Bist du von Gott enttäuscht?

Du hast darum gebetet, dass deine Eltern wieder besser miteinander auskommen und sich nicht immer streiten. Nun ist dein Vater ausgezogen. Du bist mit deiner Mutter allein. Du hattest eine Beziehung und hast so sehr gebetet, dass es klappt. Dein Freund ist gegangen, geblieben ist der Schmerz.

©Alex Bruda/stock.xchng

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Vielleicht hast du in deinem Leben Verletzungen erlebt, die dich tief verwundet haben und über die es dir schwer fällt zu reden. Du bittest Gott dich zu heilen, doch es tut immer noch schrecklich weh. Du hast für etwas gebetet, was gut ist, und doch ist nichts passiert.

Was tust du, wenn das Leben dir Schmerzen zufügt? Wie gehst du damit um, wenn du von Gott enttäuscht bist, oder er dir deine tiefsten Wünsche verwehrt?

  • Du sagst Gott ab: „Stopp Gott! Bis hierhin und nicht weiter! Mein Leben geht kaputt und dir ist es egal. Dann hat es keinen Sinn, mit dir zu leben.“
  • Du resignierst: „Es hat ja doch alles keinen Zweck! Wofür bete ich? Ich bin Gott egal. Ich habe lange gebetet. Doch mein Schmerz und meine Fragen sind dir unwichtig. Ich kann nichts mehr tun.“
  • Du klagst ihn an: Wenn es einem so richtig schlecht geht, dann hat man keine Blümchen mehr auf den Lippen. Dann kommen Gedanken über Gott, die man lieber keinen anderen hören lassen möchte.
  • Oder du machst es wie David, der sagt: „Ich schreie zum Herrn so laut ich kann!“ Du wendest dich an Gott: Nun schaffe ich es wirklich nur noch mit dir.

An welchem Punkt du auch gerade bist, du bist mit deinen Fragen nicht allein. In der Bibel bist du in bester Gesellschaft. Gerade in den Psalmen stellen Menschen oft die Frage nach dem Sinn des Schmerzes. Sie sagen:

Keiner kümmert sich um mich! (Psalm 142)

Ein Gedicht Davids, ein Gebet. Er verfasste es, als er in der Höhle war.

Ich schreie zum Herrn, so laut ich kann, ich bitte den Herrn um Hilfe.

Ihm klage ich meine Not, ihm sage ich, was mich quält.

Auch wenn ich selbst allen Mut verliere, du, Herr, weißt, wie es mit mir weitergeht! Auf dem Weg, den ich gehen muss, hat man mir Schlingen gelegt.

Ich schaue mich um: da ist niemand, der mich beachtet. Ich habe keine Zuflucht mehr, keinen Menschen, der sich um mich kümmert.

Zu dir, Herr, schreie ich! Ich sage: Du bist meine Zuflucht, mit dir habe ich alles, was ich im Leben brauche!

Höre mein Schreien, ich bin mit meiner Kraft am Ende! Rette mich vor meinen Verfolgern, sie sind zu stark für mich!

Befreie mich aus dem Gefängnis! Im Kreise aller, die dir die Treue halten, werde ich dir dafür danken, Herr, dass du so gut zu mir gewesen bist.

Das Herz vor Gott ausschütten

©Clio O'Flynn/stock.xchng

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Gott hatte David zum König salben lassen. Doch es war nichts davon zu sehen, dass er sein Amt antreten könnte. Stattdessen setzte der derzeitige Herrscher alles dran, David zu töten. Er floh. Nirgendwo war er sicher. Er war allein und schutzlos. Als David dieses Gebet sprach, hielt er sich in einer Höhle versteckt. Er klagte Gott seine Not und sagte ihm, was in seinem Herzen war.

Lass deinen Schmerz zu. Sieh ihm ins Auge, statt ihn aus Angst in dir zu verstecken. Fass das in Worte, was du empfindest und sage es Gott. Gott hält das aus. Er hält auch aus, dass du nach dem Sinn fragst. Sei ehrlich zu ihm. Deine Ehrlichkeit ist ihm lieber, als Funkstille zwischen euch, bis du versucht hast, dich selbst durch dein Problem zu beißen.

Wenn du keine Worte hast, lies mal die Psalmen. Beispielsweise in Psalm 88, 15: „Warum, Herr, verwirfst du meine Seele, verbirgst dein Angesicht vor mir?“ Dieser Psalm enthält nichts Positives, keinen Mut, sondern nur Fragen.

Jesus die Hand hinhalten

©abcdz2000/stock.chng

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Wichtig ist, dass du in deinem Schmerz nicht nur auf dich schaust. Entscheide dich, den Blick zu wenden und auf den Herrn Jesus zu schauen. David tat das, indem er schrieb: „Ich sage: Du bist meine Zuflucht, mit dir habe ich alles, was ich im Leben brauche!“

Jesus hat uns ein unwahrscheinliches Geschenk gemacht: Gott ist nun unser Vater. Und weil er uns liebt, weil es ihn schmerzt, uns verletzt zu sehen, streckt er dir seine Hand hin und sagt:

„ Halte dich an mir fest. Ich bin hier, ich lass dich nicht allein. “

Gott möchte deine Hände fassen, doch wie kann er das, wenn du Fäuste ballst und deinen Schmerz darin fest hältst? Öffne deine Hand und strecke sie ihm entgegen. Du lässt etwas von deinem Kummer los, und Gott nimmt liebevoll deine kleine Hand in seine große. Es ist eine Tatsache. Auch wenn du seine Nähe nicht spüren kannst, ist er da!

Er hält dich fest

David erfuhr nie, warum er vor Saul fliehen musste. Warum musste er so lange in der Wüste leben, wo er doch bestimmt war, König zu sein? Wir sollten uns auf beide Reaktionen Gottes einstellen. Manchmal bekamen Leute eine Antwort auf ihre Frage. Manchmal bekamen sie keine. Doch sie wissen, dass sie in dieser Zeit Erfahrungen mit Gott gemacht haben, die sie sonst nicht gemacht hätten.

Vielleicht sind deine Erwartungen an Gott völlig richtig. Dennoch handelt er anders als du denkst. Dann ist es wichtig, dass du mit deinen Fragen nicht vor Gott wegrennst. Bleibe in seiner Nähe stehen und sprich mit ihm darüber. David bat Gott von ganzem Herzen, ihn zu retten. Gott tat es zu seiner Zeit. Und er vertraute, dass Gott seine Hand halten würde.

So schwer es ist: Gott antwortet. Wir wissen nicht, worauf es hinausläuft. Doch: bleib stehen! Streck deine Hand nach Gott aus. Er wird sie liebevoll ergreifen und dich nicht loslassen.

©Irum Shahid/stock.xchng

©Irum Shahid/stock.xchng

Stell dir vor, wir sind im himmlischen Thronsaal und beobachten folgende Szene: Ein Mann kommt. Er steht dicht vor Gott, aber er kann ihn nicht sehen und nicht fühlen. Dieser Mann hat eine blutende Wunde im Herzen. Mit Schmerzen betet er und schüttet sein ganzes Herz vor Gott aus. Er sagt ihm alles, was er empfindet, doch er bekommt keine Antwort. Schließlich dreht er sich um, weil er gehen muss. Im Gehen hört er, wie Gott zu seinen Engeln spricht:

„Weil er an mir hängt, will ich ihn erretten. Ich will ihn schützen, weil er meinen Namen kennt. Er ruft mich, und ich antworte ihm. Ich bin bei ihm in der Not. Ich befreie ihn und bringe ihn zu Ehren. Ich sättige ihn mit einem langen Leben und lasse ihn mein Heil schauen.“

(Psalm 91, 14–16)

 

Rebekka Jung

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