Über(das)Leben in einer Patchwork-Familie

Kennst du das oder vielleicht manches davon?

Deine Eltern haben sich getrennt, einen neuen Partner gefunden und eine neue Familie gegründet.
Du hast wegen der neuen Familie an einen anderen Ort ziehen müssen – mit allem was dazu gehört: Freunde verlassen, neue Familie, neue Schule usw.

©Bethany Carlson/Stock.xchng

Du lebst mit Halb- und/oder Stiefgeschwistern in einer Familie.
Du  hättest gerne deinen Vater immer bei dir – aber das ist nicht möglich, er hat eine andere, neue Familie.
Deine Mutter bzw. dein Vater sind  immer wieder sehr mit sich selbst und ihrem neuen Partner beschäftigt, dass du oft das Gefühl hast, sie haben überhaupt keine Zeit für Dich  und kein Interesse an Dir.
Du bist ab und zu bei deinem Vater zu Besuch – aber da sind jetzt auch andere Kinder/Geschwister. Du musst deinen Vater mit ihnen teilen. Du bist eifersüchtig.
Du hast das Gefühl „in verschiedenen Welten“ zu leben, irgendwie fühlst Du Dich zerrissen.

So geht es Sandra.

Sandra hat 6 Halbgeschwister und 3 Stiefgeschwister. Ihre Mutter ist zum zweiten Mal verheiratet, ihr Vater zum dritten Mal. Sie lebt bei ihrer Mutter und ihrem Stiefvater und deren 2 Kinder. Ihren Vater sieht sie ab und zu, ebenso ihre anderen Halb- und Stiefgeschwister.

Sandra lebt in einer Familiensituation, die man „Patchwork-Familie“ nennt. (Patchwork – etwas das aus verschiedenen Stoffen zusammengenäht wurde).

Vielleicht geht es dir ähnlich wie Sandra, vielleicht nicht ganz so krass, aber vielleicht fragst Du dich auch: Wie kann ich in dieser Familiensituation leben oder sogar überleben?

©Ante Vekic/Stock.xchng

Ich hab Sandra gefragt, wie es ihr als Teenager gegangen ist, was ihr geholfen hat.

Sandra ist jetzt 20. Als sie 3 war, haben sich ihre Eltern scheiden lassen. Ihr Vater hat kurz darauf wieder geheiratet.  Mit 8 Jahren hat  sie auf einer Jungscharfreizeit viel über Jesus gehört und hat angefangen, an ihn zu glauben, mit ihm zu leben. Bis zu ihrem 10. Lebensjahr wuchs sie hauptsächlich bei ihren Großeltern auf, ihre Mutter war nicht immer da. Als Sandra 10 war, hat ihre Mutter sie mit sich genommen, da sie eine neue, feste Beziehung einging.

Sandra, was hat dir geholfen, in so einer verwirrenden Familiensituation zu leben?

Als ich mit 10 Jahren mit meiner Mutter in eine andere Stadt ziehen musste, war es für mich total schwer. Neue Familie, neue Schule. Es ging mir total schlecht. Ich wollte die neue Familie nicht, auch in der Schule ging es mir voll schlecht. Dann war da plötzlich Brigitte, die Schwester meines neuen Stiefvaters – und die hat sich irgendwie um mich gekümmert. Sie hat mit mir gelernt und hat mich in eine Kinderstunde mitgenommen. Da bin ich draufgekommen, dass sie auch Christ ist, so wie ich das auf der Jungscharfreizeit kennen gelernt hatte. Es war, als ob Gott sie mir geschickt hätte. Für die Kinderstunde war ich eigentlich schon zu alt, aber ich konnte als Helferin mitarbeiten. Das war für mich dann immer wie „abtauchen in eine andere Welt“, wo es freundlich war, wo man miteinander normal umgeht. Ich hab voll gemerkt, wie Gott mir helfen kann, er ist mir voll wichtig geworden.

Was würdest du jemanden sagen, der in einer ähnlichen Situation ist?

Schau auf Gott – man kann ihn wirklich als liebenden Vater sehen. Er ist ein liebender Gott!

Manche Leute, die ihren eigenen Vater nicht so positiv erlebt haben, tun sich schwer damit, Gott als liebenden Vater zu sehen. Mit deinem Vater war es ja auch nicht immer so einfach. Wie kommt es, dass du so über Gott denken kannst?

Ich hab gemerkt, dass Gott anders ist. Mit meinem Papa bin ich nicht klar gekommen, er war nicht da und ich war mir nicht sicher, ob er mich so richtig mag. Und dann hat es mir geholfen, dass ich Gott als Vater haben kann. Das hab ich auch mal so in mein Tagebuch geschrieben: „Mit meinem Papa komm ich nicht klar, er mag mich nicht richtig. Gut dass ich Gott hab, der mein Vater ist.“

©Johnny Maroun/Stock.xchng

Du hast was von einem Tagebuch gesagt. Hat dir das geholfen?

Ja, das hat mir immer wieder geholfen – was ich meinen Eltern nicht sagen konnte, hab ich da rein geschrieben. Als ich zum Beispiel so mit 14 immer wieder Streit mit meiner Mutter hatte, hab ich da rein geschrieben: „Liebes Tagbuch – nun hab ich endlich begriffen, wie ich mit meiner Mutter umgehen muss, damit ich die nächsten 10 Jahre mit ihr auskomme und damit ich das nicht vergesse, schreibe ich es mir auf.“ Und dann kommen ein paar „Mütterregeln fürs eigene Wohlbefinden“ … Es hat mir voll geholfen, das aufzuschreiben.

Und jetzt hab ich noch eine schwierige Frage: Was bedeutet es für Dich, Vater und Mutter zu ehren (4. Gebot)?

Es bedeutet für mich zu sehen: sie sind nur Menschen, die selber viel verletzt wurden, dass ich sie nicht verurteilen kann, weil das nichts bringt. Du kannst ihnen alles vorwerfen – aber sie wissen es vielleicht eh, dass es wahr ist. Und von Dir als Kind werden sie es sowieso nicht so gut annehmen. Ich bin durch ein Gespräch auf einem Teenagerlager darauf gekommen, dass ich ihnen verzeihen muss. Dass war voll schwierig. Aber in dem Du verzeihst geht es dir selber besser, du bist einfach so befreit. Und irgendwie hat sich dadurch vieles verändert. Ich hatte danach Gespräche mit meiner Mutter, wo sie mir einiges erzählt hat und auch mit meinem Vater. Das ist danach irgendwie alles von selber gekommen.

 

„Sandra“ gibt’s wirklich – nur heißt sie in Wirklichkeit anders… Datenschutz und so…

Ihre Familiensituation gibt es auch wirklich – und den Gott, der ihr hilft … den gibt’s auch wirklich!
Wenn’s Dir in deiner Familie nicht gut geht, probier aus, was „Sandra“ auch geholfen hat:

  • … vertrau auf Gott, den allerbesten Vater
  • … sprich mit jemandem oder fang an, deine Gedanken aufzuschreiben
  • … versuch deine Eltern als Menschen zu sehen, die selber einiges an Problemen haben und manchmal nicht weiter wissen
  • … und versuch, ihnen zu verzeihen …

Gott, der gerne hilft, helfe dir dabei!