Mein Traummann

Mein Traummann – Realität?

©Rita Mezzela/Stock.xchng

Unsre Begegnung. Ich wusste nicht, wer er war, aber im gleichen Moment, in dem ich ihn sah, wusste ich, dass er es war. Ich war erstaunt, dass er genau dem Bild entsprach, das ich mir von meinem Traummann gemacht hatte…

Ich traf ihn weit weg von hier, auf einer Reise mit einer Freundin, bei einem Missionseinsatz. Ich hatte nicht damit gerechnet, ihn in diesem Moment zu treffen, da junge Missionare dort eher rar waren. Ohne dass ich es wollte, waren von diesem Moment an meine Blicke und Gedanken auf ihn gerichtet, den perfekten Mann. Ich hatte nicht einmal zu hoffen gewagt, dass ich je einmal treffen würde.

Mein Traummann.

©Daniel Andreas Forero/Stock.xchng

Wenn ich ihn dir nun beschreibe, erwartest du wohl Folgendes: «groß, schön und sportlich». Nun, das waren nicht die Kriterien, die ich gestellt hatte (obwohl er groß, schön und sportlich ist). Während den Monaten, die diesem Zusammentreffen vorausgegangen waren, hatte ich lange über meine Erwartungen an einen zukünftigen Ehemann nachgedacht. Ich hatte festgestellt, dass für mich das Wichtigste ist, dass er Gott liebt und ihm nachfolgt, dass er bereit ist, Gott zu dienen, wo immer es sei (besonders auch in der Mission). Ich hatte gehofft, dass er Kinder und Musik liebt wie ich und perfekt wäre es, wenn er Gitarre spielen würde!

Meine Liebesgeschichte.

Während unserem Aufenthalt haben wir uns mehrmals bei Freunden, im Gottesdienst und beim Bibelstudium getroffen. Ihr könnt euch mein Erstaunen nicht vorstellen, als ich ihn als Leiter der Kindergruppe sah, und dann spielte er auch Gitarre! Ich hatte die Möglichkeit, ihn über Gott sprechen zu hören und ihn im täglichen Leben zu beobachten. Es gab keinen Zweifel, er liebte Gott und diente ihm von ganzem Herzen. In diesem Moment konnte mich nichts daran hindern, die Fäden unserer Liebesgeschichte, oder besser meiner Liebesgeschichte, weiterzuspinnen.

Gott, ist er es?

©Paulo Correa/Stock.xchng

Wie konnte ich sicher sein, was der Wille Gottes ist in dieser Angelegenheit? Alles schien darauf hinzudeuten, dass er es war. Alles schien so gut zu passen. Ich bat Gott, meine Gefühle für ihn wegzunehmen, wenn es nicht nach seinem Willen sei oder sie im anderen Fall zu verstärken.

Die Emotionen wurden in der Zeit nach diesem Gebet immer stärker und sie sind nach der Rückkehr in die Schweiz geblieben. Sie haben sogar zugenommen und dies über die Zeitdauer von etwa einem Jahr. Ich hatte immer mehr den Eindruck, dass Gott meine Hoffnungen bestätigt.

Momente der Hoffnung.

Auch wenn ich «meinen Mann» im Moment nicht wieder sehen konnte, ging meine Geschichte weiter. Ich bat Gott jeden Tag, dass er Herr über meine Gedanken sei, um mich vor Leiden zu schützen, falls ich doch enttäuscht würde. Jedes Mal, wenn ich an meinen Traummann dachte, betete ich auch für ihn. So hoffte ich, dass es ihm wenigstens etwas nützen würde, wenn jemand schon einen großen Teil seiner Zeit damit verbringt, von ihm zu träumen…

Die harte Realität.

©Maria Li/Stock.xchng

Eines Tages nahm ich an einem Lager teil, auf das ich mich schon lange gefreut hatte, weil ich wusste, dass er auch dort sein würde. Endlich konnte ich ihn wieder sehen! Was ich an diesem Tag erlebt habe, hätte ich mir nie gedacht. Ja, ich habe ihn gesehen, aber ich musste auch jemand anderes sehen… Jemand, der «meinen» Platz an seiner Seite eingenommen hatte … In diesem Moment brach für mich eine Welt zusammen. Ich war völlig am Ende, völlig geschlagen.

Warum, Gott?

In den Wochen und Monaten nach meiner Entdeckung stellte ich mir viele Fragen. Warum lässt Gott zu, dass ich mich verliebe und es dann zu nichts führt? Warum hatte er meine Gefühle in diese Richtung gelenkt? Ich hatte den Eindruck, Gott nicht mehr zu verstehen, alles was ich über ihn zu wissen glaubte, war eingestürzt. Ich fühlte mich verraten, denn er wusste ganz genau, welchen Mann ich mir wünschte. Er hat ihn mir gezeigt, um mir später zu zeigen, dass ich ihn nie haben könnte.

Ja, Vater.

Ich glaube, der erste Schritt zur Heilung hat bereits in den ersten Tagen nach der emotionellen Tragödie stattgefunden. Ich las viel in der Bibel und Gott zeigte mir den Text in Psalm 50,14, wo ich verstand, dass Gott von mir Dankbarkeit erwartet, auch wenn mir dies im Moment nicht logisch schien. Einige Tage später hörte ich einen Referent Folgendes sagen: «Gott führt uns nicht an der Nase herum.» Das hat mich sehr angesprochen, weil dies genau das Gegenteil war von den Gedanken, die sich in meinem Kopf drehten! Welches Recht hatte ich eigentlich, von Gott etwas zu verlangen, von Gott, der unendlich viel größer ist als unsere Bilder und Vorstellungen, die wir von ihm haben?

Heute.

©Paulo Correa/Stock.xchng

Während einiger Zeit hatte ich noch die Hoffnung, dass dieser Mann vielleicht trotz allem mir gehören könnte. Aus diesem Grund habe ich noch einige Krisen erlebt. Schritt für Schritt hat Gott alle diese Wunden geheilt. Heute möchte ich dieses Erlebnis nicht aus der Liste von meinen Erfahrungen streichen. Ich hatte gemeint zu wissen, wie Gott handelt, aber ich wusste es nicht. Es stimmt, dass wir oft die Tendenz haben zu sagen: «Herr, da ist die Person, die ich heiraten möchte. Segne uns.» Aber Gott ist nicht da, um unsre Pläne auszuführen, es ist an uns, unser Leben nach seinem Willen auszurichten. Der Unterschied zwischen «good idea» und «God idea» ist, dass eine gute Idee manchmal klappt, aber eine Idee von Gott klappt immer.

Heute bin ich überzeugt, dass es nicht Gottes Wille war, dass wir zusammen sind. Auch wenn es nicht immer ganz einfach ist, Gott ganz zu vertrauen und Geduld zu haben, will ich warten bis an den Tag, an dem Gott zu mir sagt: «Schau, das ist der Mann, den ich nach Maß für dich geschaffen habe.»

 

von Myriam Lehmann
die dir sagen will: Gott ist deinen Bedürfnissen gegenüber nicht gleichgültig, er möchte einfach, dass unsre Wünsche zuerst bei ihm gestillt werden.
aus: „Friends for ever„, Ausgabe 02/2005, Mit freundlicher Genehmigung.

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