Chaos wird zur Sicherheit

„Es ist an der Zeit“, war meine Feststellung Ende 2010. Dabei ging es nicht darum, dass endlich Weihnachten werden sollte, oder ich das Ende des Schnees nicht abwarten konnte, obwohl beides ohne Frage zutreffend war. An diesem Tag entschied ich, dass es an der Zeit war meine Zelte abzubrechen und weiterzuziehen.

Zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich bereits fünfeinhalb Jahre als Sekretärin bei der Missionsorganisation People International e.V. Nun war mir klar geworden, dass es woanders weiter gehen sollte. „Aber wohin?“, war meine nächste Frage. Ich dachte über verschiedene Möglichkeiten nach. Bibelschule war nur eine von mehreren Ideen. Allerdings wurde mir recht schnell klar, dass ich gerne in die einmal eingeschlagene Richtung weitergehen und mich im Reich Gottes einsetzen wollte. Ich stellte fest: Wenn ich das will, sollte ich mir Gedanken über Bibelschule machen. Und zwar jetzt. Also informierte ich mich über Bibelschulen, die für mich in Frage kamen. In mir war ein ziemliches Durcheinander – ein Chaos an Gedanken und Möglichkeiten. Schließlich fing ich an, alles zu sammeln und aufzuschreiben.

Spricht er von mir?

1Haupthaus0Die Antworten kamen anders als erwartet. Es war bei der Silvesterfeier meiner Gemeinde. Ganz unerwartet stand Rudolf beim Essen neben mir. Und ich war sprachlos, als er ohne besonderen Grund an fing, von einer Bibelschule in der Schweiz zu sprechen – vom sbt Beatenberg. Begeistert erzählte er mir davon. Ich wusste überhaupt nicht, was mir geschah. Er hatte keine Ahnung, worüber ich mir gerade Gedanken machte. Ich sagte nichts dazu, aber hörte aufmerksam zu. Der Neujahrsgottesdienst kam. Während des Programms ging Rudolf auf die Bühne. Und wovon redete er? Richtig, vom Seminar für biblische Theologie in Beatenberg. Vielleicht wäre das für einen von uns dieses Jahr dran, meinte er. Jetzt konnte ich es nicht länger ignorieren. Ich beschloß, mir das Ganze zumindest anzusehen, um mir selbst eine Meinung zu bilden. Nachdem ich mir die Internetseite angeschaut hatte, rief ich an und bestellte Infomaterial. Es war ein Gesucht-Gefunden-Effekt. Mein erster Eindruck war: Das ist genau das, was ich mir vorstelle. Der Stein kam ins Rollen. Zweifel im Kopf Ihr ahnt es, nicht wahr? Es blieb nicht bei meinem ersten Eindruck. Spätestens als ich mir das Unterrichtsprogramm anschaute, hatte ich viele Fragen. Hier ein kleiner Auszug: Bin ich mit so viel Theorie nicht überfordert? Ich bin kein Studiertyp. Wie lange überlebe ich wohl mit so vielen Frommen auf einem Haufen? Will ich das allen Ernstes drei Jahre durchziehen? – Alles nebensächliche Fragen, denkst du? Für mich nicht. Ich war froh über die Gelegenheit, mit mehreren Leuten zu sprechen, die schon dort waren. Aber selbst als ich vor Ort war, um mir ein Bild zu machen, fragte ich mich noch, ob ich mich wirklich bewerben wollte. Konnte ich mir das vorstellen?

Die Entscheidung fällen

Es war wirklich schwierig. Dachte ich morgens noch: genau das will ich machen, hatte ich abends große Zweifel.  Meine Gefühle fuhren Achterbahn. Ich war froh, daß meine Freundin
mich begleitete und mir in der Situation beistand. Ich hatte den Eindruck, dass ich meine Zweifel mit Warten und Abwägen nicht loswerden würde. Deshalb fasste ich mir schließlich
ein Herz und gab meine Bewerbung ab. Danach wurde es schrittweise klarer. Einfach, weil eine Entscheidung gefallen war. Es lag jetzt in Gottes Hand. Im Nachhinein bin ich froh über
diese Zeit der Fragen und Zweifel. Denn dadurch wurde mir klar, was ich will. Mir wurde klar, was meine Prioritäten sind, wonach ich suche und worauf es mir ankommt. Und jetzt weiß ich sicher: ich bin nicht irgendwo rein geraten, sondern das hat Gott präzise so geführt!

Bestätigung erfahren

Freizeit_1Nun bin ich bereits eineinhalb Jahre am sbt Beatenberg. Je länger desto mehr erfahre ich: Das ist genau der richtige Ort für mich. Nicht nur wegen der genialen Aussicht auf die Berge und dieser traumhaften Natur. Ich liebe besonders die familiäre Atmosphäre hier. Wir haben etwas mehr als 50 Studierende. Da kennt jeder jeden. Mit den Dozenten sind wir „per du“. Bei dieser Anzahl Studierender geht es persönlicher und individueller zu als an größeren Schulen. Das schätze ich sehr. Der Unterricht ist bereichernd. Ich liebe praktische Themen wie Mission, Gemeindearbeit und Seelsorge. Vor allem hat es mir Kirchengeschichte angetan. Ich habe den Eindruck, im Rückblick auf die Geschichte verstehe ich die Gegenwart erst richtig. Außerdem entdecke ich neue Gebiete wie Evangelisation, Argumentation und Glaubensverteidigung für mich. Ich bin echt gespannt auf das, was bei diesen drei Jahren herauskommt und dankbar, dass Gott mich hierher geschickt hat. Dies ist eine sehr wichtige Zeit für mein Leben.

 

Lydia Böttger

liebt es in Beatenberg mit Blick auf
die Berge Eiger, Mönch und Jungfrau zu
frühstücken und das kann sie zurzeit jeden Tag.

 

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