Freundschaft – so kann sie gelingen

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Welche Chancen liegen in einer guten Freundschaft?

Und welche Regeln sind hilfreich?

Vor einigen Monaten habe ich eine ziemlich schwierige Krankheitszeit durchgemacht. In dieser Zeit war Einsamkeit plötzlich ein Thema und die Fragen: „Wen habe ich eigentlich noch?“, „Wer bleibt mir?“, „Wer sind meine Freunde?“ haben mich beschäftigt. Ich habe kapiert: Einen Großteil meiner Freunde hatte ich mit meinem hohen Tempo und meiner Le­bensgestaltung abgehängt, und plötzlich stand ich da. In der Zwischenzeit habe ich einige Leute getroffen, denen es ganz ähnlich ergangen ist. Fakt ist: Wir alle brauchen Freundschaften. Wir alle wünschen uns Freundschaften. Aber wie können sie gelingen, und was ist unser Part dabei?

Wertvolle Freundschaften sind keine Freund­schaften, in denen wir ständig damit beschäftigt sind, unsere eigene Maske, unser eigenes Image und Wunschbild zu pflegen, sondern Freundschaften, die von Ehrlichkeit, von Offen­heit und Authentizität geprägt sind. Und die entstehen nicht von allein.

Mir ist noch niemand über den Weg gelaufen, der Einsamkeit als etwas Erstrebenswertes verkaufen wollte. Niemand will auf Dauer allein sein. Kennst du das Gefühl, irgendwo neu zu sein und nicht dazuzugehören? Blödes Gefühl, oder?

4 Chancen einer funktionierenden Freundschaft:

1. Erkenntnis bei Entscheidungen und dadurch eine neue Zielrichtung

Ein richtiger Freund wird mir nicht nur Dinge sagen, die ich toll finde, aber er wird Dinge sagen, die eine Richtung in mein Leben bringen, wenn ich seine Ratschläge akzeptiere. Flüchtige Bekanntschaften können auch nur allgemeine Ratschläge geben. Aber Je tiefer eine Beziehung geht, desto weitreichender können auch die Ratschläge sein.

Sprüche 12,15: Ein Narr hält alles, was er tut, für richtig; Weise hören auf klugen Rat.

2. Wahrheit und dadurch eine neue Perspektive

Die Wahrheit zu hören, tut manchmal ganz schön weh, und darum gibt es eine Abstufung darin, wer mir wie viel Wahrheit sagen darf und wie es bei mir ankommt. Wenn die Wahrheit in einer guten Beziehung gesagt wird, kann mir das eine ganz neue Perspektive aufzeigen. Aber es ist eben ein Unterschied, ob Dieter Bohlen den Kandidaten von „Deutschland sucht den Superstar“ die Wahrheit sagt und damit eher Perspektiven zerstört; oder mir ein Freund die Wahrheit sagt und ich davon ausgehen kann, dass er für mich das Beste will und ich dadurch neue Perspektiven bekomme. Die Wahrheit zu hören, ist definitiv nicht leicht, aber:

Sprüche 27,6: Wunden, die ein Freund geschlagen hat, sind besser als Küsse von einem Feind.

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Mit anderen Worten: Eine ehrliche Kritik oder Wahrheit von Jemandem, der es gut mit mir meint, birgt oft eine riesige Chance für Wachs­tum und neue Perspektiven. Wenn wir geistlich wachsen wollen, brauchen wir diese Wahrheit in unserem Leben und damit auch Menschen, die uns diese Wahrheit sagen dürfen. Außerdem ist es auch ein Privileg und eine Ehre, so Jemand für andere sein zu dürfen.

3. Hoffnung bei Verletzungen und dadurch eine Chance auf Heilung

Je länger ich mich kenne und Je länger ich andere kenne, desto mehr wird mir bewusst, wie verletzt Menschen sein können. Eine Chan­ce von echten Freundschaften liegt darin, dass sie Hoffnung und damit auch Heilung bringen.

Jakobus 5,16: Bekennt einander eure Schuld und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet. Das Gebet eines gerechten Menschen hat große Macht und kann viel bewirken.

Gott beschenkt Freunde mit der Fähigkeit, auf andere Menschen heilsam zu wirken. Ist das nicht eine klasse Vorstellung? Wir leben, um einen Beitrag zu leisten, damit andere Heilung erleben, damit es ihnen besser geht. Gott hat beschlossen, sein „Heil“, eine positive Verände­rung, durch uns zu transportieren.

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4 . Glaube und dadurch geistliches Wachstum

Die ersten drei Punkte können möglicherweise alle guten Freunde vermitteln, egal, ob Christ oder Nichtchrist. Das sind Dinge, die echte Freundschaften in Jedem Menschen bewirken können — bis zu einem gewissen Grad. Aber bei diesem vierten Punkt hier kommt Gott am stärk­sten ins Spiel. Denn eine solche Beziehung zwischen zwei Christen beeinflusst unseren Glauben und hilft uns gegenseitig, geistlich zu wachsen.

Sprüche 27,17: Eisen schärft Eisen, ebenso schärft ein Mensch einen anderen.

Die Sehnsucht nach Freundschaften hat Gott in uns hineingelegt. Und wenn wir Freundschaften aufbauen, leben wir so, wie Gott das will. Nämlich nicht allein, sondern gemeinsam mit anderen.

5 Hilfen, damit Freundschaften gelingen:

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1. Trefft euch regelmäßig!

Es muss nicht lang sein, aber regelmäßig. Wo­chentag und Uhrzeit egal, aber Treue und Regelmäßigkeit ist wichtig. Und nicht nur Termin­treue, sondern auch Treue in der Verantwortung füreinander:

  • „Du wolltest am Wochenende nicht so viel trinken wie sonst… Wie ist es gelaufen?“
  • „Du hast mir gesagt, du wolltest deine Nachbarn zum Gottesdienst einladen – hat’s geklappt?“
  • „Du wolltest ein Gespräch mit einem Kollegen führen, der dich in letzter Zeit geschnit­ten hat. Wie war es?“
  • „Du wolltest den Fernseher, wenn du abends allein zu Hause bist, auslassen, weil du sonst Schwierigkeiten mit dem Abschalten hast. Hat es funktioniert?“

2. Seid ehrlich miteinander!

Es wird Momente geben, wo du dem anderen ins Gesicht schauen und Dinge sagen musst, die nicht schön und angenehm sind. Und du wirst nicht sagen können, dass es dich nichts angeht. Im Schutzraum einer guten Freundschaft kann Platz für Ehrlichkeit sein.

3. Gebt Probleme zu!

„Ich habe ein Problem damit, dass ich ständig Frauen auf eine Art und Weise anschaue, die nicht gut ist. Ich will einfach, dass du das weißt, weil mir das hilft, dagegen anzugehen. Ich gebe dir die Erlaubnis, mich danach zu fragen. Hilf mir bitte dabei, dieses Problem zu besiegen.“ Das ist ein bisschen ein Trick. Rechenschaft abgeben dürfen bzw. müssen hilft dabei, eigene Verhaltensweisen, die ich ändern will, auch wirklich zu ändern. Egal, was es ist: betrügen, lügen, der Lust freien Lauf lassen, hinter dem Rücken anderer reden, sexuelle Dinge…

4. Ermutigt euch gegenseitig!

Aber es geht natürlich nicht nur um Probleme. Ermutigt euch genauso bei den Erfolgen. „Ich habe gesehen, dass du nach dem Gottesdienst Gäste angesprochen hast, die zum ersten Mal da waren. Cool.“

„Ich habe dich lang nicht mehr negativ über andere reden hören. Das beeindruckt mich.“ Damit zeigen wir einander Anerkennung. Wir nehmen gegenseitig Teil an den Erfolgen des anderen und motivieren uns, weiter zu wachsen.

5. Fordert euch geistlich heraus!

Erinnert euch immer wieder gegenseitig daran, dass es nicht darum geht, ein Programm abzu­spulen oder eine Pflicht zu erfüllen. Es geht darum, gemeinsam Jesus ähnlicher zu werden.

 

steffen.weil@kommline.de
aus komm 05/08

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