E-Mail aus Bagdad: „Wir halten fest am Gebet“

Einheimischer Christ: ‚Der Irak ist nicht sicher!‘ – Al Kaida droht auch Christen.

©The US Army/Flickr

Nach der Serie von Anschlägen am 23. Juli im Irak erreichte Open Doors die dringende Bitte an Christen in anderen Ländern, für die Sicherheit im Irak und die der verbliebenen Christen zu beten. Das Anliegen eines unserer Kontaktpersonen in Bagdad wollen wir an Sie weitergeben.

Wie der einheimische Christ berichtet, erhalten Christen weiterhin Drohungen u.a. von der Terrorgruppe Al Kaida. Befürchtet werden zielgerichtete Anschläge gegen christliche Einrichtungen. Aktuell steht das Land auf Platz 8 des Weltverfolgungsindex. Open Doors unterstützt Christen im Irak mit verschiedenen Projekten, darunter auch Traumabegleitung für Kinder und Erwachsene.

Koordinierte Gewalt

Mehr als 100 Menschen wurden am 23. Juli bei offenbar koordinierten Anschlägen an mehreren Orten im Irak getötet; mehr als 200 Personen wurden verletzt. Medien bezeichneten dies als den bislang blutigsten Tag in diesem Jahr. Allein in Bagdad und Umgebung gingen mindestens neun Sprengsätze hoch. Die Anschläge richteten sich gegen Regierungsgebäude sowie Einrichtungen der Sicherheitskräfte. Laut Medienberichten hat sich bislang niemand zu den Gewalttaten bekannt. Doch habe das Terrornetzwerk Al Kaida Tage zuvor eine neue Offensive angekündigt, mit dem Ziel, die Lage im Irak weiter zu destabilisieren.

 

In einer E-Mail schreibt der einheimische Christ und Kontakt von Open Doors aus Bagdad:

„Der jetzige Terror war der schlimmste, den der Irak seit Jahren erlebt hat. Von Stunde zu Stunde werden die Nachrichten grauenvoller. Seit letzter Woche ist die Lage noch entsetzlicher. Das Ausmaß der Verwüstung in Bagdad ist kaum zu beschreiben. Der Irak ist nicht sicher! In Bagdad sind wir es schon gewöhnt, Probleme zu haben, aber diese Gewalt ist unbeschreiblich: Zwölf Autobomben, zwei Selbstmordattentäter auf Motorrädern. Zahlreiche Polizisten und Soldaten wurden getötet. Es gab auch äußerst ernstzunehmende Drohungen von Al Kaida gegen Christen. Doch trotz allem wollen wir nicht aufgeben und uns nicht fürchten. Wir halten fest am Gebet und preisen Gott, der uns niemals verlässt. In der Kirche haben wir Psalm 23 gelesen. Viele Menschen fragen mich: ‚Was sollen wir für euch und den Irak beten.‘ Meine Antwort: Betet für Schutz, Versorgung und Ausdauer. Das brauchen wir hier. Und darum geht es auch in Psalm 23.“

Hintergrund

Immer weniger Christen leben im Irak. Seit dem Sturz des Saddam-Regimes im März 2003 hat sich ihre Lage zunehmend verschlechtert. Anfang der 1990er- Jahre lebten noch 850.000 Christen im Irak; im Jahr 2003 gab es nur noch 550.000 Christen im Land. Genaue Angaben sind schwierig zu erheben, zumal mehr als die Hälfte der noch im Land verbliebenen Christen als Binnenflüchtlinge (sogenannte IDPs, Internally displaced persons) leben müssen, häufig in den Kurdengebieten oder der Niniveh-Ebene. Doch auch dort ist die Lage nicht wirklich sicher. Heute sind die schätzungsweise etwa 300.000 im Land verbliebenen Christen der Verfolgung krimineller Banden und radikaler Islamisten ausgesetzt, die offensichtlich den Irak von „Ungläubigen reinigen“ wollen. In deren Augen sind Christen Verbündete des Westens und Anhänger einer westlichen Religion – ungeachtet dessen, dass es seit 2.000 Jahren in der Region christliche Gemeinden gibt. Erst im 7. Jh. wurde das Land islamisiert.

 

Quelle: Open Doors, 06. August 2012

 

Über Open Doors

Open Doors unterstützt als überkonfessionelles internationales Hilfswerk in über 50 Ländern Christen, die wegen ihres Glaubens an Jesus Christus verfolgt werden.
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