Der Star der Gerechtigkeit

Wenn Michael Sandel in Harvard über Gerechtigkeit philosophiert, hört ihm die Welt zu.

Michael Sandel wird von der China Newsweek als einflussreichster Ausländer Chinas angeführt. Was macht ihn so besonders? Er ist Professor an der berühmten Uni Harvard und stellt in seinen Vorlesungen vorwiegend Fragen.

Aufregend? Scheint so…Tausende von Studierenden folgen seinen Vorlesungen. Seine Ausführungen werden von BBC und dem amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt. Unter www.justiceharvard.org können seine Ausführungen heruntergeladen werden.

Hunger nach moralischer Diskussion, die Frage nach sozialer Gerechtigkeit…beschäftigt die Studierenden.

©Frank Knauer/Pixelio.de

Was ist Gerechtigkeit?

Jede Kultur versteht darunter etwas völlig anderes. Stimmt das?

In der 2.100 vor Christus verfassten Lehre für König Merikare, steht, dass die ägyptischen Herrscher Gerechtigkeit walten lassen müssten und »den Rücken der Schwachen stützen«. In China sagt Konfuzius (551 bis 479 vor Christus), alle Menschen sollten sich »wie Verwandte behandeln« und die goldene Regel befolgen: »Was dir selbst unerwünscht ist, das füge auch keinem anderen zu.«

©Dieter Schütz/Pixelio.de

Sein Landsmann, der Philosoph Mo Ti (um 480 bis 380 vor Christus), Verfasser der ersten Antikriegsschrift der Geschichte schrieb: »Wenn einer seinem Nachbarn einen Pfirsich stiehlt, dann wird er dafür bestraft. Stiehlt einer dagegen einen ganzen Staat, dann wird er noch als Sieger gepriesen.« Für Mo Ti ist Gerechtigkeit »das Leben selbst«, und »wo Ungerechtigkeit herrscht, da ist der Tod«.

Dass Gerechtigkeit das höchste Ziel der Gesellschaft sei, glaubte auch Aristoteles (384 bis 322 vor Christus) – sie sei schöner als Abend- und Morgenstern.

Jean-Jacques Rousseau (1712 bis 1778) sprach etwas aus, das mich ins Innerste getroffen hat: »Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ zu sagen: Dies ist mein, war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viel Not und Elend und wie viele Schrecken hätte derjenige dem Menschengeschlecht erspart, der seinen Mitmenschen zugerufen hätte: ›Hütet euch auf diesen Betrüger zu hören; ihr seid verloren, wenn ihr vergeßt, daß die Früchte allen gehören und die Erde niemandem.‹«

Und dann erst noch Rawls’ berühmtes »Differenzprinzip«! Unbedingt nachzulesen…mehr wird nicht verraten…Darüber streiten u.a. derzeit Philosophen. In einem sind sie sich einig: Das erste, was wir uns als Weltbürger schuldig sind, ist eine Welt, in der kein Mensch mehr hungert.

Und was sagt die Bibel zu Gerechtigkeit, was sagt Jesus?

©Dieter Schütz/Pixelio.de

Mich bewegt immer wieder neu, wie oft wir Christen uns über den Begriff Barmherzigkeit Gedanken machen.

Aber wie steht es mit Gerechtigkeit? Mit Micha 6,8 mit Jesaja 61,8, 5. Mose 24,13, Psalm 11,7, Matthäus 5,6, Matthäus 25,37 usw.? Und…nicht zu vergessen den Römerbrief, in dem es ohne Ende um Gerechtigkeit geht.

Gottes Herz schlägt für Gerechtigkeit. Beten wir, dass wir mit Gott eintreten für Gerechtigkeit in unserer Welt. Gott ist für mich immer wieder und ohne Ende der Star der Gerechtigkeit…

 

Aber da stehen wir wieder am Anfang dieses Beitrags:

Was ist Gerechtigkeit? Konkret, für mich?

 

(Anstoß zu diesen Gedanken durch Beiträge in „Zeit Online“, Ende 2011)

Über Monika Faes

Monika Faes unterrichtet evangelische Religion und Französisch an einer Hauptschule, ist Ratsmitglied der Österreichischen Evangelischen Allianz und arbeitet in den Foren "Prisca - Frauen in Verantwortung" und "Initiative christlicher Pädagogen" mit.