Doors-Mitarbeiter der Arbeitsgruppe für den aktuellen Weltverfolgungsindex haben diese Zahl ermittelt. Die Liste von 50 Ländern zeigt an, wo Christen derzeit am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt und benachteiligt werden und erschien am 4. Januar 2012 in seiner neuesten Version. Tatsächlich könnte die Zahl der getöteten Christen viel höher liegen. Doch in vielen Fällen gelangen Meldungen über die Ermordung von Christen nicht an die Öffentlichkeit, etwa, wenn die Tat in abgelegenen Regionen dieser Erde geschehen ist oder wenn Christen sich nur im Verborgenen – „im Untergrund“ – versammeln können, es also nicht immer deutlich war, dass es sich bei den Getöteten um Christen handelte.

Nigeria

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Im Norden von Nigeria wurden bestätigten Berichten zufolge 300 Christen getötet, weil sie sich zu Jesus Christus bekannt haben – doch die Dunkelziffer könnte höher liegen. Im April 2011 zogen muslimische Extremisten nach der Präsidentschaftswahl gegen Christen in mehreren Bundesstaaten aus. In den betreffenden Staaten gilt das islamische Rechtssystem, die Scharia. Auslöser war der Wahlsieg des christlichen Kandidaten, Goodluck Jonathan. Mindestens 170 Christen starben bei den Übergriffen. Kaum einen Monat später griffen Islamisten ganze Dörfer von Christen an und brannten Kirchen nieder. Im Zeitraum vom 22. August bis 22. September 2011 wurden mehr als 100 Christen im zentralnigerianischen Bundesstaat Plateau getötet.

Insbesondere die radikal-islamische Gruppierung Boko Haram hat auch Christen ins Visier genommen und geht zunehmend gewalttätig vor. Ein Pastor aus der Hauptstadt Jos sagte gegenüber Open Doors: „Die Geschichte der muslimisch-christlichen Gewalt in diesem Gebiet reicht 30 Jahre und mehr zurück, aber nur wenige von uns haben dieses Niveau einer organisierten muslimischen Militanz gesehen, wie wir sie in diesen Tagen erleben.“

Ägypten

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Im nordafrikanischen Ägypten wurden mindestens 60 Christen getötet; im Irak 88 Menschen. Obwohl die meisten von ihnen durch die Hand islamischer Extremisten starben, gibt es Ausnahmen. 27 koptische Demonstranten verloren ihr Leben beim sogenannten „Maspero Massaker“ in Kairo am 9. Oktober 2011. Einige wurden von Soldaten erschossen, andere von Panzern überrollt und einige von islamischen Extremisten getötet.

Irak

Im Irak wurden allein in Bagdad mindestens 21 Christen getötet. In der Hauptstadt hält die gegen Christen gerichtete „Säuberungswelle“ ganzer Wohnviertel an.

Kolumbien

In Kolumbien ermordeten rechtsgerichtete Rebellengruppen drei Christen; zwei weitere wurden von kriminellen Milizen umgebracht. Tatsächlich könnte die Zahl der getöteten Christen bei annähernd 20 Menschen liegen, denn auch die sogenannten „Narco-Verbrechen“ forderten zahlreiche Opfer. Dabei handelt es sich um gezielte Angriffe von Drogenhändlern auf Pastoren und Gemeindeleiter, die sie als Bedrohung für ihre Drogengeschäfte ansehen.

Mexiko

In Mexiko wurden mindestens drei evangelikale Pastoren getötet; zwei Christen allein im Bundesstaat Chiapas.

Laos

Im südostasiatischen Laos wurden vier Christinnen aus der Volksgruppe der Hmong getötet. Zuvor waren sie brutal zusammengeschlagen und mindestens zwei Frauen von Regierungssoldaten vergewaltigt worden – vor den Augen ihrer Ehemänner und Kinder.

Sterben, um Christen zu helfen

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„Die Bedeutung der Märtyrer lässt sich nicht aus ihrer Anzahl ableiten – denn sie ist relativ gering – sondern sie liegt in der Symbolkraft ihrer Hingabe: Der Tod eines Menschen kann die gesamte Kirche neu inspirieren“, sagte ein pakistanischer Pastor nach der Ermordung des christlichen Minderheitenministers Shahbaz Bhatti. Der 42-Jährige wurde am 2. März 2011 auf offener Straße von muslimischen Extremisten erschossen. Nach einem Besuch bei seiner Mutter in Islamabad wollte er gerade in sein Auto steigen, als vier bewaffnete Männer das Feuer auf ihn eröffneten. Die Täter konnten fliehen. Bhattis Ermordung schockierte die Welt und entmutigte die Christen in Pakistan aufs Neue. Nur einige Wochen vor seinem Tod hatte Bhatti gegenüber Reportern gesagt: „Ich lebe für meine leidenden Landsleute und ich werde sterben, um ihre Rechte zu verteidigen.“ Bhattis „Verbrechen“ bestand darin, die berüchtigten Blasphemiegesetze in Pakistan zu kritisieren, die es jedermann ermöglichen, jemanden der Beleidigung des Islam oder des Propheten Mohammed zu beschuldigen, um ihn ins Gefängnis zu bringen. Vier weitere pakistanische Christen wurden im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2012 vom November 2010 bis 31. Oktober 2011 umgebracht.

Aufstehen für ermordete Christen

Viele weitere Christen starben infolge von Christenverfolgung, doch werden sie nicht als „Märtyrer“ nach allgemeinem Verständnis gezählt. So sterben zurzeit im Sudan vermutlich Hunderte, ja vielleicht Tausende von Christen in Gebieten, die zwischen dem Sudan und dem kürzlich unabhängig gewordenen Südsudan umstritten und vorwiegend von Christen bewohnt sind. In Nigeria sind insgesamt nach verschiedenen Schätzungen bis zu 1.500 Christen gestorben. Doch werden nicht alle als „Märtyrer“ angesehen. Die „World Christian Encyclopedia“ definiert den Begriff des „Märtyrers“ als „an Jesus Christus Gläubige, die ihr Leben vorzeitig verloren haben, als Ergebnis menschlicher Feindschaft in Situationen, in denen sie ihren Glauben bezeugt haben“. Doch es gibt Grenzfälle: Im vergangenen Jahr starben von den nahezu 1.000 Christen, die in Eritrea eingesperrt sind, fünf in Gefangenschaft infolge von Krankheit. Berichten zufolge hatten ihnen Wärter die medizinische Behandlung verweigert. Sind sie Märtyrer? Oder sollte man sie eher nicht dazu zählen?

Die Zahl der verfolgten Christen liegt heute bei schätzungsweise 100 Millionen weltweit; die Zahl der getöteten Christen ist daran gemessen eher gering. Aber ihre Geschichten dominieren die Schlagzeilen aus der verfolgten Gemeinde Jesu. Ein Pastor aus China sagte einmal: „Es gibt kein Licht, das mehr blendet, als wenn jemand sein Leben gibt für Christus, denn es beweist: Wir haben einen Gott, für den es sich nicht nur zu leben, sondern auch zu sterben lohnt.“ Ein anderer Gemeindeleiter aus dem „Untergrund“ im Iran fügt hinzu: „Wenn jemand für seinen Glauben stirbt, müssen wir aufstehen – besonders wenn es im eigenen Land geschieht.“

Die herausfordernde Frage ist, werden sich Christen, die nicht in demselben Land leben, ebenso aufrütteln lassen? Werden sie aufstehen, weil jemand das ultimative Opfer für Jesus Christus gab?

Autor: Ron Boyd MacMillan, Open Doors International

 

Über Open Doors

Open Doors unterstützt als überkonfessionelles internationales Hilfswerk in über 50 Ländern Christen, die wegen ihres Glaubens an Jesus Christus verfolgt werden.
www.opendoors-de.org